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Kraichgau/Mannheim

Kurzfilm gegen Rechts: Im Bus namens Deutschland

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Zwölf Minuten gegen den Hass: Mit seinem Kurzfilm will sich Regisseur Florian Erker aus Gemmingen in die Diskussion um Flucht und Fremdenfeindlichkeit einschalten.

Von unserem Redakteur Alexander Hettich
Regisseur Florian Erker und Hauptdarsteller Christian Birko-Flemming (von rechts) beim Dreh in der Eppinger Raußmühle.

Foto: Archiv/Plapp-Schirmer
Regisseur Florian Erker und Hauptdarsteller Christian Birko-Flemming (von rechts) beim Dreh in der Eppinger Raußmühle. Foto: Archiv/Plapp-Schirmer  Foto: Plapp-Schirmer

Der Streifen um eine beklemmende Busreise durch Deutschland, der unter anderem in der Eppinger Raußmühle gedreht wurde, hat am 7. Mai in Mannheim Premiere. Der 30-Jährige gebürtige Gemminger hofft, dass Fernsehsender und Festivals auf das Werk aufmerksam werden.

Sieben Monate Arbeit stecken in dem Projekt mit dem Titel "Keine Kanaken an Bord". Drei Dutzend Kreative waren meist ehrenamtlich beteiligt, mehr als 3000 Euro kamen per Crowdfunding im Internet zusammen. "Der Aufwand ist ähnlich wie bei einem Spielfilm", weiß Florian Erker.

Reaktionen auf eine Vorabversion für Kritiker und Journalisten seien durchweg positiv. "Das freut mich, ich war richtig nervös", gesteht der Mannheimer, der in Burg Streichenberg bei Gemmingen geboren ist, in Sulzfeld und Eppingen aufwuchs. Leichte Kost ist es nicht, was das Premierenpublikum am Samstag, 7. Mai, ab 14 Uhr im Mannheimer Atlantis-Kino serviert bekommt. "Das ist schon eher experimentell, kein Mainstream."

Der Kurzfilm nimmt den Betrachter mit auf eine absurd anmutende Bustour, gezeichnet in düsterem Schwarz-Weiß, untermalt von bedrohlicher Musik. An Bord sind eine Reihe obskurer Gestalten, Abziehbilder der aktuellen Flüchtlingsdebatte. Der Protagonist (grandios: Christian Birko-Flemming) sieht sich mit eigenen Ängsten, Vorurteilen und Erinnerungen konfrontiert - eine alptraumhafte Fahrt im Bus namens Deutschland durch ein verwirrtes, verunsichertes Land.

Eine kurze Passage spielt in der Eppinger Raußmühle. Im mittelalterlichen Ambiente wollte der Autor der Frage nachgehen, wo sich Fremdenfeindlichkeit schon im Kindesalter manifestiert. In der Rückblende lebt der Hauptdarsteller mit seinem Vater auf einem Hof, als ein neuer Nachbarsjunge dazukommt, den der "Erstling" als Konkurrenten wahrnimmt. Die Raußmühlen-Passage ist allerdings extrem zusammengeschnurrt, ursprünglich sollte sie die Ouvertüre des ganzen Films sein. "Das hat so nicht funktioniert, weil die Dynamik der Handlung verlorengegangen wäre", erklärt der Regisseur, der in der Startphase nicht nur freundliche Reaktionen geerntet hat.

Auf seiner Facebook-Seite musste er immer wieder üble Kommentare löschen, nachdem er dort das Projekt öffentlich gemacht hatte - für ihn nur eine Bestätigung, dass er ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen wollte. "Das Thema ist aktueller denn je", sagt der Filmemacher mit Hinweis auf die Wahlerfolge der AfD: "Rechtes Gedankengut ist noch ein Stück salonfähiger geworden." Der Beitrag soll "sensibilisieren, aufwecken, schockieren", wie es in der Ankündigung heißt - gerne vor großem Publikum.

Mit Arte und dem ZDF ist er im Gespräch. Ob es mit der Ausstrahlung klappt, ist noch offen. "Aber ich bin ganz guter Dinge." Den Festivaljurys im In- und Ausland will Florian Erker das Werk ebenfalls präsentieren - von Berlin bis Cannes: "Das schicke ich überallhin."

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