Obstbäume kostenlos abernten ist ein neuer Trend
Obst für Alle: Unter diesem Motto bieten Gemeinden im Kraichgau Obstbaumbesitzern die Möglichkeit, ihre Bäume für die Ernte durch Streuobstliebhaber freizugeben. Initiiert werden die Aktionen von den Kommunen, die auch eigene Bäume zur Ernte freigeben.

Obst für Alle: Unter diesem Motto bieten verschiedene Gemeinden im Kraichgau Obstbaumbesitzern die Möglichkeit, ihre Bäume für die Ernte durch Streuobstliebhaber freizugeben. Initiiert werden die Aktionen von den jeweiligen Kommunalverwaltungen, die auch eigene Bäume zur Ernte freigeben.
Bereits seit zwei Jahren gibt es diese Aktion in Eppingen - doch die Resonanz ist verhalten
"Zur Erntezeit ist mehr Obst reif, als mancher vielleicht verbrauchen kann", teilt Cathrin Leuze von der Stadtverwaltung mit. "Die Obstbäume hängen voll und vieles fällt herunter und verrottet." Deshalb wurde im Jahr 2019 die Aktion "Ernten erwünscht, Obst teilen" ins Leben gerufen. "Viele Bürger, die gerne Obst ernten möchten und keine eigenen Bäume haben, würden bestimmt gerne auf Obst, das die Besitzer selbst nicht ernten, zugreifen." Zur Kennzeichnung, welche Obstbäume zur Ernte freigegeben sind, stellt die Stadt Eppingen als Organisator Bänder zur Verfügung, welche vom Besitzer angebracht werden können und Interessierten signalisieren sollen, dass hier für den persönlichen Bedarf geerntet werden darf. Die weißen Bänder sind mit folgender Aufschrift gekennzeichnet: "Streuobstaktion Eppingen - Ernten erwünscht".
Da es auch im Besitz der Stadt Obstbäume gibt, die nicht abgeerntet werden, "bekommen wir vom Rathaus die Nachricht, welche Bäume wir mit weißen Bändern kennzeichnen sollen", berichtet Martin Kuhmann, der Leiter des städtischen Bauhofs. Wer Interesse an der Ernte habe, so der Leiter des städtischen Bauhofs weiter, teilt das Claudia Weiland mit, die im Rathaus für die Aktion verantwortlich ist. Die Mitteilung sei wichtig, "falls jemand bei der Ernte beobachtet wird und der Beobachter denkt, hier wird Obst geklaut." In Eppingen beschränkt sich das Angebot nicht nur auf Apfel- und Birnenbäume, sondern beginnt mit der Kirschenernte. "Leider bleibt die Resonanz seitens der privaten Baumbesitzer aus", bedauert Cathrin Leuze: "Auch in diesem Jahr wurden keine Bänder abgeholt." Bezogen auf das städtische Angebot stellt Cathrin Leuze fest: "Es gibt schon eine Nachfrage, die aber das Angebot nicht ausgeschöpft."
Erstmals initiiert Sulzfeld die Aktion "Gelbes Band: Hier darf geerntet werden"
Diese Aufschrift ist auf den gelben Bändern, die Interessierte im Bürgerbüro kostenlos abholen können, zu lesen. Teilweise werden auch kommunale Obstbäume vom Bauhof mit den gelben Bändern gekennzeichnet, verspricht die Verwaltung. Ziel der Aktion ist auch hier, zu verhindern, dass die Früchte verrotten, obwohl die Nachfrage nach frischem Obst groß ist. Die Gemeinde verfolgt aber noch ein weitergehendes Ziel mit ihrer Aktion: "Das Interesse an Streuobstwiesen soll hiermit auch sensibilisiert und Nachhaltigkeit gelebt werden", steht auf der Homepage der Gemeinde.
Eine Bitte gibt die Verwaltung den Erntenden mit auf den Weg: "Gehen Sie sorgfältig bei der Ernte mit den Obstbäumen um und verlassen Sie die Grundstücke so, wie Sie sie vorher angetroffen haben zum Schutze der Streuobstwiesen und Bäume."
Den Schutz der Pflanzen setzt auch die Stadt Bad Rappenau bei Erntewilligen voraus
Es sollten keine Äste abgebrochen werden, um an die Früchte zu gelangen, macht Verena Gold von der Stadt deutlich. Eine Pflückhilfe mit Verlängerungsstab oder eine Leiter könnten helfen, hoch hängendes Obst zu erreichen. In Bad Rappenau werden kommunale Bäume, die freigegeben sind, in der Kernstadt mit dem Stadtlogo besprüht. Gold bittet darum, nur reifes Obst zu ernten. Die Ernte geschehe auf eigene Gefahr.
Egal, ob gelbes oder weißes Band oder aufgesprühtes Stadtlogo, eines haben die Aktionen gemeinsam: "Das Obst darf nicht für gewerbliche Zwecke, sondern nur für den privaten Gebrauch geerntet werden", heißt es unisono in den Mitteilungen der Kommunen.
In Kirchardt und Obergimpern gibt es noch klassische Obstbaum-Versteigerungen
Während in der Bad Rappenauer Kernstadt seit 2020 keine Obstbaumversteigerung mehr stattfindet, wird dieser Brauch in Obergimpern aufrechterhalten. Die Nachfrage dort sei noch gegeben, teilt Verena Gold von der Stadtverwaltung mit. Auch in Kirchardt wird Obst noch klassisch versteigert. Zwei, drei Interessierte kämen jedes Jahr, berichtet Thomas Seemann, unter anderem zuständig für Land- und Forstwirtschaft. Es würden etwa 30 Bäume vorwiegend mit alten, lagerfähigen Obstsorten versteigert. Für andere, im kommunalen Eigentum stehende Obstbäume gilt: "Wer Interesse an der Ernte hat, kann sich bei mir melden und ich kläre ab, ob der Baum uns gehört und abgeerntet werden kann." In der Regel sei dies kostenlos möglich, "ich registriere die Nachfrage nur, um bei eventuellen Meldungen über Obstklau zu wissen, ob die Ernte an diesem Baum gestattet war."
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