Digitale Online-Zulassung: Verhaltenes Interesse in der Region Heilbronn und Hohenlohe
Seit September ist das digitale System bei den Kfz-Zulassungsstellen im Stadt- und Landkreis Heilbronn schneller, günstiger und vermeintlich unkomplizierter. Doch das Angebot wird bislang zögerlich angenommen. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Volle Wartebereiche, lange Schlangen, zeitraubende Vorgänge – all das sollte bei den Zulassungsstellen von Stadt- und Landkreis Heilbronn der Vergangenheit angehören. Aber auch nach der Umstellung auf die Online-Terminvergabe und der Einführung der neuesten System-Ausbaustufe zum 1. September, die es ermöglicht, ein Fahrzeug beispielsweise online zuzulassen und sofort loszufahren, nutzen vergleichsweise wenige Kunden diese Option.
Die bisherige Höchstzahl wurde beim Landratsamt Heilbronn im November erreicht: "Hier hatten wir bisher 194 Online-Vorgänge", sagt Marc Hoffmann, Leiter des Amts Sicherheit und Ordnung. Vorrangig genutzt werde das Angebot für Abmeldungen. Bei den Zulassungen und Ummeldungen laufe es dagegen eher verhalten, so Hoffmann. Allerdings habe sich bei Neuzulassungen herausgestellt, dass die Fahrzeughersteller noch vereinzelt fehlerhafte Datensätze an das Kraftfahrtbundesamt übermitteln und dadurch einige Neuzulassungen nicht möglich seien.
iKfz: Stadt und Landratsamt verzeichnen aber mehr Online-Vorgänge
Im Schnitt verzeichnet das Landratsamt seit der dritten Septemberwoche 145 Online-Vorgänge. Vor der Umstellung auf die neueste Stufe des iKfz-Systems waren es wöchentlich rund 40. Insofern habe die Neuerung schon einen Schub gebracht, sagt Hoffmann.
Auch bei der Stadt stieg die Zahl seither merklich an. Waren es in den Monaten zuvor im Schnitt noch 20 Vorgänge, schnellte deren Zahl im September auf 101 und im Oktober auf 182. "Veränderung braucht Zeit", sagt Monika Baumann, Leiterin des Bürgeramts, zu dem die Zulassungsstelle der Stadt gehört. Grundsätzlich seien auch die Heilbronner bei der Nutzung noch etwas zögerlich. Doch: "Die Zahlen sind gut und steigen kontinuierlich weiter", ist Baumann optimistisch.
Digitale Identifizierung noch oft als Hürde gesehen
Dem wachsenden Interesse zum Trotz fehlten Kunden "oft die notwendigen Voraussetzungen, beispielsweise Fahrzeugpapiere mit Sicherheitscode", weiß Marc Hoffmann. Viele sähen auch die Identifizierung noch als Hürde, obwohl dem Amtsleiter zufolge die Nutzung der digitalen Ausweisfunktion relativ einfach möglich ist, "ähnlich dem Bezahlen mit einer EC-Karte". Auch die Registrierung bei der Bundes-ID, die zum Beispiel für die digitale Steuererklärung benötigt wird, sei "nicht schwieriger als eine Bestellung in einem Online-Shop". Dass die Technik vereinzelt noch Probleme bereitet, bestreitet Hoffmann nicht: "Wir sind im stetigen Kontakt mit unserem Verfahrensanbieter, um das Angebot zu verbessern."
Neben dem vereinfachten Verfahren scheinen auch Anreize über den Geldbeutel nicht recht zu ziehen. So schlägt etwa eine Erstanmeldung, für die vor Ort 30 Euro Gebühr fällig werden, auf dem digitalen Weg nur noch mit 12,80 Euro zu Buche. Wie also die Attraktivität weiter steigern? "Wenn die Kundschaft einen direkten Support vom Verfahrensanbieter während des Vorgangs erhalten würde, wäre die Abbruchquote eventuell geringer", mutmaßt Hoffmann. Bei der Stadt rührt man laut Monika Baumann mit Flyern, Postern und Hinweisen in den sozialen Medien die Werbetrommel. "Auch sprechen die Mitarbeiter die Kunden, insbesondere die Gewerbetreibenden, gezielt an und weisen nochmals explizit auf die Vorteile der Online-Zulassung hin."
Spontanbesuche bei Zulassungsstellen nehmen ab
Das gelte auch für die Terminvereinbarung, die bei Stadt und Landkreis seit 1. September nur noch digital möglich ist. Darauf stellen sich die Kunden zunehmend ein: Im September kamen 18 Prozent, im Oktober drei Prozent der Kundschaft ohne Termin zur Kreisbehörde. Bei der Stadt wurden von August bis Oktober 552 Spontankunden bedient. "Dem gegenüber stehen 4976 Personen mit Termin", sagt Monika Baumann. Vereinzelt gebe es durchaus noch Optimierungsbedarf sowie einzelne negative Rückmeldungen, man arbeite aber "nahezu täglich" an einer Anpassung des Systems, beteuert Hoffmann.
Zurückhaltung auch im Hohenlohekreis
Auch im Hohenlohekreis wählt der Großteil der Kunden weiterhin den analogen Weg zur Kfz-Zulassungsstelle im Künzelsauer Landratsamt. Die Behörde verzeichnete vom 1. September bis 20. November insgesamt 15 908 Vorgänge. Davon wurden nur 384 online getätigt. Darunter waren 279 Abmeldungen, fünf Wiederzulassungen und zwei Neuzulassungen. Hinzu kamen Umschreibungen und Adressänderungen. Insgesamt lag der Digitalanteil bei 2,4 Prozent. Von 1. Januar 2016 bis 31. Mai 2023 liefen nur 0,3 Prozent aller Vorgänge online.
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