Eppingens Stadtsanierung geht in die nächste Runde
Mit einem neuen Sanierungsverfahren setzt Eppingen die Erneuerung seiner Altstadt fort. Nun sind die Adelshofener Straße, das Linsenviertel und andere Straßenzüge dran. Welche Mängel im Vorfeld festgestellt wurden.

Eppingen startet jetzt ganz offiziell in die nächste Sanierungsrunde. Mit dem Satzungsbeschluss für das Quartier Altstadtbogen hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung den Startschuss für das mehrjährige Verfahren gegeben. Zwischen acht und 15 Jahre, so heißt es, könne das Verfahren dauern. Es geht um die Adelshofer Vorstadt, das Linsenviertel, das Gewann Schafhaus und direkt an der Altstadtmauer gelegene Bereiche zwischen Altstadtring und Kleinbrückenvorplatz. Insgesamt wird eine Fläche von 14 Hektar saniert.
Im Dezember hatte der Gemeinderat die Büro Steg Stadtentwicklung GmbH mit der Voruntersuchung beauftragt. Die Steg hatte daraufhin eine Eigentümerbefragung durchgeführt. Ziel ist, den Sanierungsbedarf zu ermitteln und die Bereitschaft der Eigentümer, am Sanierungsverfahren mitzuwirken, abzufragen. Die Ergebnisse hat Volker Stegmaier von der Steg GmbH dem Gemeinderat erläutert. Demnach gibt es den häufig geäußerten Wunsch, nicht mehr benötigte Scheunen und andere ehemals landwirtschaftlich genutzte Gebäudeteile zu Wohnraum umzunutzen. 71 Prozent der Scheunen wurden vor 1918 erbaut, haben also erheblichen Sanierungsbedarf.
Gefährliche Kreuzungen und ungenutzte Scheunen
Auf der Mängelliste des Untersuchungsgebietes stehen Leerstände, Mindernutzungen, eingeengte Lagen. An der Adelshofener Straße und an der Bad Rappenauer Straße fehlen Querungshilfen. An fünf Stellen hat das Büro Steg gefährliche Kreuzungsbereiche ausgemacht. Im Linsenviertel fehlen Fußwege, es sind einige Engstellen festgestellt worden. Mit Blick auf den Klimawandel zählen auch Grünflächen, schattenspendende Bepflanzung und Wasserflächen zu den Sanierungszielen.
Die Adelshofener Straße ist einer der Handlungsschwerpunkte des Sanierungsverfahrens. Hier gibt es in den Innenhöfen besonders viele Scheunen, die aktiviert werden sollen. Dort befinden sich auch zahlreiche die Modellhäuser., die, im 18. und 19. Jahrhundert nach ähnlichen Plänen gebaut wurden. Die zweigeschossigen in Reihe stehenden Häuser haben an der Straßenseite ein großes Hoftor mit meist halbrundem oberen Abschluss. Die Hofanlagen gleichen einem innerstädtischen Dreiseitenhof.
Wie die Stadträte das neue Sanierungsprogramm sehen
Eppingen sei sanierungserprobt, "auch mit der Steg zusammen", sagte Eppingens OB Klaus Holaschke nach der Vorstellung der Voruntersuchung. Das Sanierungsverfahren sei "eine Riesenchance" für die konsequente Weiteentwicklung der Kernstadt. Jetzt gelte es nur noch, den Bewilligungsbescheid zu erhalten. "Das Sanierungsvefahren ist auch ein Konjunktupaket." Wenn alles nach Plan läuft, so schätzt Stegmaier, könne das Sanierungsverfahren "theoretisch im Juli loslegen".
In der Aussprache äußerten Vertreter aller Fraktionen im Eppinger Gemeinderat Zustimmung zum Sanierungsverfahren. SPD-Chef Hartmut Kächele bezeichnete die Stadtsanierung als Erfolgsprogramm. "Ohne solche Programme sähe Eppingen heute anders aus." Der SPD-Mann sprach von einer Win-Win-Situation für die teilnehmenden Grundstückseigentümer und die Stadt als Ganzes.
Stadt hat sich Vorkaufsrecht für Gebäude und Grundstücke gesichert
Peter Wieser, Fraktionschef der Grünen, erinnerte an zurückliegende Schwierigkeiten: "Anfangs musste man die Leute zum Jagen tragen." Die Entwicklung von Wohnraum im Bestand sei immer besser, als die Beanspruchung von Flächen im Grünen. Wieser appellierte an die Eigentümer, mitzumachen: "Es lohnt sich."
Für die CDU-Fraktion nahm der Kleingartacher Gemeinderat Andreas Oechsner Stellung: Er sei sehr froh, dass das Gebiet jetzt in die neue Sanierungskulisse mit aufgenommen wurde. Oechsner lobte, dass sich die Stadt ein allgemeines Vorkaufsrecht für Grundstücke gesichert hat.
Mit welcher Summe Bürger im Sanierungsgebiet maximal rechnen können
Jörg Haueisen, Fraktionschef der Freien Wähler, zeigte sich interessiert, ob die Scheunen tatsächlich umgenutzt werden können. "Wir sehen in dem Programm eine Chance für alle Eppinger." Der Satzungsbeschluss zur Eröffnung des Sanierungverfahrens Altstadtbogen erfolgte einstimmig.
Maßnahmen an privaten Objekten können mit einer Quote von 30 Prozent der förderfähigen Kosten, bis zu einer Gesamtsumme von 50 000 Euro unterstützt werden. Bei denkmalgeschützten Gebäuden beträgt die Förderquote 45 Prozent und maximal 75 000 Euro Förderung. Ein Abbruch eines Gebäudes kann mit maximal 50 000 Euro gefördert werden. Ein Sanierer muss Maßnahmen von mindestens 10 000 Euro nachweisen, um die Förderung beantragen zu können. Insgesamt sollen 8,4 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln eingesetzt werden. Bund und Land beteiligen sich an der Förderung mit der Quote 60 zu 40.
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