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Bad Rappenau
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Beim ersten Reparatur-Café in Bad Rappenau lernen alte Mixer wieder zu zaubern

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Die Bad Rappenauer ÖDP wollte schon länger ein Reparatur-Café organisieren. Jetzt wurde der Plan in die Tat umgesetzt. Die Premiere lief gut, eine Wiederholung ist also nicht ausgeschlossen.

40 Jahre ist der Stabmixer alt. Und dank Jürgen Friedrich kann das Gerät nun auch in Zukunft wieder Lebensmittel zerkleinern.
40 Jahre ist der Stabmixer alt. Und dank Jürgen Friedrich kann das Gerät nun auch in Zukunft wieder Lebensmittel zerkleinern.  Foto: Hofmann, Elfi

Konzentriert schaut Jürgen Friedrich auf den Stabmixer, der vor ihm liegt. Das weiße Gehäuse hat der Bad Rappenauer entfernt und versucht nun, den Zauberstab mit Schraubenzieher und Zange zu reparieren. "Der Motor funktioniert noch", erzählt er. "Aber es dreht sich nichts mehr."

Daneben sitzt die Besitzerin des Mixers und ist merklich gespannt. Über 40 Jahre alt sei das Gerät, erzählt sie. Bereits ihre verstorbene Mutter habe damit Lebensmittel zerkleinert. "Mein Bruder hat ihn in der Schweiz gekauft und gesagt, ich soll ihn nicht wegwerfen, den kann man bestimmt noch reparieren."

Drei fachkundige Ehrenamtliche reparieren Toaster, Wecker und Leuchten

Ihre letzte Hoffnung ist das Reparatur-Café, das die Bad Rappenauer ÖDP organisiert hat. In einem Raum im Hotel Häffner haben sich drei fachkundige Ehrenamtliche an den Tischen verteilt und versuchen mit dem passenden Werkzeug und besonders ihrer Expertise vor allem elektronische Geräte wieder zum Laufen zu bringen. Radios, CD-Player und Wecker sowie Leuchten und Wasserkocher sind dabei. Auch Toaster und Kaffeemaschinen werden vorbeigebracht.

"Wir hatten so ein Angebot schon länger geplant", erzählt Klaus Ries-Müller. Corona habe die Idee allerdings immer wieder ausgebremst. Mit der Premiere möchte der ÖDP-Vorsitzende ausloten, wie groß das Interesse der Menschen ist. Wenn die Resonanz da sei, könne er sich vorstellen, auch einen Verein zu gründen, "losgelöst von der ÖDP". "Aber jetzt warten wir ab, wie das Treffen angenommen wird."

15 Minuten für die Reparatur benötigt

Währenddessen schraubt Jürgen Friedrich den Stabmixer langsam wieder zusammen. Vorher hat er mit einem Spray Reinigungsmittel verteilt. "Wenn er wieder funktionieren sollte, muss er kurz im Wasser laufen", erklärt er der gespannten Besitzerin, die extra aus Helmstadt in die Kurstadt gekommen ist. Und siehe da: Der Zauberstab dreht sich plötzlich wieder. "Es ist jedes Mal ein Hochgefühl, wenn es klappt", sagt der Bad Rappenauer. 15 Minuten hat er gebraucht, um das Gerät wieder zum Laufen zu bringen - und dessen Besitzerin glücklich zu machen. "Das ist ja Wahnsinn!", ruft sie.

Friedrich ist ebenfalls zufrieden, kann die Freude allerdings nicht wirklich genießen, denn der nächste Hilfesuchende wartet bereits. "Ich habe hier einen CD-Player, der die CD direkt wieder rauswirft", fasst Walter Geml kurz zusammen. Mit ruhiger Hand schraubt Jürgen Friedrich die Verkleidung ab. Er vermutet eine Störung des Lasers. Wieder kommt das Reinigungsspray zum Einsatz. Und tatsächlich, die CD bleibt in der Anlage, wird allerdings nicht ausgelesen. "Da muss man die ganze Einheit wechseln", vermutet der Ingenieur.

30 Jahre alt ist der CD-Player - und wird wohl keinen weiteren Geburtstag feiern, denn finanziell lohnt sich der Austausch nicht. "Das Kassettendeck funktioniert aber noch tadellos", erzählt Walter Geml, der sich direkt auf den Weg nach Hause macht, um das nächste Gerät zu holen, das repariert werden muss.

Andere Länder, andere Schrauben

Und auch Michael Walter am Nachbartisch stößt bei einem Toaster an Grenzen. Das Gerät werde nicht mehr heiß, erklärt die Besitzerin. Um das Gehäuse zu öffnen, fehlt Michael Walter allerdings das richtige Werkzeug, bei dem weder Jürgen Friedrich noch der dritte Experte Roland Heck aushelfen können. Der Toaster wurde in Großbritannien produziert, die Köpfe der Schrauben sind dort anders als in Deutschland. "Ich kann ihn mitnehmen und versuchen, einen passenden Schlüssel zu besorgen", bietet Michael Walter an. Gesagt getan, der Toaster wandert in die Tasche.

Jürgen Friedrich (links) und Michael Walter stoßen bei einem Toaster aus britischer Herstellung an ihre Grenzen. Für die Schrauben haben sie nicht den passenden Schlüssel.
Jürgen Friedrich (links) und Michael Walter stoßen bei einem Toaster aus britischer Herstellung an ihre Grenzen. Für die Schrauben haben sie nicht den passenden Schlüssel.  Foto: Hofmann, Elfi

Nach drei Stunden sind 23 Geräte durch die Hände der fachkundigen Männer gegangen. Acht konnten direkt vor Ort repariert werden, für sechs müssen noch Ersatzteile besorgt werden. Lediglich neun Stücke werden wohl in den Müll wandern.

Das Reparatur-Café war das 1000. des Netzwerks Reparatur-Initiativen. Dort kann man sich austauschen und Informationen zur Organisation eines solchen Angebots bekommen. Wer ein Gerät reparieren lassen möchte, muss vor Ort eine Haftungsbegrenzung unterschreiben. "Der rechtliche Status ist wie bei der Nachbarschaftshilfe", erläutert Klaus Ries-Müller. Über die Initiative hat die ÖDP als Veranstalter eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, die zum Beispiel bei grober Fahrlässigkeit greifen würde.

 
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