Stimme+
Digitalisierung in Behörden

Online-Kfz-Zulassung in Heilbronn kaum genutzt: Was sind die Gründe?

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Die neue Version des Online-Zulassungssystems "i-Kfz" sollte die Vorgänge leichter, schneller und günstiger machen – im Stadt- und Landkreis Heilbronn wird es aber kaum genutzt.


Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Wer sein Fahrzeug anmelden, ummelden oder abmelden möchte, tut dies weiterhin meist analog in der jeweils zuständigen Kfz-Zulassungsstelle seines Landkreises oder seiner Stadt. Die Online-Variante hingegen wird kaum genutzt. Zum Start der neuesten Ausbaustufe am 1. September 2023 wurde das digitale Angebot so weit vereinfacht, dass es eigentlich problemlos anzuwenden und Vorgänge schneller und günstiger zu erledigen sein sollten. Doch die digitale Kfz-Zulassung kommt nur sehr zögerlich bei der Masse der Bürger an.

Online-Zulassung mit i-Kfz: So wird das Angebot in Heilbronn genutzt

Seit die vierte Stufe der vom Bundesverkehrsministerium propagierten „internetbasierten Kfz-Zulassung“ – oder kurz i-Kfz – gezündet wurde, ist im Bereich der Stadt Heilbronn vor allem die Zahl der Online-Abmeldungen gestiegen: "Rund 20 Prozent der Außerbetriebsetzungen erfolgen mittlerweile digital", sagt Tanja Albrich, Leiterin der städtischen Zulassungsstelle. Wurden 2023 insgesamt 713 Abmeldungen online vorgenommen, dürfte der Wert für das laufende Jahr hochgerechnet bei 2955 liegen.

Bei den anderen Vorgängen wie Zulassungen, Umschreibungen oder Änderungen sei dagegen "noch viel Spielraum nach oben": Hier liege der Wert bei lediglich zwei Prozent aller Vorgänge, die online erledigt werden. Die Schieflage sieht Albrich auch darin begründet, dass es für eine Außerbetriebsetzung keine Registrierung braucht. Auch die Unterschiede bei der Gebühr sieht sie als Anreiz - eine Abmeldung kostet online 2,70 Euro, auf der Zulassungsstelle werden dafür 16,50 Euro fällig. Dass es bei den anderen Vorgängen noch merklich hakt, liegt für sie auch darin begründet, dass "sich vor allem die mittlere und ältere Generation an die ,neuen' digitalen Vorgänge nicht herantraut".

Landkreis Heilbronn: Stetiger Zuwachs bei Nutzung von i-Kfz

Ein ähnliches Bild zeichnet sich im Landkreis Heilbronn ab. "Wurden im Januar 2023 durchschnittlich nur zwischen zehn bis zwanzig Vorgänge pro Monat digital abgewickelt, ist der Anteil mit Einführung der neuen i-kfz-Stufe im September 2023 auf rund 100 bis 200 Vorgänge pro Monat angestiegen", sagt die Sprecherin des Landratsamts, Lea Mosthaf. Und auch in der Folge sei ein weiterer stetiger Zuwachs erkennbar.

Alleine im vergangenen Juli seien auf der Zulassungsstelle des Kreises 2141 Vorgänge digital abgewickelt worden. Der Schwerpunkt liege allerdings wie bei Stadt ganz klar auf den Abmeldungen. "Eher verhalten" ist laut Mosthaf auch noch die Resonanz auf die Großkundenschnittstelle (GKS) für Händler, Zulassungsdienste, Versicherungen oder Hersteller.

Landkreis Heilbronn: Kein spürbarer Rückgang bei den Vor-Ort-Terminen trotz i-Kfz

Unterm Strich suchten die Kunden für den "überwiegenden Großteil an Vorgängen" nach wie vor das Amt in der Lerchenstraße auf. Wenn auch aufgrund des allgemeinen Anstiegs der Zahlen ein direkter Vergleich schwierig sei, "ein signifikanter Rückgang der Vor-Ort-Termine ist bislang nicht erkennbar", so die Landratsamtssprecherin. Im Januar standen 881 digitalen Vorgängen 11.178 vor Ort gegenüber. Im Juli waren es 2141 beziehungsweise 12589.

Im Hohenlohekreis wurden vom 1. September 2023 bis 23. August 2024 nur 2056 und damit 3,8 Prozent aller Vorgänge online sowie 52.007 (96,2 Prozent) vor Ort erledigt, wie Kreissprecher Sascha Sprenger meldet. 15 digitalen Neuzulassungen standen 6768 analoge Vorgänge gegenüber. Das sind unterm Strich nur 0,2 Prozent. Die meisten wählten die Online-Variante bei der Abmeldung. Hier hatte der internetbasierte Vorgang einen Anteil von elf Prozent.

Einführung der Online-Zulassung: Rückblick auf Entwicklung von i-Kfz

Dabei sollte ab September 2023 vieles besser werden. Das Online-System des Bundesverkehrsministeriums, das über die Länder auf die Kreise und Kommunen übertragen werden musste, war anfangs kompliziert und bruchstückhaft. 

Abmeldungen waren seit 2015 digital möglich, Wiederzulassungen seit Mitte 2017. Als am 1. Oktober 2019 die dritte Stufe startete, die nun auch Neuzulassungen beinhaltete, stellte sich heraus, dass damit der finale Schritt noch gar nicht umgesetzt war - obwohl praktisch sämtliche Bereiche von der Neuanmeldung bis zur Abmeldung abgedeckt waren. Stattdessen gab es noch etliche Haken.

Kfz-Zulassungsstellen: Wartezeit vor Ort liegt im Schnitt bei 15 bis 20 Minuten

Mit "i-Kfz 4" wurde der für viele komplizierte Klick-Parcours vereinfacht. Er sollte viel schneller zum Erfolg führen, da die Kunden nicht mehr bis zur postalischen Zusendung der Unterlagen warten, sondern mit einem Ausdruck theoretisch gleich losfahren konnten. Erstmals konnten zudem auch Autohäuser und Versicherungen, Firmen und Vereine sowie spezielle Dienstleister Fahrzeuge online über die GKS zulassen.

Wer alle Unterlagen zusammenkramt und die Zulassungsstellen des Hohenlohekreises und der Stadt Heilbronn aufsucht, musste dort in diesem Jahr mit Wartezeiten von durchschnittlich 15 bis 20 Minuten rechnen, beim Landkreis Heilbronn waren es laut Lea Mosthaf im Schnitt 9,5 Minuten. Es gebe aber durchaus einzelne Ausreißer nach oben - etwa bei größeren Personalausfällen oder einer Störung des landesweiten Fachsystems der Zulassungsstelle. 

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben