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Gegen Tierleid

Lauffener Hundetrainerin setzt sich für Straßenhunde aus Rumänien ein

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Viktoria Pfeil aus Lauffen betreibt die Hundeschule „Zaberhunde“. Sie berät Haltern bei Verhaltensproblemen. Besonders spezialisiert ist sie auf Rettungshunde aus Rumänien – so wie ihr Hund Ivan. 


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Mit brummendem Motor fährt ein Traktor aus den Weinbergen auf den Feldweg. Von der anderen Seite nähert sich ein männlicher Spaziergänger. Hund Ivan gähnt ausgiebig - ein Zeichen von Stress. „Das gefällt ihm jetzt nicht“, erklärt Halterin Viktoria Pfeil. Der große, braune Tierschutzhund stammt aus Rumänien.

Traktoren kennt er von dort nicht, und von Männern ging oft Gefahr aus. Am Halsband führt seine Besitzerin ihn weg von den Reizen in Richtung Wald. Hundetraining, erklärt sie, hat viel damit zu tun, wie man aus Situationen dieser Art herauskommt. 

Hundetraining mit Ivan: Wie die Lauffenerin Viktoria Pfeil Hunden aus Rumänien hilft

Kürzlich ist Viktoria Pfeil mit ihrem Mann und Hund Ivan von Güglingen nach Lauffen gezogen. Seit rund zwei Jahren betreibt sie die mobile Hundeschule „Zaberhunde“, in der sie Verhaltensberatung anbietet. „Mein Ziel ist ein harmonisches Zusammenleben“, erklärt die 30-Jährige. Ihr besonderes Interesse gilt geretteten Tieren aus Osteuropa, die dort oft unter schlechten Bedingungen leben. 

Mehrere Jahre engagiert sich Viktoria Pfeil ab 2018 im Tierschutzverein Maoland aus Obersulm, der Hunde aus Rumänien an Adoptanten vermittelt. Zwei Mal ist sie selbst vor Ort. „Die Situation für Hunde in Rumänien ist sehr schlecht“, sagt sie. Oft würden die Tiere schlecht gehalten und behandelt. Es gebe viele Straßenhunde, die aus Mülleimern fressen und sich unkontrolliert vermehren. „An der Straße liegen Hundeleichen, und keinen interessiert es.“

Tierschutz in Rumänien: Straßenhunde und Tötungsstationen

Um der Lage Herr zu werden, gebe es professionelle Hundefänger. Wenn die Tiere Glück haben, landen sie im Tierheim. Viele kämen aber in sogenannte Tötungsstationen, wo sie verhungern oder sich zum Teil gegenseitig fressen. Das passiert systematisch, einschläfern sei zu teuer, sagt Viktoria Pfeil. 

Während ihres Engagements im Verein nehmen Pfeil und ihr Mann regelmäßig Tierschutzhunde aus Rumänien auf, bis sie zu ihrem neuen Besitzer kommen. Einer dieser Pflegehunde ist Ivan. „Ich habe mich so unsterblich verliebt“, erzählt sie. Schnell steht fest, Ivan muss bei ihnen bleiben. „Er ist ruhig, und das mag ich so an ihm. Der Hund muss ja auch zum Menschen passen.“ 

Viktoria Pfeil hat Ivan auch Tricks beigebracht, zum Beispiel kann er die Pfote geben.
Viktoria Pfeil hat Ivan auch Tricks beigebracht, zum Beispiel kann er die Pfote geben.  Foto: Heil, Theresa

Lauffener Hundetrainerin erklärt, warum Auslandshunde besondere Betreuung brauchen

Durch Ivan und die Beratung der Adoptanten merkt sie, dass es in der Haltung und Kommunikation mit den geretteten Hunden oft zu Missverständnissen kommt. „Ein Hund aus dem Ausland ist ein Überraschungsei“, betont sie. Die Hunde hätten in Rumänien gelernt, für sich selbst zu sorgen, indem sie jagen und aus Mülltonnen fressen. Viele seien als Hofhunde gehalten worden, und lassen keine Besucher ins Haus. „Das sind Unarten, die ich auch später im Training bemerke“, sagt Pfeil. Oft wissen die Besitzer nicht, wie sie mit dem Hund umgehen müssen. „Dann hat man irgendwann Verhaltensprobleme.“ 

Im Jahr 2023 absolviert Viktoria Pfeil die Ausbildung zur Hundetrainerin und legt beim Veterinäramt in Heilbronn erfolgreich die Prüfung ab. Bewusst entscheidet sie sich gegen einen Standort und für Hausbesuche. „Ich will die Alltagstauglichkeit für die Hunde verbessern“, erläutert sie. Dabei gehe es nicht nur darum, die Hunde zu erziehen, sondern auch ihre Halter zu trainieren. „Die gesellschaftlichen Anforderungen an Hundehaltung sind in Deutschland sehr hoch“, kritisiert Pfeil.

Rettungshund Ivan kann Frauchen Viktoria Pfeil auch ein High Five geben.
Rettungshund Ivan kann Frauchen Viktoria Pfeil auch ein High Five geben.  Foto: Heil, Theresa

Von der Psychiatrie zur Hundeschule: Viktoria Pfeil berät Hundehalter

Viele Probleme beginnen damit, dass der Hund nicht in die Familie oder das Umfeld passe. Oft hätten die Halter selbst Probleme, könnten mit schwierigen Situationen nicht umgehen und fühlten sich machtlos. „Meistens müssen die Leute eher an sich arbeiten“, sagt Viktoria Pfeil. „Ich verstehe mich als Sprachrohr der Hunde, weil für sie setzt sich niemand ein.“ 

Dabei hilft ihr auch ihre Ausbildung als Krankenpflegerin. Lange hat Pfeil in der Psychiatrie gearbeitet. Sie hat ein Gespür dafür, Probleme zu erkennen und Lösungswege aufzuzeigen. Die Halter müssten sich irgendwann selbst helfen, sagt sie. Es dürfe keine Abhängigkeit zu ihr als Trainerin entstehen. 

Neben Hausbesuchen bietet Pfeil auch sogenannte „Social Walks“ (deutsch: soziale Spaziergänge) an. Dabei treffen sich Hundehalter, um mit ihren angeleinten Tieren gemeinsam spazieren zu gehen. „Das hat eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt sie. Viele Rettungshunde müssten sich an die Einschränkung der Leine und das Zusammensein mit anderen Tieren gewöhnen. Für ihre Arbeit ist Viktoria Pfeil im ganzen Zabergäu und in Heilbronn unterwegs. Künftig möchte sie auch einen Begegnungsort für Hunde direkt in Lauffen anbieten. Sie befindet sich gerade in Gesprächen für eine geeignete Fläche. 

Krankheiten

Wie auch Ivan tragen viele Hunde eine Narbe an der Schnauze, die von der Markierung durch ein Brandeisen herrührt. Dabei handle es sich um einen alten Brauch in Rumänien - die Leute würden glauben, dass die Verletzung vor einer Hundekrankheit schützt, erklärt Hundetrainerin Viktoria Pfeil. Krankheiten sind unter den Straßenhunden weit verbreitet. Bevor Hunde aus Rumänien nach Deutschland einreisen dürfen, müssen sie laut Viktoria Pfeil kastriert und auf Krankheiten getestet werden. 

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