Winteridyll am Waldenburger Rodelhang
Spaziergänger und Rodler freuen sich über die verschneite Landschaft oberhalb der Hohenloher Ebene.
Der Nebel zieht ganz plötzlich auf. Die schon weiße Landschaft wird noch weißer. Nur die Bäume der ersten Reihe sind zu sehen. Der Rest verschwindet. Fast ein wenig gespenstisch. Der Stimmung am Waldenburger Rodelhang tut das keinen Abbruch. Der Schnee rutscht. In der beliebten Spur der Dreck im Zweifel auch. Alle haben Spaß.
Weiß gezuckert zeigt sich die Hohenloher Ebene. In Waldenburg oben aber liegt richtig Schnee. Das nutzen viele Spaziergänger, um den Höhenrandweg zu laufen, aber auch runter ins Tal, Richtung Neumühlsee führen die Spuren durch den verschneiten Wald. Fast wie die Playmobil-Burg aus Kinderzeiten muten die Türmchen und Fachwerkhäuser an, die sich den Spaziergängern in den Weg stellen. Ab und an irrt eine Familie mit Kindern auf dem Rodel durch die Gassen, immer auf der Suche nach dem Schlittenhang. Teils kommen die Wintersportler aus dem Unterland und aus dem Kochertal. Die meisten aber sind Einheimische. Die wissen, welche Wiese am besten ist.
Kindheitserinnerungen werden wach
Einen „Geheimtipp“, nennt Reiner Hofmann aus Kupferzell die Hänge hinter der Panoramastraße in Waldenburg. Schon als Kind ist der heutige Vater hier gerodelt. „Entweder mit den Ski oder mit dem Schlauch eines Lastwagen-Reifens.“ An diesem frühen Mittag ist er mit seiner acht Jahre alten Tochter auf der Piste – wie rund dreißig andere Kinder und Erwachsene auch. Teilweise stehen sie in kleinen Gruppen beisammen, einige der Kleinen sitzen gemeinsam auf einem Schlitten.
Begleitet werden Vater und Tochter von Reiner Hofmanns Cousin Alexander Wolf und dessen Frau Tanja sowie deren Kind. „Wir kommen oft hier her. In Kupferzell liegt wenig Schnee“, erzählt Tanja Wolf. Waldenburg liege schließlich höher, pflichtet ihr Reiner Hofmann bei. Auch am Sonntag sei er schon für drei Stunden über den Mittag hier rodeln gewesen. Mehr als 200 Leute seien am Sonntag auf den Hängen über der Bibers mit dem Schlitten unterwegs gewesen. „Alle haben sich jedoch an den Abstand gehalten“, berichtet Hofmann und die Kinder hätten ihren Spaß gehabt.
Ein bisschen Spaß in schwierigen Zeiten
Tanja Wolf ist der Meinung, dass vom Nachwuchs derzeit viel verlangt werde. „Ein bisschen Freude sollte sein.“ Wenn mehr als 100 Menschen auf der Rodelwiese wären, dann würde die Kleinfamilie wieder umdrehen, so Tanja Wolf. Die Familien heute blieben aber unter sich und auch die Kinder stünden nicht in Massen beieinander.
Das Ehepaar spricht sich gegen eine von Politikern diskutierte Schließung von Schulen und Kitas aus. „Wer im Homeoffice ist, kann sein Kind nicht beschulen.“ Das werde weder den Kindern noch der Arbeit gerecht. Grundschulen und Kitas sollten auf jeden Fall geöffnet bleiben. Auch die nötige Infrastruktur für den digitalen Unterricht solle bereitgestellt werden. Ein Unterricht in kleineren Klassen sei wünschenswert.
Einige Meter weiter steht eine Familie aus Neuenstein. Die Eltern möchten anonym bleiben. Sie finden es gut, dass sie hier „frei sein“ können. „Niemand hat auf der Piste einen Mundschutz auf“, sagt die Mutter. Gestern sei die Familie zum gemeinsamen Rodeln in Großerlach gewesen. Bedenken wegen einer Ansteckung haben sie keine. Der Nachwuchs käme schließlich nur mit Kindern zusammen, denen sie auch im Kindergarten begegneten.
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