Mulfinger Baugebiet Wertplatz bekommt weniger Wohnungen als gedacht
Die Planungen zum Baugebiet Wertplatz in Mulfingen gehen in die nächste Runde. Doch das letzte Baugebiet der Gemeinde wird kleiner als ursprünglich geplant.

"Wir brauchen eine verbindliche Grundlage und einen Planungsstand für weitere Gespräche mit Investoren und Bauherren", verkündet Bürgermeister Robert Böhnel dem Mulfinger Gemeinderat am Mittwochabend. Einen Monat später als eigentlich geplant, diskutiert der Gemeinderat die Pläne zur "letzten bebaubaren Fläche", wie Böhnel den Wertplatz bezeichnet, und genehmigt eine gewichtige Änderung.
Stellungnahmen von Behörden und Bürgern
Im Juli 2019 hatte der Gemeinderat Mulfingen mit dem sogenannten Aufstellungsbeschluss für das Baugebiet in Mulfingen begonnen. Nun kommt der nächste wichtige Schritt auf dem Weg zur Bebauung der Fläche an der Jagst: die Entscheidung über eingegangene Stellungnahmen zum Vorentwurf. "Das hat leider etwas auf sich warten lassen, die letzten Stellungnahmen kamen erst Ende Juni vom Regierungspräsidium", erklärt Roland Köhler vom Stadtentwicklungsbüro Reschl die Situation. "Wir wollten nicht vorpreschen, um dann zurückrudern zu müssen", so seine Erklärung.
19 Parteien, bestehend aus diversen Behörden, Städten aber auch Bürgern, hatten Stellungnahmen zum Bebauungsplan eingereicht, wobei acht davon keine Anregungen oder Bedenken äußerten. Der Bebauungsplan an sich, so Köhler, ist "die Einlösung des Versprechens, dass wir Einwohnerentwicklung ernstnehmen." 170 Wohneinheiten sollen dort Entstehen. "Da sind wir bei 350 Einwohnern, das sind ja schon zehn Prozent der Mulfinger Einwohnerzahl."
Weniger Wohnungen, weniger wirtschaftlich
Die wichtigste Änderung schiebt Philipp Lurz vom Architekten Büro Lurz/von Brunn direkt voraus: Der Wegfall eines südlichen Bauabschnittes. Der Grund: Naturschutz. "Das führt dazu, dass dort Biotopflächen nicht berührt werden, der Grünraum an der Jagst besser vernetzt ist und Flächen für Ersatzpflanzung entstehen", erklärt Lurz.
Gleichzeitig werde der mittlere Bereich des Baugebietes entzerrt und Platz gewonnen. Und: "Um im Norden einen Übergang zur bestehenden Bebauung, also den Hofstrukturen dort, abzumildern, können wir dort nun einen sechs Meter breiten Streifen schaffen." Ratsmitglied Christoph Schiedel findet: "Es ist schade, dass wir einen Bauabschnitt verlieren. Das sind ja neun bis 14 Wohnungen, das hätte die Wirtschaftlichkeit erhöht."
Frage nach Parkplätzen
Nach der einstündigen Präsentation der Änderungen hat der Rat noch zahlreiche Fragen. Christoph Schiedel stört sich etwa an der Parkplatzsituation. Das Polizeipräsidium Heilbronn hatte in seiner Stellungnahme erklärt, dass die Stellplatzquote von 1,5 Stellplätzen pro Wohneinheit im Hohenlohekreis "in dicht bebauten Bereichen nicht ausreichend" sei. Deshalb solle auf zwei erhöht werden oder öffentliche Parkplätze und Parken auf der Fahrbahn solle ermöglicht werden.
Das Argument der Planer, die laut Konzept genau einen Stellplatz pro Wohnung bereitstellen, sieht jedoch 55 öffentliche Stellplätze vor. Zudem eine Fahrbahnbreite von 5,50 Meter, was Parken erlauben würde. Schiedel hält hier dagegen, dass die geforderte Quote von 1,5 Parkplätzen dringen nötig sei, vor allem im Hinblick auf neue Mobilitätsformen. "Wo soll ich mein Auto denn laden?", fragt er. "Wird das dann abends ein wer zuerst kommt mahlt zuerst Ding?" Roland Köhler kontert: "Wir sind nicht Stuttgart West, sondern Mulfingen. Wir haben 55 Stellplätze und im geplanten betreuten Wohnen braucht sicher nicht jeder einen Stellplatz." Laut Köhler sei das: "Ein sinnvoller Kompromiss zwischen dem, was man sich wünscht und dem, was möglich ist."
Trotz zahlreicher Nachfragen ist sich der Rat am Ende der Sitzung einig und verabschiedet die Planung, die nun öffentlich ausgelegt wird. Nun folgen die nächsten Schritte auf dem Weg zur Bebauung des Wertplatzes. "Die Umsetzung des Gebietes wird dauern", erklärt Roland Köhler abschließend. "Es vergeht bestimmt ein Jahrzehnt, bis der Wertplatz entstanden ist, aber wir müssen uns auf den Weg machen."
Spielplatz an der Kita
Ein weiterer Punkt, den Bürger in den Anregungen notiert hatten, betrifft die Kinderspielplätze. Für das Baugebiet sind insgesamt drei Plätze vorgesehen. Angefragt wurde, ob nicht ein zentraler Platz sinnvoller wäre. Laut Planer seien die Spielflächen jedoch "ausreichend" und "altersgerecht" und dienten "der Versorgung der Einwohner des eigentlichen Baugebietes". Ein Ersatz für den Spielplatz am künftigen Kita-Gebäude sei hingegen "im Umfeld des Badplatzes" geplant. Dieser diene dann der Versorgung des gesamten Ortes.

Stimme.de
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