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Reparier Café Heilbronn ist gut gefragt – Was Besucher wissen müssen

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Im Reparier Café Heilbronn bewahren 16 ehrenamtliche Helfer kaputte Gegenstände vor dem Müll. Wann die Werkstatträume in der Experimenta geöffnet sind und welche Dienste angeboten werden.

Klaus-Peter Hubing (rechts) und Helmut Drauz sind schon seit vielen Jahren beim Heilbronner Reparier Café dabei, Hubing sogar seit der Gründung. 
Foto: Christiana Kunz
Klaus-Peter Hubing (rechts) und Helmut Drauz sind schon seit vielen Jahren beim Heilbronner Reparier Café dabei, Hubing sogar seit der Gründung. Foto: Christiana Kunz  Foto: Christiana Kunz

"Wir reparieren alles außer gebrochene Herzen", sagt Klaus-Peter Hubing und lacht. Der 68-Jährige ist seit den Anfängen des Heilbronner Reparier Cafés vor zehn Jahren dabei. 16 Ehrenamtliche, darunter drei Frauen, machen hier defekte Geräte oder Gegenstände wieder funktionsfähig.

Reparier Café trifft sich zweimal im Monat in der Experimenta

Zweimal im Monat öffnet das Reparier Café seine Türen, früher im Olgazentrum, heute im Maker Space der Experimenta, wo den fleißigen Händen hochwertig ausgestattete Werkräume mit jeder Menge Werkzeuge zur Verfügung stehen.

Ob Lampen, Toaster, Mixer, Staubsauger, Kleiderbügel oder Puppen: Die ehrenamtlichen Helfer sind wahre Alleskönner und bewahren den Großteil der Dinge vor dem Müll. Den Menschen wollen sie aber vor allem Hilfe für Selbsthilfe anbieten, erklärt Klaus-Peter Hubing.

Meistens braucht es für eine Reparatur nicht viel

Oft werde gemeinsam repariert. So zum Beispiel an diesem Tag auch mit Olena Zapf und ihrer zehnjährigen Tochter Luisa. Die beiden sitzen mit Jochen Buchty vor ihrem knallrotem Staubsauger. Etwa acht Jahre ist er alt, manchmal gibt er den Geist auf, hört auf zu saugen.

Jetzt hat das Mutter-Tochter-Gespann den Grund erfahren: Borsten im Kabel sind durch das Abknicken beim Saugen gerissen, ein neuer Stecker muss her. "Meine Vermutung hat sich bestätigt", sagt Olena Zapf. "Ich habe mir schon gedacht, dass es am Kabel liegt." Ihr Mann habe einen neuen Staubsauger kaufen wollen. Die Investition kann sich die Familie nun sparen.

85-jährige Dame rührt Helfer mit altem Röhrenradio zu Tränen

Oftmals sind es 50 Cent oder wenige Euro, die investiert werden müssen, um Geräte wieder zum Laufen zu bringen. Nachhaltig ist es sowieso. Und auch den Menschen zaubern die Reparaturen ein Lächeln ins Gesicht, weiß Klaus-Peter Hubing aus Erfahrung, der sich bei dieser Gelegenheit an eine 85-jährige Dame erinnert, die von ihrem Mann verlassen wurde. Nur Geräte habe er bei ihr gelassen, die entweder nicht mehr funktionierten oder die ihm nicht gefielen.

Ein etwa acht Kilo schweres Röhrenradio aus dem Jahr 1958 habe die Dame extra ins Reparier Café getragen. Und als es Klaus-Peter Hubing zum Laufen brachte, sind bei ihr ein paar Freudentränen geflossen. "Ihre Reaktion hat mich selbst zu Tränen gerührt", schwärmt der langjährige Funkamateur.

Angebot im Textil-Bereich erweitert

Auch Helmut Drauz, der seit 2015 Teil des Reparier Cafés ist, kriegt jedes Mal Gänsehaut bei dieser Geschichte, so der Ingenieur im Ruhestand. Im Reparier Café sieht er einen Mehrwert: "Wenn Gegenstände repariert werden, spart das Ressourcen, Energie und ist gut für die Umwelt."

Im Reparier Café, dessen Angebot jüngst im Textil-Bereich erweitert wurde, packen nicht nur Fachleute an, die ihr Berufsleben hinter sich gelassen haben, sondern auch Berufstätige, helfen wollen. So wie Ralf Köllreutter. Ihm mache die Arbeit Spaß. "Es ist wie Detektivarbeit, wenn man Fehler sucht und findet", schwärmt der Diplom-Ingenieur. Manchmal stoßen die Reparierer aber auch an ihre Grenzen. Zum Beispiel, wenn es um Kaffeevollautomaten oder Flachbildschirme geht. Dann verweisen die Männer auf die jeweiligen darauf spezialisierten Betriebe.

Öffnungszeiten und weitere Infos

Immer am zweiten und vierten Montag im Monat hat das Reparier Café im Maker Space in der Experimenta Heilbronn, von 15 bis 17 Uhr, geöffnet. Am 11. März bleibt das Reparier Café zu.

Hundert Tausende Tonnen Elektrogeräte landen allein in Deutschland jedes Jahr im Müll. Um mehr elektrische Kleingeräte reparieren zu können, müsste man besser an Ersatzteile herankommen. Die EU will dagegen vorgehen. Ziel ist es, Ressourcen zu schonen und die Müllmenge zu verringern. Das sogenannte Recht auf Reparatur gilt als ein wichtiger Schritt für den Plan der EU, bis 2050 eine Kreislaufwirtschaft zu verwirklichen. Diese wiederum ist Teil des europäischen Grünen Deals, dem Fahrplan der EU, um bis 2050 klimaneutral zu werden

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