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Hohenlohe

Kein Durchbruch bei digitaler Kfz-Zulassung in Hohenlohe

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Seit September ist das Onlinesystem schneller und günstiger, doch die meisten Bürger bevorzugen weiter analoge Variante vor Ort im Künzelsauer Landratsamt.

Bereits seit 2019 ist die Online-Zulassung für alle Meldebereiche möglich, 2015 war das System für Abmeldungen gestartet. Von 2016 bis Mai 2023 liefen nur 0,3 Prozent aller Vorgänge digital, seit September sind es nur wenig mehr.
Bereits seit 2019 ist die Online-Zulassung für alle Meldebereiche möglich, 2015 war das System für Abmeldungen gestartet. Von 2016 bis Mai 2023 liefen nur 0,3 Prozent aller Vorgänge digital, seit September sind es nur wenig mehr.  Foto: momius/stock.adobe.com

Schneller, leichter, günstiger soll sie sein, die digitale Zulassung oder Abmeldung von Fahrzeugen. Seit 1. September wurde das System stark vereinfacht, doch in den ersten elf Wochen seit der Umstellung wird es im Hohenlohekreis weiter kaum genutzt. Die Kunden kommen lieber zur Kfz-Zulassungsstelle im Landratsamt und beschreiten den analogen Weg - obwohl der nun deutlich teurer ist. Die Behörde verzeichnete vom 1. September bis 20. November insgesamt 15 908 Vorgänge. Davon wurden nur 384 online getätigt. Darunter waren 279 Abmeldungen, fünf Wiederzulassungen und zwei Neuzulassungen. Hinzu kamen Umschreibungen und Adressänderungen. Insgesamt lag der Digitalanteil bei mageren 2,4 Prozent. Von 1. Januar 2016 bis 31. Mai 2023 liefen nur 0,3 Prozent aller Vorgänge online.

Leiter der Zulassungsstelle nennt mehrere Gründe

Karlheinz Haaf leitet die Kfz-Zulassungsstelle im Landratsamt. Die meisten Kunden bevorzugen weiterhin das analoge System, was auch daran liegt, dass sie ohne Anmeldung im Durchschnitt nur zwölf bis 15 Minuten warten müssen.
Karlheinz Haaf leitet die Kfz-Zulassungsstelle im Landratsamt. Die meisten Kunden bevorzugen weiterhin das analoge System, was auch daran liegt, dass sie ohne Anmeldung im Durchschnitt nur zwölf bis 15 Minuten warten müssen.  Foto: Reichert, Ralf

"Dass die Zahlen bei der Online-Zulassung nicht sonderlich gestiegen sind, dürfte mehrere Gründe haben. Viele wissen nicht, dass es online geht, mancher will sich nicht mit dem neuen System auseinandersetzen, mancher schätzt den persönlichen Kontakt. Dann ist es auch nicht relevant, dass sie vor Ort mehr zahlen müssen, als wenn es online gemacht wird", sagt Karlheinz Haaf (56), der die Kfz-Zulassungsstelle in Künzelsau leitet. Die Abmeldung kostet online 2,70 und vor Ort 17 Euro, die Wiederzulassung digital 10,60 und analog 23 Euro, die Neuzulassung per Klick 12,80 und mit Besuch 30 Euro.

"Irgendwann wird sich die Online-Zulassung schon durchsetzen"

 Foto: Reichert, Ralf

Für einige Leute sei das System offenbar "sehr kompliziert" - etwa die Identifikation über das Elster-Zertifikat. "Hier in der Zulassungsstelle müssen sie sich mit so etwas nicht auseinandersetzen." Ein weiterer Grund sei, "dass bei uns noch Termine ohne Online-Vergabe möglich sind und die Kunden im Schnitt nur zwischen zwölf und 15 Minuten warten müssen. Das ist in anderen Landratsämtern teilweise ganz anders", erklärt Haaf. "Irgendwann wird sich die Online-Zulassung meiner Meinung nach schon durchsetzen." Vor allem bei der jüngeren Generation merke man schon deutlich, dass sich etwas bewege. "Es gab schon Kunden, die sind zu uns in die Zulassungsstelle gekommen. Und als sie erfuhren, dass sie das auch digital machen können, zückten sie ihr Handy und erledigten den Vorgang online."

Auch die Großkunden sind noch gar nicht umgestiegen

Seit 1. September neu ist, dass Autohäuser und Versicherungen, Firmen und Vereine sowie spezielle Dienstleister Fahrzeuge online zulassen können. Bisher war dies nicht möglich. Aber: "Bei uns hat seitdem noch keiner diese Großkundenschnittstelle genutzt, obwohl es technisch funktioniert. Es könnte daran liegen, dass man sich dafür über das Kraftfahrtbundesamt anmelden muss. Wir rechnen damit, dass zum Ende dieses Quartals die ersten Firmen dieses Angebot in Anspruch nehmen werden."

Das sagen die Online-Kritiker vor Ort

 Foto: Reichert, Ralf

Die Stimme besuchte am 16. November die Zulassungsstelle und hat mit Kunden gesprochen. "Das neue Online-System ist nur günstiger, sonst aber ist es nicht besser und bietet keine großen Vorteile", berichtet der Leiter eines Fuhrparks, der regelmäßig vor Ort ist und seinen Namen nicht nennen möchte. "Ich habe es immer wieder online versucht, aber das System funktioniert oft nicht." Ebenfalls "schon mal probiert" hat es Mohannad Barnji (23) aus Öhringen, "aber das dauert mir einfach zu lange". Wenn "die schneller werden", nutze er es. Salihn Albin (19) aus Bretzfeld studiert in Künzelsau und hat gerade den vierten Versuch gestartet, den Wagen seines Vaters anzumelden. Analog. "Es hat immer etwas gefehlt, jetzt passt alles." Nur: "Von der digitalen Zulassung habe ich noch nie gehört. Hätte ich das gewusst, hätte ich mir den ganzen Stress sparen können."

Ein Kunde hätte die digitale Zulassung gerne probiert

Nur "aus Zeitgründen" hat Carsten Schmidt (40) aus Bretzfeld sein neues Auto nicht online zugelassen. "Ich hätte es gemacht, weil ich neugierig bin, doch in diesem Fall passte es nicht, weil ich den Wagen schon am Samstag im Werk abholen kann. Da ist die Zulassung vor Ort sicherer." Sein Motorrad werde beim nächsten Mal aber online abmelden. "Das spart Zeit und ist günstiger." Der Security-Mitarbeiter an der Zulassungsstelle meint: "Der Andrang ist noch genauso hoch wie vor dem 1. September. Viele, die persönlich herkommen, ärgern sich, dass die digitale Zulassung oder Abmeldung jetzt weniger kosten." Denn: "Vor allem ältere Kunden schaffen das online einfach nicht."

 
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