Unwetter treffen den Südwesten - 82 Leichtverletzte bei „Southside“
Bei den starken Unwettern ist der Südwesten glimpflich davon gekommen. Katastrophen wie in Braunsbach vor einem knappen Montag gab es nicht. Dennoch: Beim „Southside Festival“ wurden etliche Besucher leicht verletzt und die Kleinstadt Pfullingen wurde überschwemmt.
Unwetter haben erneut in Baden-Württemberg gewütet, doch die Bilanz fiel weniger dramatisch aus nach dem Starkregen Ende Mai. Zwar wurden 82 Besucher des vorzeitig beendeten „Southside Festival“ leicht verletzt, schwer Verletzte oder Tote wurden aber nicht beklagt. Im ganzen Land musste die Feuerwehr in der Nacht zum Samstag vollgelaufene Keller und Unterführungen abpumpen sowie Straßen von umgefallenen Bäumen räumen und Brände infolge von Blitzeinschlägen löschen. Der Sachschaden blieb insgesamt überschaubar. „Die Folgen halten sich in Grenzen“, sagte etwa ein Polizeisprecher in Biberach. In Pfullingen südlich von Stuttgart war die Feuerwehr im Dauerersatz.
Der Wetterdienst gab keine Entwarnung. Vom frühen Nachmittag an seien Gewittern mit „starkem Unwetterpotenzial“ zu erwarten. Der Deutsche Wetterdienst rechnete mit Niederschlägen 30 bis 60 Liter pro Quadratmeter sowie Hagel und Sturmböen bis zu 90 Stundenkilometern. Erst ab dem frühen Sonntagmorgen schwäche sich das Unwetterrisiko ab. „Sonntag wird ein Tag zum Durchatmen“, sagte ein Meteorologe. Es werde deutlich trockener, nur noch auf der Schwäbischen Alb und im Schwarzwald seien gelegentliche Schauer nicht auszuschließen. Die Temperaturen sollen bei angenehmen 24, 25 Grad liegen.
In der Nacht zum Samstag war auch Karlsruhe von starken Niederschlägen betroffen. Dort entluden sich dunkle Wolken. „Über einem Teil von Karlsruhe hing eine richtig giftige Gewitter-Zelle“, sagte ein Polizeisprecher. Infolge des Unwetters wurden die Straße und Stadtbahnstrecke ins Albtal in der Nacht gesperrt. Dort waren Hänge abgerutscht. Die Gleise wurden am Morgen wieder frei gegeben.
Nach heftigen Unwettern und der erneut schlechten Wetterprognose wurde das Open-Air-Festival „Southside“ am frühen Samstagmorgen abgebrochen. „Sicherheit und Ordnung für eine Fortsetzung des Festivals“ seien nicht mehr gegeben, teilten die Veranstalter mit. Die dreitägige Veranstaltung in Neuhausen ob Eck (Kreis Tuttlingen) war bereits am Freitagabend wenige Stunden nach ihrem Beginn unterbrochen worden, weil ein Gewitter mit starkem Regen, heftigen Winden und Hagel aufgezogen war. Das Festivalgelände wurde daraufhin geräumt. Die Besucher wurden dazu aufgerufen, in ihre Autos zu gehen.
Etwa 3000 Gäste ohne Wagen seien in Notunterkünfte gebracht worden. Sanitäter versorgten 25 verletzte Musikfans. „Fünf von ihnen kamen ins Krankenhaus“, sagte ein Sprecher der Polizei. Weitere Rockfreunde wurden auf dem Gelände versorgt. Die meisten hatten sich beim Verlassen des Areals verletzt. Das „Southside Festival“ findet traditionell gleichzeitig mit dem „Hurricane Festival“ in Niedersachsen statt. Auch dort wurde die Veranstaltung am Freitagabend wegen eines Unwetters unterbrochen. Auch die Premiere des Freilicht-Theaterstücks „Staufersaga“ in Schwäbisch Gmünd wurde wegen eines starken Gewitters abgebrochen.
In Pfullingen (Kreis Reutlingen) goss es wie aus Kübeln. Zwei kleine Bäche traten binnen kurzer Zeit über die Ufer und überfluteten Teile der Stadt. Die Wasserstände von Echaz und Eierbach lagen zeitweise zwei Meter über dem Normalwert. Die Feuerwehr war unterunterbrochen im Einsatz, um überflutete Keller und rund ein Dutzend Tiefgaragen abzupumpen, weggespülte Fahrzeuge zu bergen und einen Kellerbrand zu löschen. In der 18 000-Einwohner-Gemeinde gingen 400 Notrufe ein. An mehr als 200 Einsatzstellen leisteten die Feuerleute Hilfe.
„Es sieht verheerend aus im Stadtgebiet“, sagte Bürgermeister Michael Schrenk in der Nacht. Besonders öffentliche Gebäude wie Sporthallen und ein Museum seien betroffen. „Es sind großflächig große Schäden entstanden.“ Am Samstagmorgen startete die Stadtverwaltung die Reinigung der Stadt mit Radladern und Kehrmaschinen. Auch in Reutlingen war die Feuerwehr stark gefordert. Dort wurde etwa ein überschwemmtes Parkhaus leer gepumpt. lsw


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