Musik beim Brauen: Das steckt hinter dem Metal-Bier aus Bad Rappenau
666 Stunden beschallte der Bad Rappenauer „Hopfenstopfer“ Thomas Wachno Wasser mit Metal-Musik und braute dann über 6000 Liter Bier. Jetzt stand die Verkostung an. Dabei soll es aber nicht bleiben.
Die einen werfen Bergkristalle oder Rosenquarze in ihr Wasser, die andern führen Rituale durch und rühren nur in eine bestimmte Richtung. Und Thomas Wachno? Der beschallt sein Wasser mit Metal-Musik. Der Bad Rappenauer Braumeister arbeitet seit fast 30 Jahren bei Häffner Bräu und ist auch über die Regionsgrenzen bekannt für seine ausgefallenen Ideen.
Unterstützung hat er diesmal nicht nur von seinen Chefinnen bekommen – „die lassen mich machen“ – sondern auch vom Chapter K des Vereins Metality, der sich auch für soziale Projekte einsetzt. Das K steht für Kraichgau, Wachno ist selbst Mitglied. Ende August trafen sich mehrere Gleichgesinnte in der Brauerei, um dabei zu sein, als Thomas Wachno die Lautsprecher ins kühle Nass gleiten ließ. Eingepackt in Plastiktüten, gesichert mit Kabelbindern, beschallten sie insgesamt 666 Stunden lang das Wasser mit allem, was das Genre so hergibt. Neben einem „Slipknot-Donnerstag“, an dem nur Musik der US-Band lief, gab es auch einen „Dream-Theater-Samstag“. „Es war wirklich alles dabei“, erzählt Thomas Wachno.

Metal-Bier aus Bad Rappenau: Darum beschallt ein Braumeister sein Bier mit Musik
Die harten Songs sollten das weiche Wasser – für den Gerstensaft sind zwei bis fünf Grad deutsche Härte nötig – mit Metal-Ionen versorgen. „Natürlich nehmen wir uns auch ein bisschen selbst auf die Schippe“, sagt der Bad Rappenauer mit einem Augenzwinkern. Doch Bierbrauen ist so oder so am Ende eine ernste Angelegenheit, bei der es auch in diesem Fall Regeln zu befolgen gibt. Da wäre zum einen das über 500 Jahre alte Reinheitsgebot, zum anderen aber auch die richtigen Temperaturen im Brauprozess.
Begonnen wurde damit am 24. September „um 6.66 Uhr“. 666 selbst gepflückte Hopfendolden wurden beim Kochvorgang hinzugefügt und eine Spezialrast bei 66 Grad eingelegt – eine gewisse Stringenz lässt sich Wachno nicht nehmen. Herausgekommen sind rund 2300 Liter „Metality Chapter K“-Bier mit eigenem Etikett für die Flaschen, von denen er mehrere Tausend befüllen kann. Einige gehen an die Jury des Bier-Wettbewerbs des Verbands „Hop Growers of America“ in Nürnberg. Dort wird im November entschieden, ob Thomas Wachno nach 2016 wieder einen Preis mit in die Kurstadt bringen wird.
Metal-Bier aus Bad Rappenau: Warum es nicht überall im Handel zu kaufen ist
Geht es nach den Testern, dürfte das kein Problem sein. „Süffig mit leicht zitrischer Note“ beschreiben sie das Bier, das Wachno direkt aus der Anlage in die Gläser laufen lässt. Den Zapfhahn hat er mit einer Gitarre verkleidet. Kaufen kann man das Erzeugnis nach Ende des Wettbewerbs online oder bei einigen wenigen Großhändlern.

Dass die Auflage mit rund 6000 Flaschen recht klein ist, sei auch der geringen Nachfrage nach speziellen Biersorten geschuldet, erklärt Thomas Wachno: „Die Kunden kaufen eben das, was sie kennen. Deshalb ist es schwer im Handel unterzubringen.“
Den Mitgliedern von Metality macht das nichts aus, ihnen schmeckt das Ergebnis. Ob das auch mit 666 Stunden Schlagemusik so gut geworden wäre? Einhelliger Tenor: „Niemals! Es ist 100 Prozent schlagerfrei und 666 Prozent Metal.“
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