Unwetter richtet Schäden in den Hunderttausenden an
Schäden, die in die Hunderttausende gehen, mehr als 70 überflutete Keller, Garagen und tiefergelegene Wohnungen, das ist die Bilanz der Eppinger Unwetternacht vom Freitag. Doch nicht nur Eppingen, auch andere Regionen des Landes haben mit den Folgen von Starkregen zu kämpfen.
„Als wir gegen 1 Uhr den ersten Einsatz bekommen haben, konnten wir die Spitzgärten schon nicht mehr erreichen“, schilderte Thomas Blösch, stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr die Lage. „Wir konnten zuschauen, wie das Wasser in den Bächen ansteigt, binnen 20 Minuten stieg der Wasserspiegel um mehr als 20 Zentimeter.“
In der Bräunlingstraße wurden Fahrzeuge durch die Wucht des Wassers mitgerissen und nur durch Zäune gebremst. „Im Bereich Talstraße, Bräunlingstraße, Emil-Thoma-Straße stand das Wasser teilweise bis zu einem Meter oder höher in den Kellern und Garagen“, so Blösch, der sich gemeinsam mit Oberbürgermeister Klaus Holaschke in den frühen Morgenstunden ein Bild vom Ausmaß der Schäden machte. „Es ist wichtig, mit den Betroffenen in Kontakt zu kommen und ihnen Mut zuzusprechen“, erklärte Holaschke und fügte an, „wir sind bereits dabei, Bestandsaufnahmen zu machen, die Schäden zu begutachten, um später die Lage analysieren zu können.“
Kanalisation stößt an ihre Grenzen
Um über weitere Hochwasserschutzmaßnahmen nachzudenken, „ist es noch zu früh, wir können jedoch sagen, dass unsere Regenrückhaltebecken ihren Zweck zu 100 Prozent erfüllt haben. Sie sind voll, aber nicht übergelaufen. Aber jede Kanalisation stößt irgendwann an ihre Grenzen, wenn in weniger als einer Stunde mehr als 50 Liter Wasser fallen.“
Doch nicht nur die ergiebigen Niederschläge seien das Problem gewesen, die Nordstadt wurde vom Schlamm überzogen, der von den umliegenden Feldern weggeschwemmt wurde. „Wir haben uns sofort darum gekümmert, dass Container geliefert werden, damit der Schlamm entsorgt werden kann“, so Holaschke, der von dramatischen Szenen in der Nacht berichtete. „Einen Anwohner konnten wir gerade noch davon abhalten, ins Hochwasser zu gehen, um einen Schachtdeckel zu öffnen, ein anderer Einwohner, der eine Kellergeschosswohnung bewohnt, konnte seine Wohnung gerade noch verlassen.“ Mehrere Stunden dauerte es, bis die Feuerwehr diese Wohnung öffnen konnten, um Wasser und Schlamm abzupumpen.
Unbürokratische Hilfe
„Wir versuchen, den Menschen unbürokratisch zu helfen“, versprach Stadtoberhaupt Holaschke, der sich sichtlich geschockt von den Zerstörungen zeigte. So war der Kreisel zwischen Bad Rappenauer Straße/Talstraße/Scheuerlestraße ebenso unpassierbar wie die Talstraße an sich. Zentimeterdick hatte sich der Schlamm über die Fahrbahnen, die Gehwege und die Hocheinfahrten gelegt.
Nachbarschaftshilfe wurde großgeschrieben, in den am stärksten betroffenen Gebieten half man sich gegenseitig. Große Traktoren zogen zum einen die nicht mehr fahrbereiten Kraftfahrzeuge aus den Garagen und luden Schaufel um Schaufel Schlamm auf.
In eine Seenlandschaft hatten sich die Bahnhofswiesen sowie der Fußweg entlang des Mühlkanals verwandelt. „Normalerweise sieht man den Kanal überhaupt nicht“, merkte Holaschke an, der von einem Anwohner darauf hingewiesen wurde, „dass es so schlimm seit 22 Jahren nicht mehr war.“
Neben der Kernstadt waren auch Adelhofen, Mühlbach, Kleingartach und Rohrbach a. G. betroffen, die Bundesstraße 293 musste zwischen den Anschlussstellen Eppingen Mitte und Eppingen-Süd in beide Richtungen gesperrt werden.
Lokales Ereignis
Während es in der Fachwerkstadt Schäden in noch unbezifferbarer Höhe gab, blieben die übrigen Gemeinden nach Auskunft des stellvertretenden Kreisbrandmeisters Heiner Schiefer (Lauffen) verschont. „Es war ein lokales Ereignis“, so Schiefer.
Die Eppinger Feuerwehr, die von der Wehr aus Ittlingen unterstützt wurde, war mit 100 Mann und 20 Fahrzeugen im Einsatz. „Wir haben hohe Sachschäden, aber glücklicherweise keine Personenschäden“, atmete Frank Pitz von der Einsatzleitung zwischendurch erleichtert auf.
Unwetter treffen Südwesten
Eppingen ist nicht die einzige Gemeinde im Land, die mit den Folgen des Starkregens zu kämpfen hat. In der Nacht auf Samstag haben erneut viele Unwetter in Baden-Württemberg gewütet, weswegen sogar das Southside Festival in Neuhausen ob Eck abgebrochen wurde. Insgesamt fiel die Bilanz jedoch weniger dramatisch aus als nach dem Starkregen Ende Mai.

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