McDonald’s in Eppingen? So reagieren Gastronomen und Nachbarn auf die Pläne
Am 9. Dezember entscheidet der Gemeinderat in Eppingen über den Verkauf eines Grundstücks an McDonald’s. Das denken Anrainer und Gastronomen über die mögliche Ansiedlung der Fastfood-Kette.
In der Eppinger Weststadt herrscht Theaterwetter: Ein Bündel Sonnenstrahlen blinzelt zwischen einer Wolkenlücke hindurch und erhellt wie ein Spot genau das Stück Bauland, über das in diesen Tagen ganz Eppingen und darüber hinaus redet: Im Gewerbegebiet West, direkt an der B293 gelegen, könnte demnächst eine McDonald’s-Filiale entstehen. Am Dienstag, 9. Dezember, steht der Beschluss über den entsprechenden Grundstücksverkauf auf der Agenda des Gemeinderats.
Polier Christian Krüger vom Gemminger Bauunternehmen Reimold richtet gerade die Baustelle ein. Mit einem Bagger hievt er Materialien von einem Lkw und platziert sie auf dem frisch hergestellten Wendehammer. „Ich wohne gerade einmal 500 Meter entfernt von hier in der Südstadt“, berichtet der Bauhandwerker fröhlich. Ob er sich auf die Fastfood-Kette freut? Krüger wägt ab: „Ich selbst bin eher für gutbürgerliche Küche, aber die Kinder freuen sich schon“.
Was das Team vom Eppinger Tüv über McDonald’s als möglichen neuen Nachbarn denkt
Eine Umfrage der Kraichgau-Stimme wenige Tage zuvor hatte deutlich gemacht, dass die Mehrzahl der befragten Jugendlichen eine Ansiedlung kaum erwarten kann, während Erwachsene der Kette mehrheitlich gleichgültig bis skeptisch gegenüberstehen.

Das Gewerbegebiet Weststadt IV befindet sich an der B293. Direkt angrenzend sind der TÜV und das Autohaus Assenheimer-Mulfinger. In beiden Betrieben wird die Entwicklung mit Interesse, aber ohne Euphorie beobachtet. Die Tüv-Belegschaft versorge sich regelmäßig mit mitgebrachtem Vesper, berichtet der Kfz-Sachverständige Timo Schellenberger. „Für mich als Schwabe ist das eine Selbstverständlichkeit“, kokettiert der 30-Jährige, der in Schwaigern wohnt. Nebenan im Mercedes-Autohaus hat den McDonald’s auch niemand zwingend auf dem Schirm: „Wir sammeln unsere Essenswünsche immer“, berichtet Service-Berater Georg Grimm.
Warum McDonald’s in Eppingen nicht als Konkurrenz gesehen wird
Bestellt werde meistens bei Anbietern in der Innenstadt: „Bei Helget’s, beim Thailänder, bei Pizza-Roller.“ Dass die angestammte Gastronomie unter die Räder kommt, befürchtet der Mercedes-Mann nicht, aber: „Ich bin eher in Sorge wegen des Mülls.“ Seine Firma überlege sich bereits, das Betriebsgelände abends und an den Wochenenden mit Schranken zu sichern. In Sinsheim-Weiler habe er erlebt, dass morgens hunderte von Zigarettenstummeln im Umfeld der Imbissketten zu finden sind.
Zurück in Eppingen: „Burgerwerk“ steht in auffälligen Großbuchstaben an der Hausecke des Imbisses „Tasty Döner“. Das Schild sei noch vom Vorgänger, berichtet Ibrahim Ersoy, der seit vier Monaten in der ehemaligen Bäckerei Rosa seine Kundschaft mit frisch per Hand zubereiteten Döner-Spezialitäten bedient. Die Qualität mache den Unterschied, zeigt er sich selbstbewusst. McDonald’s sei keine Konkurrenz für die handwerkliche Gastronomie in der Innenstadt.
Deshalb begrüßt ein Eppinger Wirt die mögliche McDonald’s-Ansiedlung
Auch Ronny Helget, Eigentümer des Restaurants „Helget’s“ in der Brettener Straße, sieht einer möglichen Ansiedlung der Burger-Kette entspannt entgegen. Während die Kunden bei McDonald’s eher spontan einkehren, kämen sie ganz bewusst zu ihm. Wegen der möglichen Ansiedlung des System-Gastronomen habe er keine Angst. Wenn jeder angestammte Wirt auf seine Qualität achte, müsse um niemanden bange sein: „Das Preis-Leistungs-Verhältnis, der Service. Wenn dann noch das Ambiente stimmt...“ An seinem früheren Sinsheimer Standort sei er von vier Imbissketten umgeben gewesen und habe dennoch „gut existiert“.
Einer möglichen Ansiedlung von McDonald’s kann der Eppinger sogar etwas Positives abgewinnen. „Es belebt“, ist Helget überzeugt. „Und Eppingen profitiert von der Gewerbesteuer“.

So geht es weiter mit den Plänen im Eppinger Gewerbegebiet Weststadt
Das Schnellrestaurant soll 2026 im Gewerbegebiet Weststadt IV eröffnen. Derzeit erschließt die Gemminger Baufirma Reimold das Gelände. Bis zu sieben Parzellen sind laut Stadtverwaltung möglich, eine davon ist für McDonald’s reserviert. Zwischen 50 und 60 Arbeitsplätze könnten beim „Meckes“ entstehen, hat Eppingens OB Klaus Holaschke der Kraichgau-Stimme verraten.
Die Stadt plant, 2026 die ersten Firmen im neuen Gewerbegebiet Weststadt IV anzusiedeln. Als einer der ersten Investoren wird McDonald’s erwartet. Geplant ist eine eingeschossige Bauweise mit Außengastronomie, Mitnahmeschalter und Parkplätze. Etwa zeitgleich mit dem Ausbau des Gewerbegebiets wird die Kreuzung zur Bundesstraße ertüchtigt und mit einer Ampelanlage für einen besseren Verkehrsfluss versehen.
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