Die Architekten Barbara von Brunn und Philipp Lurz haben der Gemeinde beim Spatenstich die Plakette und die Urkunde eines Preises übergeben: Bereits im Jahr 2023 ist der Entwurf von der Baukulturinitiative Hohenlohe-Tauberfranken ausgezeichnet worden. 76 Projekte seien eingereicht worden, 44 davon ausgewählt. In der Bewertung der Jury heißt es, die Pläne für den Wertplatz seien „ein gutes Beispiel für eine integrierte Gemeindeentwicklungsplanung in einer kleinen ländlichen Gemeinde.“
Wertplatz Mulfingen: Neue Mietwohnungen und Technik gegen Hochwasser
Am Wertplatz entsteht Wohnraum für Generationen und Gemeindewachstum – vom Reihenhaus bis zur Seniorenwohnung. Was die Pläne für das neue Baugebiet beinhalten.

Platz für 300 neue Einwohner sollen die Wohnungen am Wertplatz bieten. Lange Zeit sprechen die Menschen in Mulfingen schon über das Baugebiet. Inzwischen sind die Bagger angerollt. Nun hat die Verwaltung mit den an der Erschließung beteiligten Firmen den obligatorischen Spatenstich gefeiert.
Die Pläne sehen „grüne Freiräume und soziale Durchmischung“ in dem Wohngebiet vor, erläutert Architekt Philipp Lurz, der gemeinsam mit Architektin Barbara von Brunn den Wertplatz städtebaulich entworfen und den Bebauungsplan erstellt hat. Grüne Freiflächen sind für eine Jagsttalgemeinde nichts außergewöhnliches – auch wenn ein neu gestalteter Badeplatz zu dem Wohngebiet dazugehört.
Was aber steckt hinter dem Begriff „soziale Durchmischung“? In Mulfingen gebe es bereits zahlreiche Einfamilienhäuser, sagen die Architekten im Gespräch mit unserer Redaktion. Auf dem Wertplatz sollen deswegen Reihenhäuser, Miets- und Geschosswohnungen entstehen, die Lurz als „soziale Wohnformen“ bezeichnet. Der Entwurf ist von der regionalen Baukulturinitiative Hohenlohe-Tauberfranken ausgezeichnet worden.
Die grundlegende Idee ist: „In Mulfingen gibt es mehr Arbeitsplätze als Einwohner“, sagt Lurz. Wenn nun neue Mitarbeiter in die Gemeinde zögen, wollten sie nicht gleich ein Haus bauen oder kaufen. Mit den Bauten auf dem Wertplatz würden nun entsprechende Wohnungen angeboten – „und es sind auch Wohnungen für Mulfinger, die im Alter ihren Haushalt verkleinern wollen“ und zum Beispiel ihr Haus verkaufen.
Die Entstehung des Wertplatzes sei wichtig für das Wachstum der Gemeinde, sagt Bürgermeister Sören Döffinger in seiner Rede beim Spatenstich. „Die Einwohnerzahl ist Grundlage für alles, was hier passiert“, sei es die Entwicklung der ärztlichen Versorgung oder des Einzelhandels. Der Gemeinderat habe vor Jahren deswegen mit dem Wertplatz eine zukunftsträchtige Entscheidung getroffen. „Und er ist ein Risiko eingegangen“, betont Döffinger: Das Projekt sei im Haushalt über Jahre mit Millionensummen eingetragen. Der Bürgermeister freut sich über die Entscheidung, die vor seiner Amtszeit gefallen ist: „Wir haben hier die letzte Möglichkeit genutzt, so etwas zu machen“. Wegen des Naturschutzes sei das nicht mehr möglich. „Das ist Wohnen direkt an der Natur.“

Die Quadratmeter-Preise werden „auf jeden Fall“ weniger als 200 Euro betragen, versichert er. „Wir geben unser Bestes, dass wir weiter runter gehen können und einen Standort haben, der attraktiv ist.“
Konkret sollen zum Beispiel am oberen Hang Reihenhäuser gebaut werden, erklärt Architekt Philipp Lurz. Im Zentrum der Fläche sieht der Entwurf Geschosswohnungsbau und mögliche „Sonderwohnformen in Form von betreutem Wohnen oder Service-Wohnen“ vor, das sich an ältere Menschen richtet. Auf der grünen Fläche direkt zwischen der neu getauften Gerhard-Sturm-Straße und Jagst stehen die Häuser auf Warften: Die Wohnungen sollen vor einem möglichen Hochwasser oder Starkregen geschützt sein. Deswegen sind unter den Wohnungen, auf Ebene des Erdgeschosses, Parkplätze vorgesehen.
Das Regenwasser läuft über eine vom Abwasser getrennte Kanalisation direkt in die Jagst, erklärt André Metzger vom Ingenieurbüro 3-Kant, das die Erschließung des Wertplatzes geplant hat.
Ein Problem gibt es allerdings, wenn die Jagst hinter dem Damm die Ausmaße eines hundertjährigen Hochwassers annimmt. Dann liegt die Kanalisation unterhalb des Wasserspiegels. Das Regenwasser staue sich und eine Pumpe springt an, „die 300 Liter pro Minute pumpen kann“. Sie befördert das Wasser über den Pegel der Jagst und befreit so den Wertplatz vom Regen. Bei Starkregen rechnet der Ingenieur mit mehr Wasser auf dem Wertplatz. Ein gleichzeitiges extremes Hochwasser sei aber nicht wahrscheinlich und der Regen könne abfließen.
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