Zwölfjähriger stirbt in Niedernhall: Eine Chronologie der Ereignisse
Es ist der 11. September 2025. Ein Donnerstagabend in der letzten Ferienwoche. Zwei Jungs, zwölf und 13 Jahre alt, sind mit Roller und Fahrrad auf einem Supermarkt-Parkplatz in Niedernhall. Der Abend endet für den Zwölfjährigen tödlich. Eine Chronologie der Ereignisse.
Erst ist es nur eine Polizeimeldung wie viele andere, die die Redaktion der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung am Vormittag des 12. Septembers erreicht. Es ist ein Freitag. Inhalt: Ein Zwölfjähriger wurde am Abend zuvor auf einem Supermarkt-Parkplatz in Niedernhall von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Tragisch. Ohne Zweifel. Doch in diesem Moment war es „nur“ ein Verkehrsunfall mit schlimmem Ausgang. Dass sich der damals 18 Jahre alte Fahrer auf den Tag genau sechs Monate später wegen Mordes vor Gericht verantworten muss, war zu dem Zeitpunkt nicht absehbar.
12. September 2025: Fahrer kommt nach Vorfall in Niedernhall in U-Haft
Welch dramatischen Ereignisse sich an jenem Donnerstagabend auf dem Parkplatz zugetragen hatten, wurde erst im Laufe des Freitags deutlich. Dann aber verdichteten sich schnell die Hinweise, dass dem Unfall ein Streit voraus gegangen war zwischen den Zwölf- und 13-Jährigen und dem damals 18 Jahre alten Fahrer und dem 16 Jahre alten Beifahrer. Der Fahrer kam am 12. September in Untersuchungshaft.
13. und 14. September: Schockstarre in Niedernhall nach der schrecklichen Tat
Schockstarre. So lässt sich der Samstag, 13. September, gut beschreiben. Schweigend erledigen die Menschen an diesem Morgen ihre Einkäufe. Wer mit seinem Nachbarn, Freunden oder Bekannten redet, der hat nur ein Thema: Die schreckliche Tat. Warum? Das ist die Frage, die alle umtreibt, die aber niemand beantworten kann.
Wildfremde Menschen umarmen sich, stützen sich, spenden sich gegenseitig Trost. Viele Menschen, sei es als unfreiwillige Zeugen auf dem Parkplatz, als hinzugerufene Helfer oder deren Angehörige können die Ereignisse nicht fassen. Leiden mit den Eltern des getöteten Jungen. Legen Blumen ab auf dem Parkplatz, der sich innerhalb von Stunden in einen Gedenkschrein verwandelt.
Hinter einem Bauzaun vor neugierigen Blicken geschützt, hört man die verzweifelten Schreie der Eltern. Sie spielen Musik. Werden von Familie und Freunden begleitet. Was die Öffentlichkeit nicht sieht: Mit welchem Schock auch die Familien des Täters und der beiden anderen Jungen umgehen müssen.
13. und 14. September: Stille Starts beim EBM-Papst-Marathon in Niedernhall
Der 13. und 14. September hätten im Kochertal ein Wochenende des Sports sein sollen. Der EBM-Papst-Marathon lockt immer an diesem letzten Ferienwochenende Tausende von Läufern an, der Sonntag ist mit großem Rahmenprogramm ein beliebter Familientag. 2025 ist alles anders: Die Starts finden still statt.
Pfarrer Jakobus Hartmann findet im Läufer-Gottesdienst Worte für das Unbeschreibliche. Sowohl auf dem Sportgelände wie in der Laurentiuskirche sind Räume der Stille eingerichtet. Die Notfall-Seelsorger legen viele Kilometer zurück, um Gespräche anzubieten. Gerade auch den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr, die gemeinsam beim Marathon Dienst tun, nachdem sie am Donnerstag zum Unfall gerufen worden waren.
15. September: Schulbeginn in Niedernhall mit Seelsorgern
Schnell hatten alle Verantwortlichen um Bürgermeister Achim Beck am Freitag reagiert: Soll das Lauf-Event stattfinden? Und wenn ja, wie? Auch der Schulbeginn am Montag wurde sensibel mit Schulleiter Jochen Scheufler, dem Pfarrer-Ehepaar Hartmann, den Schulsozialarbeitern und der Rathausspitze geplant.
23. September: Gedenk-Gottesdienst für den getöteten Jungen in Niedernhall
Auch im Umgang mit den Medien legte Achim Beck Umsicht an den Tag: Informieren ja. Effekthascherei nein. Und so kehrte nach dem öffentlichen Gedenk-Gottesdienst für den getöteten Jungen zwei Wochen später, am Dienstag, 23. September, wieder ein wenig Ruhe ein im Kocherstädtchen. Im Januar erklärte die Staatsanwaltschaft, dass Anklage wegen Mordes erhoben werden soll.
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