Online-Kfz-Zulassung: System in Hohenlohe kaum genutzt – was alles schiefläuft
Das neue System für die digitale Kfz-Zulassung besteht seit einem Jahr. Im Hohenlohekreis nutzen aber 96 Prozent der Kunden nach wie vor die analoge Variante. Wie kann das sein?
Wer sein Fahrzeug anmelden, ummelden oder abmelden möchte, tut dies weiterhin in den allermeisten Fällen analog – also in der jeweils zuständigen Kfz-Zulassungsstelle eines Landkreises oder einer größeren Stadt. Die Online-Variante hingegen wird kaum genutzt.
Das digitale System ist seit genau einem Jahr so weit optimiert worden, dass es eigentlich problemlos anzuwenden sein müsste – und zudem viel schneller und günstiger sein sollte, nachdem das System zum 1. September 2023 stark vereinfacht worden war. Doch die nackten Zahlen beweisen: Die digitale Kfz-Zulassung kommt einfach nicht bei der Masse der Bürger an: vor allem im Hohenlohekreis.
Online-Kfz-Zulassung: Ernüchternden Zahlen aus dem Hohenlohekreis
Seit die vierte Stufe der vom Bundesverkehrsministerium propagierten „internetbasierten Kfz-Zulassung“ – oder kurz i-Kfz – gezündet wurde, sind im Hohenlohekreis nur 3,8 Prozent aller Vorgänge online erledigt worden: exakt 2056 vom 1. September 2023 bis 23. August 2024, wie Kreissprecher Sascha Sprenger meldet. Dem stehen 52.007 analoge Vorgänge gegenüber, die mit 96,2 Prozent zu Buche schlagen.
Nur schlappe 15 digitale Neuzulassungen waren darunter, im Vergleich zu 6768 analogen Vorgängen: Das sind unterm Strich nur 0,2 Prozent. Von den 11.106 Umschreibungen waren im selben Zeitraum lediglich 81 oder 0,7 Prozent digital getätigt worden. Die meisten wählten die Online-Klicks bei der Abmeldung ihrer Fahrzeuge: 2014 Vorgänge waren dies oder 11,9 Prozent, während 14 825 Prozesse auf analoge Art bevorzugt wurden.
Verkehrsministerium zur digitalen Kfz-Zulassung: Viel versprochen, wenig gebracht
Das Bundesverkehrsministerium hat sich viel versprochen von der digitalen Kfz-Zulassung. Auch im Hohenlohekreis waren die Erwartungen groß, nachdem am 21. Juni 2019 die Kfz-Zulassungsstelle in Öhringen geschlossen worden war.
Dies wurde neben den baulichen Mängeln und gravierenden personellen Engpässen vor allem damit begründet, dass die Online-Zulassung bald ohnehin komplett digital möglich sei und die Bürger sich die Fahrt nach Künzelsau deshalb sparen könnten. Im dortigen Landratsamt war bis dahin die Hauptzulassungsstelle angesiedelt, nach der Schließung in Öhringen gab es dann nur noch diesen Standort. Und der wird bis heute sehr rege frequentiert, während die Online-Zulassungen weit unter den damaligen Prognosen liegen.
Online-Kfz-System von Beginn an zu kompliziert und bruchstückhaft
Das Online-System des Bundesverkehrsministeriums, das über die Länder auf die Kreise und Kommunen übertragen werden musste, war anfangs arg kompliziert und bruchstückhaft. Vor allem rechtliche Probleme bremsten das Projekt immer wieder aus, während es von vorne bis hinten nur halbherzig angepackt und vermarktet wurde. Kritiker monierten, es sei nicht vom Kunden und Nutzer her gedacht, sondern aus der Sicht überforderter Verwaltungsbeamter, die der verworrenen Rechtslage einfach nicht Herr wurden. So ging es nur in Trippelschritten voran, der große Wurf fehlte.
Abmeldungen waren seit 2015 digital möglich und Wiederzulassungen seit Mitte 2017. Als am 1. Oktober 2019 die dritte Stufe startete und nun auch Neuzulassungen beinhaltete, stellte sich plötzlich heraus, dass damit der finale Schritt noch gar nicht umgesetzt war – obwohl praktisch sämtliche Bereiche von der Neuanmeldung bis zur Abmeldung abgedeckt waren. Stattdessen gab es noch etliche Haken und Lücken, die wohl mehr Nutzer abgeschreckt als angelockt haben. Vom 1. Januar 2016 bis 31. Mai 2023 wurden im Hohenlohekreis nur 0,3 Prozent aller Vorgänge in der Kfz-Zulassung digital erledigt.
Digitales Kfz-System: Das sollte ab 1. September 2023 besser werden
Ab 1. September 2024 und der vierten Stufe sollte nun wirklich alles besser werden. Der für viele komplizierte Klick-Parcours wurde vereinfacht. Der digitale Prozess sollte auch weniger kosten als der analoge. Und viel schneller zum Erfolg führen. Kunden sollten danach gleich losfahren können. Und: Erstmals konnten auch Autohäuser und Versicherungen, Firmen und Vereine sowie spezielle Dienstleister Fahrzeuge online zulassen können. Zumindest diese „Großkundenschnittstelle“ wurde im Hohenlohekreis seit September 2023 etwas häufiger genutzt, das Landratsamt meldet „rund 100 Vorgänge dieser Art“.
Das Gros der einzelnen Fahrzeughalter vertraut aber lieber der Kfz-Zulassungsstelle vor Ort – oder weiß immer noch nicht, dass es einen Online-Pfad gibt. Dies bestätigt eine aktuelle Stimme-Umfrage in Künzelsau und die Rückmeldungen der dortigen Kunden. Das mag auch daran liegen, dass Fahrzeughalter, die ihren Termin im Voraus online gebucht haben, im Schnitt nur drei bis fünf Minuten warten müssen.
Kunden, die ohne Anmeldung kommen, müssen sich lediglich 15 bis 20 Minuten gedulden. Datenschutzbedenken, Nichtwissen oder Mangel an digitaler Kompetenz kommen dazu. Dass die Online-Variante nun in allen Fällen günstiger ist als die analoge Erledigung, scheint die wenigsten zu stören. Doch vor allem jüngere Leute tendieren künftig wohl eher dazu, dafür das Internet zu nutzen, wie bei der Visite in Künzelsau deutlich wurde.
Einsparungen im Blick? Landratsamt winkt trotz Online-Zulassung ab
Die Planung und Einführung des digitalen Systems über die vergangenen zehn Jahre hat Millionen von Steuergeldern gekostet. Die spärliche Nutzung kann diesen finanziellen Aufwand bisher nicht aufwiegen. Interessant ist, dass die Kfz-Zulassungsstelle des Hohenlohekreises ihre Personalstärke keinesfalls reduziert aufgrund der nun voll funktionsfähigen Online-Tools. Es bleibt bei 14 Mitarbeitern.
Sprecher Sascha Sprenger betont: „Online-Dienste führen nicht automatisch zu Einsparungen von Mitarbeitern. Vielmehr helfen sie, die teilweise sehr hohe Arbeitsbelastung zu reduzieren.“ Eigene Bemühungen, mehr Kunden auf den Online-Pfad zu führen, gebe es nicht: „Die Entscheidung, ob das Fahrzeug digital oder vor Ort am Schalter zugelassen werden soll, obliegt dem jeweiligen Kunden. Auf diese Wahlentscheidung nehmen wir keinen Einfluss.“
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare