Pilot-Projekt der Bad Rappenauer Jobcoaches für Geflüchtete wird fortgesetzt
Seit vergangenen Oktober beraten sieben Jobcoaches geflüchtete Menschen bei der Arbeitssuche. Das Landratsamt unterstützt die Jobvermittlung weiterhin finanziell.

Kleines Budget, große Wirkung: Die Arbeit der Bad Rappenauer Jobcoaches wird auch im kommenden halben Jahr finanziell unterstützt. Seit Oktober berät ein siebenköpfiges Team um Klaus Harder und Silke Naun-Bates Menschen mit Migrationsgeschichte bei der Arbeitssuche. Rund 5000 Euro werden ihnen für jeweils sechs Monate vom Landratsamt Heilbronn zur Verfügung gestellt, das baden-württembergische Sozialministerium unterstützt das Pilotprojekt.
Zeugnisse müssen übersetzt und beglaubigt werden
"Wir wollen vor allem Orientierung bieten und Mut machen", sagt Klaus Harder. In einem ersten Gespräch werden persönliche Daten erfasst, Ziele festgelegt und die Unterlagen gesichtet. Bereits da stehen viele der Geflüchteten vor einem Problem, denn Zeugnisse und Zertifikate - wenn vorhanden - müssen übersetzt und beglaubigt vorliegen. Doch oft sind die Schriftstücke verloren gegangen oder auf der Flucht vergessen worden. "Es ist schwer, sie dann anzufordern", sagt die Bad Rappenauer Flüchtlingsbeauftragte Jeanette Renk-Mulder, "denn viele Institutionen geben sie nicht raus oder es gibt die entsprechenden Stellen gar nicht mehr." Bei Hochschulzeugnissen sei das etwas einfacher.
Allerdings ist das Schul- und Ausbildungssystem meist nicht mit dem deutschen zu vergleichen, klassische Prüfungen finden nicht statt. "Viele haben sehr gute praktische Kenntnisse, aber wenig Theoriewissen", sagt auch Silke Naun-Bates. Doch nicht nur Belege sind wichtig, auch Sprachkenntnisse müssen vorhanden sein, wenn man in Deutschland arbeiten möchte. Deshalb vermitteln die Jobcoaches auch entsprechende Kurse, um die Arbeitssuchenden optimal auf das Berufsleben vorzubereiten.
43 Personen haben das Angebot bisher in Anspruch genommen
Insgesamt haben bisher 43 Personen das Angebot in Anspruch genommen, elf von ihnen haben dank der Unterstützung der Coaches eine sozialversicherungspflichtige Anstellung gefunden. Anfang Mai beginnt ein weiterer Klient die Arbeit. "Und bei einer Person sieht es sehr gut aus", erzählt Silke Naun-Bates. Auch Minijobs wurden bereits vermittelt. Besonders wichtig sei es aber auch, Schulabschlüsse zu erreichen. "Wir stärken die jungen Menschen und erklären, wie wichtig das und eine anschließende Ausbildung ist", sagt Klaus Harder.
Das Team kann bei der Vermittlung auch auf ein großes Netzwerk zurückgreifen. Kontakte zum Jobcenter, den Berufsschulen oder dem Bildungspark Heilbronn seien sehr wichtig, betont Harder, der Mitglied im Flüchtlingsrat Baden-Württemberg ist und sich schon länger in diesem Bereich engagiert.
Der Kontakt bleibt auch nach der Vermittlung bestehen
Besonders nachgefragt seien bei den weiblichen Bewerbern Jobs im Pflege- und Erzieherbereich. Männer interessierten sich oft für Anstellungen in der Security. "Männer, die aus dem Ausbildungsalter raus sind, sagen aber ganz oft, dass sie einfach nur arbeiten möchten", erzählt Silke Naun-Bates. Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse gehören, egal welchen Beruf man ergreifen möchte, immer in die Mappe. Bei der Zusammenstellung helfen die Jobcoaches genauso wie bei der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche. Und wenn ein Vertrag unterschrieben wurde, wird der Kontakt auch danach aufrecht gehalten. Durch die Pandemie kann sich das Team nicht mehr im Jugendhaus Maximal treffen, seit November geht die Kommunikation nur noch digital oder im sehr kleinen Kreis bei Spaziergängen. "Wir unterstützen die Menschen trotzdem so gut es geht", sagt Klaus Harder.
Kontakt für Unternehmen
43 Personen haben das Angebot der Jobcoaches seit Oktober in Anspruch genommen. Elf Menschen wurde eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung vermittelt, ein weiterer beginnt Anfang Mai. Fünf der Bewerber absolvieren einen Sprachkurs, drei erwerben einen Schulabschluss, ein Klient macht seinen Lkw-Führerschein, einer absolviert ein bezahltes Praktikum als Bauzeichner mit Option auf Übernahme. Unternehmen, die Stellen anbieten, können sich direkt an die Jobcoaches wenden. Entweder unter Telefon 0171 3755359 oder per Mail an jobcoach-badrappenau@gmx. "Damit stärkt man nicht nur den Betrieb, sondern zeigt auch gesellschaftliche Verantwortung", sagt Silke Naun-Bates.
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