Raiba Hohenloher Land: Mit Zinsen diesmal weniger erwirtschaftet
Der für die Ertragsstärke einer Bank so wichtige Zinsüberschuss rutscht bei der Raiba Hohenloher Land 2022 ins Minus. Dafür boomt das Provisionsgeschäft.

"Angesichts der schwierigen Lage auf den Kapitalmärkten haben wir uns ganz wacker geschlagen", meint Andreas Siebert, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Hohenloher Land, wenn er auf die Bilanz des Geschäftsjahrs 2022 blickt. Dass Anleihen und Aktien in ein und demselben Jahr derart in den Keller gehen, habe es in den vergangenen hundert Jahren nur zweimal gegeben. "Das ist außergewöhnlich, und damit haben alle Banken zu kämpfen."
Schneller Zinsanstieg führt zu hohen Bewertungsverlusten
Siebert meint damit auch und vor allem den schnellen Zinsanstieg, der zu hohen Bewertungsverlusten in den Wertpapierportfolios kleinerer Banken geführt hat. Sie investieren traditionell einen Teil ihrer überschüssigen Mittel am Kapitalmarkt: meist in Anleihen. Die jüngsten Abschreibungen gehen dabei größtenteils auf festverzinsliche Wertpapiere zurück, da sie wegen der stark gestiegenen Zinsen weniger wert sind.
Weil kleinere Banken solche Wertpapiere oft bis zur Endfälligkeit halten, werden die aktuellen Marktverluste spätestens dann durch die Bewertungsgewinne ausgeglichen. In der Zwischenzeit mindert der Wertverlust aber das Eigenkapital und damit die Fähigkeit der Banken, weitere Verluste aus dem Kreditgeschäft auszugleichen. Da die Raiba Hohenloher Land bis 2022 ohnehin recht wenig Eigenkapital hatte, fiel dies im Kreditgeschäft zusätzlich negativ ins Gewicht. Der Zinsüberschuss als wichtigster Indikator der Ertragskraft einer Bank sank somit letztes Jahr um 2,1 Prozent. Und das, obwohl die Kundenkredite insgesamt um 7,5 Prozent zulegten.
Immer mehr Kreditanfragen werden abgelehnt
"Wir merken ganz deutlich, dass wir immer mehr Kreditanfragen ablehnen müssen, weil sich der Zinssatz etwa im Bereich Bauen und Wohnen verdreifacht bis vervierfacht hat", so Siebert. Das heißt: Der Raiba sind immer mehr Kreditgeschäfte zu riskant. Die Bautätigkeiten hätten spürbar nachgelassen, die Nachfrage sei dennoch ordentlich, aber weniger darauf gerichtet, neue Wohnhäuser zu bauen, sondern "Wohnungen oder Renovierungen" zu finanzieren.
Provisionsgeschäft läuft prächtig
Sehr gut liefen die Geschäfte, bei denen der Ertrag aus in Rechnung gestellten Provisionen resultiert, also zinsunabhängigen Transaktionen - "und zwar über die gesamte Produktpallette". Dazu gehören Bausparverträge ebenso wie Investmentbanking. Das Plus von 15,9 Prozent rettet damit die Gesamtbilanz.
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