Wo hiesige Firmen und ausländische Fachkräfte zusammenfinden

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Seit 2014 berät das "Welcome Center" in Heilbronn Unternehmen und Fachkräfte. Die Förderung wurde jetzt bis 2023 verlängert. Langsam steigt die Nachfrage nach Personal wieder an.

von Christoph Kraft
Fragen wie "Wie finde ich Personal?" oder "Wie kann ich nach Deutschland kommen?" beantwortet Marlene Neumann mit ihrem Team.
Foto: Christoph Kraft
Fragen wie "Wie finde ich Personal?" oder "Wie kann ich nach Deutschland kommen?" beantwortet Marlene Neumann mit ihrem Team. Foto: Christoph Kraft  Foto: Kraft, Christoph

Barcamps, Offene Sprechstunden, Telefonanrufe - seit sechs Jahren kümmert sich das Team des Welcome Centers um Leiterin Marlene Neumann darum, dass Unternehmen ausländische Fachkräfte einstellen können und diese dann bei Berufsanerkennung und Bewerbungsschreiben Hilfe bekommen. Das vierköpfige Team ist dafür viel in Baden-Württemberg unterwegs. Es gibt Sprechzeiten in Tauberbischofsheim, Wertheim, Crailsheim, Schwäbisch Hall und bald auch in Öhringen, wo das Welcome Center im Kontakt mit der Volkshochschule ist.

Zweimal die Woche können Fachkräfte auch in die Heilbronner Koepffstraße kommen, coronabedingt fallen aber aktuell alle Sprechstunden aus, für November nimmt das Welcome Center keine Termine mehr an. Für Arbeitnehmer ist das Welcome Center auch telefonisch oder per E-Mail erreichbar.

In der Pandemie-Zeit hat das Welcome Center, das zur Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH (WHF) gehört, seine Online-Präsenz ausgebaut. Per Video-Fallbesprechung berät das Team Ausländerbehörden dabei, wie sie das "beschleunigte Verfahren" bei der Einreise von Fachkräften umsetzen können. Bald sollen Podcasts das Angebot erweitern.

Was das Fachkräfteeinwanderungsgesetz seit März ändert

Seit März 2020 erleichtert das Fachkräfteeinwanderungsgesetz das bürokratische Prozedere für Ausländer mit Berufsausbildung, die einen Arbeitsplatz in Deutschland in Aussicht haben. "Im Idealfall kann jetzt eine Firma zur Ausländerbehörde gehen und der Arbeitnehmer kann dann mit einem konkreten Datum rechnen, wann er einreisen kann", erklärt Neumann. Dafür bezahlt die deutsche Firma einen gewissen Preis, kann aber besser bei Stellenbesetzungen planen. Dadurch sind jetzt aber die Auslandsbehörden im Inland für Prozesse zuständig, die vorher über die Botschaft liefen. "Das Gesetz hat einen Marketingeffekt, es fragen mehr Leute bei uns nach", sagt Neumann. Für ausländische Akademiker habe sich durch das Gesetz kaum etwas verändert, meint Marlene Neumann, für eine Pflegefachkraft aus Serbien beispielsweise erleichtern diese Neuerungen aber die Anstellung in einem deutschen Unternehmen.

Gerade kleinere und mittlere Unternehmen mit einer kleineren Personalabteilung seien dankbar für die Beratung des Welcome Centers, sagt die 33-jährige Neumann. Langsam ziehe die Nachfrage vonseiten der Unternehmen wieder an. Die Pflege- und IT-Branche hätten sowieso immer einen gewissen Bedarf an Personal. Auf sogenannten "Barcamps" bringt das Welcome Center Arbeitgeber und -nehmer zusammen. Eine Agenda gibt es bei einem solchen auch als "Unkonferenz" bezeichneten Treffen nicht. Die Firmen und Fachkräfte finden sich spontan in Projektgruppen zusammen und tauschen sich über ein bestimmtes Thema aus.

Das Welcome Center als erste Anlaufstelle

Anders als die Agentur für Arbeit ist eine Bewerbung über das Welcome Center nicht vorgesehen. Dazu müssen sich die Bewerber direkt beim Unternehmen melden oder sich Jobs über die Agentur vermitteln lassen. "Wir sind die erste Anlaufstelle, zeigen die Schritte und Möglichkeiten auf und vermitteln gegebenenfalls, zum Beispiel an die Agentur für Arbeit", erklärt Marlene Neumann die Rolle ihres Hauses.

In den vergangenen sechs Jahren hat das Welcome Center 1653 Fachkräfte und 350 Firmen beraten. Aus Syrien, Rumänien, Spanien, Indien, Irak, Iran und Italien wandern die meisten Fachkräfte nach Deutschland ein. Anfang November beschloss das Stuttgarter Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, die Heilbronner Einrichtung bis zum Jahr 2023 mit rund 500 000 Euro zu fördern. Staatssekretärin Katrin Schütz gab dies bei einer Online-Konferenz bekannt. Seit Oktober arbeitet die zweiköpfige Koordinierungsstelle Fachkräfteeinwanderung eng mit dem Welcome Center zusammen.

Welcome Center

Seit Juli ist das Welcome Center in der Koepffstraße und nicht mehr in der Innovationsfabrik zu finden. Es wird zu 60 Prozent vom baden-württembergischen Wirtschaftsministerium und zu 40 Prozent von den Trägern der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken gefördert, dazu zählen unter anderem Stadt- und Landkreis Heilbronn, Hohenlohe- und Main-Tauber-Kreis und die Handwerkskammer. Marlene Neumann arbeitet seit 2015 beim Center und leitet es seit 2017. Die 33-Jährige hat "International Migration and Social Cohesion" in Amsterdam, Bilbao und Osnabrück studiert.

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