Wie Metal-Fans des Vereins Metality Chapter Kraichgau Gutes tun
Mit dem Metality Chapter Kraichgau wollen Thomas Wachno und Nico Malskies aus Bad Rappenau Gemeinschaft leben und Gutes tun. Der Verein spendet nicht nur Schlafsäcke für Obdachlose, sondern räumt auch mit einigen Klischees auf, denn Metal ist viel mehr als laute Musik.

Thomas Wachno kennt man in Bad Rappenau vor allem als den Hopfenstopfer, der auch mal außergewöhnliche Biere braut. Genau dieser Gerstensaft hat ihn zum Netzwerk Metality gebracht. Zu Beginn der Corona-Pandemie suchten die Mitglieder kleine Brauereien für ihre Online-Bier-Tastings. Im Idealfall sollten sie eine Verbindung zum Metal-Genre haben. Und die hat Thomas Wachno. Genauso wie Nico Malskies, dem der Brauer von Metality erzählte.
Alles begann mit Bier
Die Mitglieder des 2020 gegründeten und deutschlandweit aktiven Vereins wollen gute Musik hören und gleichzeitig Gutes tun. "Es ist toll, dass die Leute gebündelt ihre Kraft für sowas nutzen", sagt Nico Malskies. Weil er genauso von den Leitlinien des Netzwerks überzeugt ist wie Thomas Wachno, gründeten sie eine lokale Gruppe.
Das Kraichgau Chapter hat mittlerweile fast 20 Gleichgesinnte. 6,66 Euro kostet die Mitgliedschaft pro Quartal. "Da wird natürlich auch ein bisschen mit den Klischees gespielt", sagt Wachno. Schließlich würden viele Menschen denken, Metalfans seien Teufelsanbeter.
Intoleranz wird nicht toleriert
Doch den meisten gehe es neben der Musik vor allem um das Gemeinschaftsgefühl, das bei Konzerten oder Festivals wie dem Wacken Open Air entsteht. "Außerdem gelten bei uns gewisse Werte, die in der Gesellschaft oft untergehen", erzählt Nico Malskies. "Sie werden in der Gemeinschaft gelebt." Was nicht toleriert werde, sei Intoleranz. Doch den Mitgliedern geht es eben auch darum, anderen zu helfen. Während der Pandemie wurden Instrumente gesammelt und an junge Menschen verschenkt, die sich keine eigene Gitarre oder einen Bass leisten können. Zusätzlich gab und gibt es nach wie vor die Möglichkeit, online Unterricht zu nehmen.
Eine weitere, noch laufende Aktion ist das Verteilen von Schlafsäcken. Eigentlich werden die oft bei Festivals liegen gelassen oder an zentralen Stellen abgegeben. Doch durch Corona fanden monatelang keine solchen Veranstaltungen statt. Also sammelte Metality in ganz Deutschland über 35.000 Euro, um zwei Mal 666 winterfeste Schlafsäcke für Obdachlose zu kaufen. 32 Stück hat Nico Malskies gemeinsam mit Christian Sommerfeld der Aufbaugilde Heilbronn übergeben.
"Ich war geschockt, als ich gehört habe, dass es 200 Personen ohne Dach über dem Kopf in der Region gibt", erzählt Malskies. Gleichzeitig sei er aber sehr beeindruckt gewesen von der Arbeit der Aufbaugilde, die auf direkte Kleider- und Geldspenden angewiesen seien.
Werbung bei Festivals
Die Schlafsackaktion soll auf jeden Fall fortgeführt werden, denn Festivals sind wieder möglich. Dort macht das Netzwerk Werbung für die Abgabe und arbeitet dabei mit der gemeinnützigen Organisation Hanseatic Help aus Hamburg zusammen, die die Schlafsäcke reinigt und verteilt.
Auch auf Depressionen will Metality aufmerksam machen und hat deshalb Festivalbändchen mit dem Black-Dog-Symbol - dem internationalen Zeichen für die Erkrankung - entworfen. Diese können kostenlos auf der Website metality.org bestellt werden. "Wir wollen damit Aufmerksamkeit für die Krankheit generieren", sagt Nico Malskies. Bier gibt es übrigens nach wie vor bei den Metalheads: Thomas Wachno verkauft Flaschen mit dem Etikett "Hell as Hell". Von jedem verkauften Paket geht eine Spende an Metality.
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