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Öhringens OB Patrick Wegener blickt zurück: Ein lebensveränderndes Jahr 2025

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Kurz vor dem Pferdemarkt hat Patrick Wegener angekündigt, Öhringens neuer Oberbürgermeister werden zu wollen. Auf diese Ankündigung folgten Monate des Wahlkampfes und eine große Überraschung am Wahltag. 


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Am 14. Januar ist Patrick Wegener 100 Tage im Amt als Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Öhringen. Am 13. Juli wurde er mit überwältigender Mehrheit von den Öhringer Bürgern zum jüngsten Oberbürgermeister Deutschlands gewählt. Der Jahreswechsel ist ein guter Moment, um mit HZ-Redakteurin Yvonne Tscherwitschke auf das ereignisreiche Jahr 2025 und das kommende zu blicken.

Wenn sie das Jahr 2025 mit einem Wort beschreiben müssten, wäre es welches?

Patrick Wegener: Aufregend.

Und was genau war das Aufregendste?

Wegener: Ehrlicherweise der Wahltag. Das war schon sehr fordernd, weil man an dem Tag nicht mehr viel tun kann. Du gehst hin, wartest ab. Das ist nach dem langen Wahlkampf ungewohnt. Die Wahlkampfphase war sehr fordernd, das merke ich jetzt. Und davor war die Ankündigung meiner  Kandidatur sehr aufregend. Ganz bewusst am Freitag vor dem Pferdemarkt. Denn da kommen die Öhringerinnen und Öhringer zusammen. Da sollen sie darüber sprechen. Und das haben sie dann auch getan. Es gab viele Rückmeldungen.

Patrick Wegener zieht nach 100 Tagen im Amt Bilanz: Der jüngste OB Deutschlands sprach mit HZ-Redakteurin Yvonne Tscherwitschke über das Jahr 2025 und kommende Herausforderungen.
Patrick Wegener zieht nach 100 Tagen im Amt Bilanz: Der jüngste OB Deutschlands sprach mit HZ-Redakteurin Yvonne Tscherwitschke über das Jahr 2025 und kommende Herausforderungen.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Haben Sie manchmal gezweifelt, ob es der richtige Schritt ist?

Wegener: Ja klar, immer wieder. Da ist die Frage, was ist, wenn es nicht klappt. Das gehört dazu. Da bin ich auch Realist. Aber ich habe mich immer wieder überzeugen lassen und auch selbst überzeugt, dass ich mein Bestes gebe und es am Wahltag zur ehrlichen Rechnung kommt. Die Menschen haben sich klar entschieden. Das war echt gut.

Was wäre Plan B gewesen?

Wegener: Plan B war, dass Plan A funktioniert.

Öhringens OB Patrick Wegener steht vor vielen Herausforderungen

Lebensverändernde Entscheidungen. Dazu gehörte auch die Heirat?

Wegener: Wir hatten jetzt schon das erste Jahr Ehe mit vollem Programm. Das war eine tolle und aufregende Zeit.  was wir bewegt und erlebt haben. Und es ist schön zu erfahren, dass man sich auf seinen Partner voll verlassen kann. Beidseitig. 

Es ist eine große Umstellung, ständig hier zu sein?

Wegener: Ja, wir genießen es sehr, nun morgens gemeinsam in den Tag zu starten. Wenn ich früher drei Tage nicht da war, haben wir telefoniert. Nun die Rollen neu zu finden, das ist spannend. Das kriegen wir gut hin.

Was war die spannendste Erkenntnis im Wahlkampf?

Wegener: Wie gut informiert doch viele Öhringerinnen und Öhringer sind, wie gut vernetzt, auch familiär. Die schönste Erkenntnis war, dass das Interesse der Menschen dafür, wie sich Öhringen, ihre Stadt und die Teilorte, entwickelt, echt groß ist. Man sagt ja oft, die Menschen wären uninteressiert. Doch ich habe bei den Gesprächen vor Ort wirklich viele Rückmeldungen zur Stadtentwicklung bekommen. Das war toll. Und dass damit Veränderungsbereitschaft signalisiert wurde, dass die Menschen bereit sind, Dinge anders anzugehen. Wie es überhaupt fast nur freundliche Begegnungen auch bei strittigen Themen gab. Wenn wir das beibehalten können, dann können wir uns in der Sache immer unterhalten und kommen voran.

Was war nicht so nett?

Wegener: Mhhm. Eigentlich wenig. Der Wahlkampf war sehr fordernd. Ich habe Gas gegeben, das habe ich schon gemerkt irgendwann. Aber einen nicht netten Moment gab es so eigentlich nicht. Ich habe immer fair gespielt, es ging immer um die Sache. So ticke ich auch. Das ist mir wichtig. Ich möchte nicht sagen, was läuft nicht gut, sondern fragen, wie wir es besser machen können. Klar interessiert die Menschen Tratsch. Aber die meisten haben sich dann doch für die Lösung oder den anderen Weg interessiert. Es gab schon Wahlkämpfe, wo das anders war. Und auch die Parteizugehörigkeit war auch kaum Thema. Wohl auch weil die meisten während der elf Jahre im Gemeinderat gemerkt haben, dass ich in der SPD bin und ein klares Wertegerüst habe, das aber nicht die Monstranz ist, die ich vor mir hertrage. Über Parteien hinweg haben die Leute gesagt: Mit dem kannst gut zusammen schaffen. Und was auch zum Ergebnis beigetragen hat: das Zuhören, sich Zeit zu nehmen für die Perspektiven anderer Menschen. Das wird auch meine acht Jahre Amtszeit prägen. Das trägt dazu bei, dass sich die Menschen als Teil der Gesellschaft fühlen. Das merke ich auch jetzt bei meinen monatlichen Runden auf dem Wochenmarkt.

Öhringens OB Patrick Wegener legt Wert auf gutes Miteinander

Die haben Sie gleich nach der Wahl wieder begonnen?

Wegener: Ja, das hat die Menschen überrascht, dass ich wieder da bin, einmal im Monat und nutzen es gern, um mit mir ins Gespräch zu kommen. Letztes Mal waren zwölf bis 15 Menschen da. Die Hälfte waren einfach Gespräche, der Rest Anregungen, die ich für die Arbeit der Stadtverwaltung mitnehme.

Wie hat sich die erste Gemeinderatssitzung in anderer Rolle angefühlt?

Wegener: Es war vollkommen aufregend. Allein schon in der Vorbereitung, weil wir ja ins HGÖ ausweichen mussten. Da kommen dann Themen und technische Schwierigkeiten auf, wo man sich schon fragt, warum das gleich zur ersten Sitzung sein muss. Zumal davor der IHK-Regionalempfang im Haus war und ich so wenig Zeit zuvor hatte. Aber es war dann doch, glaube ich, eine ganz gute Sitzung. Vor allem da ich mich auf die Kolleginnen und Kollegen im Haus verlassen kann.

Patrick Wegener (30) ist in Öhringen geboren und hat dort Abitur gemacht. Nach dem Studium arbeitete er bei Bundestagsabgeordneten und war Leiter des Europa-Büros der baden-württembergischen Kommunen, ehe er am 13. Juli zum neuen OB von Öhringen und damit zum jüngsten Oberbürgermeister Deutschlands gewählt wurde. Mit seiner Frau Natalie lebt er in Öhringen.

Thomas Pauli hat an dem Abend die veränderte Grundstimmung gelobt, Ulrich Schimmel in seinem Jahresrückblick nun auch...

Wegener: Ich hoffe, dass es so bleibt. Das verlangt verwaltungsseitig einen großen Beitrag für ein gutes Miteinander, aber auch vom Gemeinderat.

Dazu gehört auch eine stringente Sitzungsleitung, Tendenzen erfassen, Lösungen anbieten...

Wegener: Ja, das ist schon wichtig und auch Ruhe reinzubringen. Auch dass klar ist, wie abgestimmt wurde. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Man kann sich über vieles streiten, das muss man auch und das wünsche ich mir auch vom Gremium. Die Öhringerinnen und Öhringer sollen schon bemerken, dass man Themen über Fraktionen hinweg anders sehen kann. Aber dass am Ende klar ist, da gibt es ein Ergebnis und dazu steht man und bei der Nachsitzung redet man wieder miteinander. Da macht Sitzungskultur viel aus. Ich habe viel Erfahrung in den verschiedensten Gremien und habe mir gesagt: Überall da, wo ich wirken darf, möchte ich es tun mit dem Blick auf die Sache. Schon auch mit Harmonie. Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch. Das ist auch mein Führungsstil.

Das ist gut weil?

Wegener: Ich denke, so schafft man gutes Miteinander. Das ist wichtig, dass man sich nicht verliert. Auch Ruhe ist dafür wichtig, dass man sich nicht verrennt, sondern immer überlegt, wo man warum gestartet ist, wo man nun steht und wohin man möchte.

Gemeinderatssitzungen in Öhringen: Patrick Wegener setzt auf gute Vorbereitung

Dazu trägt die Vorbereitung bei?

Wegener: Ja, das ist schon viel Arbeit im Vorfeld. Zwei Wochen vor der Sitzung sind wir in der Amtsleiterrunde zusammen und schauen die Vorlagen durch. Man muss überlegen, wo gibt es Schwierigkeiten, wo nicht, wo braucht es die große Diskussion, wo den Kompromiss. Wenn man gute Lösungen finden  will, braucht man Vorgespräche. Die sind wichtig, um Signale zu bekommen, ob es passt oder nicht. Dann kann man sich darauf einstellen. Dass wir nicht immer einstimmig werden, das ist klar. Und: Der Gemeinderat ist auch Teil der Verwaltung, das darf man nicht vergessen, sondern muss gemeinsam in der Rolle schauen, dass es Lösungen gibt für die Stadt.

Wichtigstes Thema 2026?

Wegener: Haushalterisch ist es ein herausforderndes Jahr. Es sieht nicht rosig aus, wir können aber trotzdem viel bewegen. Es ist Hochbau geplant, Infrastruktur wird fit gemacht. Und dann haben wir das Landesgartenschau-Jubiläum. Das Gefühl dafür entfachen wir nun in der gesamten Stadtgesellschaft, um auch all jene mitzunehmen, die 2016 noch gar nicht bei uns gelebt haben.

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