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Reparatur-Café in Bad Rappenau: Zweite Chance für Toaster, Drucker und Co

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Es fing als Versuch an. Mittlerweile kommen zu den alle zwei Monate stattfindenden Treffen des Bad Rappenauer Reparatur-Cafés dutzende Menschen, die ihren Geräten eine zweite Chance geben wollen.

Walter Geml (rechts) und der Erste Vorsitzende des Reparatur-Cafés in Bad Rappenau, Klaus Ries-Müller, sind Aktive der ersten Stunde. Mittlerweile haben die Mitglieder eigene T-Shirts, um bei den Terminen im Hotel Häffner gleich erkannt zu werden.
Walter Geml (rechts) und der Erste Vorsitzende des Reparatur-Cafés in Bad Rappenau, Klaus Ries-Müller, sind Aktive der ersten Stunde. Mittlerweile haben die Mitglieder eigene T-Shirts, um bei den Terminen im Hotel Häffner gleich erkannt zu werden.  Foto: Hofmann, Elfi

Wenn der Toaster oder der Wasserkocher kaputt gehen, kauft man sich schnell einen neuen. Das ist aber weder gut für den Geldbeutel noch nachhaltig, denn oft können die Geräte mit wenigen Handgriffen repariert werden. Wenn dafür allerdings Talent und Zeit fehlen, gibt es seit fast einem Jahr in Bad Rappenau die Möglichkeit, das Reparatur-Café zu besuchen.

Resonanz des Reparatur-Cafés in Bad Rappenau reicht für Vereinsgründung

Bei der Premiere im Februar 2023 wurden die drei Reparateure, die sich in einem Raum im Hotel Häffner mit ihrem Werkzeug bereithielten, praktisch überrannt. Dabei hatte Initiator Klaus Ries-Müller damals noch Bedenken, ob die Resonanz ausreichen würde, einen Verein zu gründen. 23 Geräte hatten die Besucher damals im Gepäck, einem dauerhaften Angebot stand also nichts im Weg.

Mittlerweile hat der Verein 20 Mitglieder, die Hälfte von ihnen legt selbst Hand an. Um sich gleich als Ansprechpartner zu identifizieren, wurden kürzlich Poloshirts angeschafft. "Die sind noch ganz druckfrisch", sagt der Erste Vorsitzende, Klaus Ries-Müller. Er selbst repariert nicht, "mir fehlt die Geduld". Ganz im Gegensatz zu Walter Geml. "Mit zehn Jahren habe ich schon meinen ersten Stromschlag bekommen", erzählt er lachend. Kein Gerät war vor ihm sicher, alles habe er aufschrauben müssen.

Geräte im Reparatur-Café: Manchmal liegt es nur am Staub

In seinem Engagement für das Reparatur-Café sieht er auch einen Ausgleich und schätzt die Erfolgserlebnisse. Denn die gibt es zahlreich. Oft sind die Lösungen ganz einfach. Zum Beispiel dann, wenn ein Gerät im Inneren lediglich stark verschmutzt oder eingestaubt ist. So wie bei dem Heizlüfter einer Kundin, der sich immer nach drei Minuten abgeschaltet hat. "Der war so staubig, ich musste sogar kurz vor die Tür gehen", erzählt Geml.

Etwas komplizierter wird es, wenn passende Ersatzteile fehlen. So wie bei einer Kaffeemaschine "Made in England". Gut, dass ein Bekannter einen 3-D-Drucker sein Eigen nennt. Mit dem wurde das fehlende Stück hergestellt und im Anschluss in kochendem Wasser getestet. Schließlich entwickelt eine Kaffeemaschine eine gewisse Temperatur. Das Teil passte tatsächlich, das Gerät funktioniert wieder.

Reparatur-Café in Neuenstadt verfügt über einen kleinen Maschinenpark

Einen solchen Drucker könnte sich auch Klaus Ries-Müller gut im Vereinsfundus vorstellen. "So teuer sind die ja nicht mehr", sagt der Vorsitzende. Doch dafür - und für andere Hilfsmittel - wäre ein Raum nötig, in dem Werkzeug und andere Utensilien gelagert werden können. Ähnlich wie in Neuenstadt: Das dortige Reparatur-Café existiert bereits seit einigen Jahren. "Dort gibt es einen richtigen Maschinenpark", erzählt Ries-Müller. Der wurde über ein Spendenprogramm eines Unternehmens finanziert. Auch in Heilbronn gibt es ein Reparier-Café, im Maker Space der Experimenta. 

Eine Alternative wäre ein Bauwagen. Der ist mobil, die Geräte könnten dort gelagert werden. Mit den Räumlichkeiten im Hotel Häffner sei der Verein aber sehr zufrieden, betont der Vorsitzende. Nur einmal, im vergangenen Juli, zog der Tross vor das Eiscafé Cortina in der Innenstadt. Zu diesem Treffen karrte ein Besucher einen Brennofen an. Drei Personen mussten mit anpacken, um ihn auszuladen.

Eigentlich repariere man solche großen Geräte gar nicht, sagt Walter Geml. Prompt flog dann auch noch die Sicherung raus. "Dann mussten wir erstmal unsere eigenen Sachen reparieren", erinnert sich der Bad Rappenauer. Letztendlich lag das Problem an einem durchgebrannten Relais, das bestellt wurde. Der Ofenbesitzer musste es dann nur noch einbauen.

Nächster Termin für das Reparatur-Café

Der nächste Termin für das Reparatur-Café steht bereits fest: Am 23. März können Interessenten mit ihren kaputten Geräten ins Hotel Häffner in der Salinenstraße in Bad Rappenau kommen. Zwischen 14 und 17 Uhr stehen die Reparateure bereit. Smartphones, Kaffeevollautomaten oder Waschmaschinen werden allerdings nicht repariert.

Auch Kühlschränke oder Fahrräder fallen nicht in den Aufgabenbereich. Wer sich selbst engagieren möchte, kann Mitglied im Verein werden. Weitere Informationen gibt es unter reparatur-initiativen.de/reparatur-cafe-bad-rappenau.

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