Stimme+
Eppingen
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Flutschutz: Damit sich 2016 nicht wiederholt

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Bei jedem heftigeren Regenguss sind die Anwohner der Bräunlingstraße im Eppinger Norden alarmiert. Wer wollte es ihnen verdenken: Hier waren die Schäden beim katastrophalen Hochwasser 2016 besonders heftig.

Von Alexander Hettich

Die Stadt hat reagiert, baut den angrenzenden Feldweg um und nimmt die Landwirtschaft in die Pflicht. Eines ist aber klar: Sollte es wieder so schütten wie im Juni vergangenen Jahres, hilft kaum eine Flutschutzmaßnahme.

Schlaflose Nächte, bange Blicke nach draußen. Die Anwohner in der Eppinger Nordstadt kennen das, seit Ende Juni 2016 ein verheerendes Unwetter Schlamm und Wassermassen die Straßen überflutete. Besonders betroffen war die Bräunlingstraße. Dort ist die Sorge besonders groß, wenn es wie Anfang der Woche kräftig schüttet. "Wir haben am Montag Glück gehabt, dass der Starkregen nur etwa eine Viertelstunde gedauert hat", schreibt eine Anwohnerin. Der Schlamm habe schon wieder das erste Grundstück erreicht. Der Graben, der das Wasser aufnehmen soll, sei überschwemmt gewesen.


"Leute sind hochsensibel"

"Die Leute sind hochsensibel", weiß Bürgermeister Peter Thalmann, "das gilt aber auch für uns in der Verwaltung." Die Stadt hat Ingenieure beauftragt. Sie sollen am Rechner aufwendig simulieren, wie das Wasser bei Starkregen fließt. So werden Schwachstellen deutlich. Ein Alarm- und Einsatzplan wird aufgestellt −wobei der Einsatz der Rettungskräfte schon bei der Flut 2016 "hervorragend funktioniert" habe, wie Thalmann betont. Alle Gitter an Wassereinläufen, wie es auch an der Bräunlingstraße einen gibt, würden vom Bauhof nach jedem kräftigen Regenguss freigeräumt und gesäubert. Und es wird gebaut: Der Feldweg in Verlängerung der Bräunlingstraße war tellerflach und leitete das Wasser nicht wie vorgesehen in den Graben, sondern Richtung Stadt. Der Weg wird umgebaut, erläutert Thalmann. Er hat künftig ein Quergefälle von rund fünf Prozent, ist also an der Seite zum Graben hin etwa zwölf Zentimeter tiefer.

Auch die Straße selbst wird am Rand der Bebauung um 40 Zentimeter angehoben − hier könnte sich laut Thalmann im Ernstfall das Wasser stauen, bevor ist in das Rohr abfließt, das mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern ausreichend bemessen sei. Weiteres Problem: Am Hang, von dem 2016 die Fluten herabschossen, waren teilweise Karotten und Zwiebeln gesät. Sie halten das Wasser weit schlechter zurück als etwa Getreide. Schon jetzt sei die Fläche mit problematischer Bepflanzung zurückgefahren. "Ab 2018 wird es keine Sonderkulturen in Hanglage mehr geben", berichtet der Bürgermeister von der Übereinkunft mit dem Landwirt. Thalmanns Botschaft: Was geht, wird getan. Er unterstreicht aber auch: Was im Juni 2016 niederging, sei ein Unwetter, wie es statistisch gesehen alle 200 bis 500 Jahre vorkommt. Pro Quadratmeter gingen in einer Dreiviertelstunde 60 Liter Wasser nieder. Dagegen sei kein Flutschutzkonzept gefeit.

Rückblick: Unwetterschäden gehen in die Hunderttausende

Die Rückhaltebecken des Zweckverbands Hochwasserschutz Elsenz-Schwarzbach haben ihren Dienst getan. Bei den jüngsten Regengüssen war die Situation nirgends auch nur annähernd kritisch. Das Netz wird derweil weiter ausgebaut. Neue Dämme sind etwa bei Richen und Rohrbach geplant.

Auch interessant: Trotz allem dankbar - Ein Eppinger Flutopfer ein Jahr danach

 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben