Streift ein Wolf durch den Hohenlohekreis?
Nachdem sich seit Sonntag mutmaßliche Wolf-Sichtungen im Neckar-Odenwald-Kreis mehren, wird über das Weiterziehen der geschützten Art spekuliert. Angeblich soll das Tier im Hohenlohekreis auch bereits auf Fotos dokumentiert worden sein.

Bislang sind es nur Vermutungen - aber auch jene sorgen bereits für Verunsicherung bei hiesigen Weidetierhaltern: Nachdem sich seit Sonntag im Neckar-Odenwald-Kreis zahlreiche Bürger mit angeblichen Wolf-Sichtungen an die dortigen Behörden gewandt haben, gibt es nunmehr erste Vermutungen, das Tier könne mittlerweile in den Hohenlohekreis weitergezogen sein. Wie der SWR berichtet, hat sich der Wildtierbeauftragte des Nachbarkreises dementsprechend geäußert.
"Es gibt solche Mutmaßungen", bestätigt Martin Hans, Wildtierbeauftragter des Hohenlohekreises, auf Stimme-Anfrage. Beim Wildtierinstitut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg werde aktuell geprüft, ob etwas dran sei. Angeblich sollen Fotos eines wolfsähnlichen Tieres auch unweit von Oberkessach sowie Ingelfingen geschossen worden sein.
Kommt der Wolf zurück in die Region? Was Akteure zur angeblichen Sichtung sagen
Tierhalter zeigen sich indes beunruhigt: "Ich habe mich zwar umfassend beraten lassen, aber das, was ich tun müsste, um meine Tiere wirklich zu schützen, würde mehrere zehntausend Euro kosten", sagt etwa Corinna Janßen, die bei Waldenburg Zwergziegen und Ponys hält. "Es gibt keinen echten Schutz gegen den Wolf", so Janßen. "Eine Koexistenz zwischen Weidetier und Wolf funktioniert meiner Meinung nach nicht."
Das sieht Karl-Heinz Müller unterdessen anders: Der Vorsitzende des Öhringer Naturschutzbundes (Nabu) sagt: "Es wird oft der Wolf als Vorwand genommen und übertrieben." Letztlich sei der Mensch imstande, dem Tier "immer einen Schritt voraus zu sein". Angebliche Sichtungen seien jedenfalls stets nur ein schwaches Indiz. Und auch sonst gelte es, die Debatte ohne übersteigerte Emotionen zu führen: "Die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs auf Menschen geht gegen null", betont Müller.
Wildtierbeauftragter: Der Wolf wird hier sicher nicht heimisch
"Ich würde nun erstmal abwarten, ob es einen echten Nachweis gibt", sagt Maximilian Kittsteiner, der - ebenfalls um Waldenburg herum - als Nebenerwerb 65 Schafe hält. "Ich lasse die Tiere jetzt trotzdem raus", kündigt der 32-Jährige an. Er habe keine Alternative: Hohe mobile Zaunanlagen oder die Anschaffung eines Herden-Schutzhundes seien für einen kleinen Betrieb unwirtschaftlich. Kittsteiner weiter: "Wenn der Wolf sich hier ansiedelt, müsste ich mir intensiv Gedanken machen, ob und wie es weitergeht."
Wildtierbeauftragter Martin jedoch gibt diesbezüglich Entwarnung: "Der Wolf wird im Hohenlohekreis sicher nicht sesshaft, sondern zieht hier nur durch." Denn aufgrund der starken Landwirtschaft und der Zerschneidung durch Verkehrswege sei der Lebensraum für die Art anderswo deutlich besser.
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