Raiba Hohenloher Land will nach geplatzer Fusion eigenständig bleiben

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Das Eigenkapital wächst um 11,3 Millionen Euro, was die Raiba für die nächsten Jahre stärkt. Eine Fusion mit der Volksbank Hohenlohe kommt nicht infrage, nachdem im Juli 2022 die Verschmelzung mit der VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall spektakulär gescheitert war.

Die Raiffeisenbank Hohenloher Land ist nach einem turbulenten Jahr 2022 wieder in ruhigeres Fahrwasser gelangt. Die gescheiterte Fusion scheint verdaut.
Die Raiffeisenbank Hohenloher Land ist nach einem turbulenten Jahr 2022 wieder in ruhigeres Fahrwasser gelangt. Die gescheiterte Fusion scheint verdaut.  Foto: Reichert

Nach der gescheiterten Fusion mit der VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall fühlt sich die Raiffeisenbank Hohenloher Land stark genug, um in den nächsten Jahren eigenständig zu bleiben. "Genau so haben wir das Votum unserer Mitglieder auch verstanden", sagt Aufsichtsratschef Herbert Göker.

Mitglieder konnten deutlich mehr Anteile erwerben

Dazu wurde das Eigenkapital kräftig aufgestockt, dieser finanzielle Puffer war zuletzt viel zu dünn gewesen. Am 6. Juli 2022 hatte die Vertreterversammlung den von Aufsichtsrat und Vorstand favorisierten Zusammenschluss mit der größeren Nachbar-Bank abgelehnt, im September machte die Raiba ihren Mitgliedern den Vorschlag, dass die Zahl der möglichen Anteile erhöht werde, die sie erwerben könnten.


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Bislang lag die Grenze bei drei, nun sind bis zu zehn drin, bei Mitgliedern, die eine aktive Geschäftsverbindung pflegen, sogar bis zu 50. Ein Anteil entspricht 150 Euro, sodass Mitglieder, die auch Geschäftskunden sind, maximal bis zu 7500 Euro einsetzen können, einfache Mitglieder bis zu 1500 Euro.

Am Ende stand die stattliche Summe von 11,3 Millionen Euro

"Wir wurden überrannt", sagt Vorstandsvorsitzender Andreas Siebert. "In sechs Wochen haben wir 70.000 neue Geschäftsanteile ausgeben können, wir mussten den Verkauf sogar vorzeitig schließen." Am Ende stand die stattliche Summe von 11,3 Millionen Euro, die das Eigenkapital nachhaltig stärken. Und: "Wir haben dadurch 372 neue Mitglieder gewonnen." Siebert stellt klar: "Hätten wir das nicht gemacht, wäre die Höhe unseres Eigenkapitals perspektivisch ein Engpass gewesen." So aber "haben wir jetzt für die nächsten drei bis fünf Jahre die Kraft, um unser Kreditgeschäft zu bewältigen".

Darum ist ein gutes Eigenkapitalpolster so wichtig

Eigenkapital ist ein Finanzpolster gegen Verluste. Wenn zu viele Kreditnehmer nicht mehr in der Lage sind, ihre Darlehen zurückzuzahlen, oder Investitionen der Bank an Wert verlieren, macht sie Miese. Ohne einen auskömmlichen Finanzpuffer könnte die Bank sogar zahlungsunfähig werden. Eine solide Eigenkapitalbasis kann solche Verluste auffangen. Das Kreditgeschäft der Raiba Hohenloher Land florierte zuletzt, 2021 stieg es um satte zehn Prozent. Ein solcher Wachstumskurs kann langfristig aber nur gehalten werden, wenn auch das Eigenkapital entsprechend mit wächst, um diese Geschäfte abzusichern. Deshalb war die Finanzspritze der Mitglieder so wichtig.

Fusions-Wirren beherrschten vergangenes Geschäftsjahr

Die enorm hohe Nachfrage nach zusätzlichen Anteilen ist für Siebert der beste Beweis, dass die Mitglieder "ihrer" Raiba vertrauen - und zwar mehr denn je als eigenständiger Bank. Erst 2019 waren die Raibas Kocher-Jagst und Bretzfeld-Neuenstein zur Raiba Hohenloher Land verschmolzen. Im Herbst 2021 erfuhren die Mitglieder dann, dass Vorstand und Aufsichtsrat schon die nächste Fusion im Visier haben: mit der VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall. Trotz etlicher Informationsveranstaltungen gelang es der Bankspitze aber nicht, die Vertreter der Raiba von diesem Kurs zu überzeugen. Sie lehnten die Fusion am 6. Juli 2022 mit großer Mehrheit ab.

Volksbank Hohenlohe favorisiert Fusion mit Raiba und kassiert zwei Absagen

Nachdem der Fusionswunsch mit der VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall, die ihrerseits erst 2021 neu fusioniert wurde, im November desselben Jahres bekannt geworden war, versuchte die Volksbank Hohenlohe, die Raiba Hohenloher Land mit einem alternativen Fusionsangebot auf ihre Seite zu ziehen. Dies gelang ihr aber nicht.

Als die Banken-Ehe mit den Heilbronnern und Hallern vom Tisch war, probierte es die Volksbank Hohenlohe im September 2022 erneut und kassierte zum zweiten Mal eine einstimmige Absage von Aufsichtsrat und Vorstand. Wie die Hohenloher Zeitung berichtete, interpretierte die Volksbank Hohenlohe das Scheitern der regionalen Banken-Ehe am 6. Juli 2022 so, "dass die Mehrheit der Mitglieder nicht zur VR Bank, sondern zu uns will", wie Vorstand Harald Braun meinte.

Raiba-Spitze weist Interpretation der Volksbank Hohenlohe zurück

Dies sieht die Raiba-Spitze ganz anders. "Das war vielmehr ein klares Votum für den Erhalt unserer Selbstständigkeit", sagt Aufsichtsratschef Herbert Göker. Auch dass die Volksbank Hohenlohe 2021 offensiv um eine Fusion mit der Raiba geworben habe und mit der Nachricht Anfang November 2021, dass diese mit der VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall zusammengehen will, vor den Kopf gestoßen worden sei, kann Raiba-Vorstand Andreas Siebert nicht bestätigen oder verstehen. "Es gab zwar lose Gespräche, hier und da stärker zusammenzuarbeiten und sich nicht weiter auseinander zu entwickeln, aber keine konkreten Fusionsverhandlungen." So soll es bleiben. Eine Fusion mit wem auch immer sei derzeit kein Thema.

Was in "fünf bis acht Jahren" ist, vermag Göker nicht abzuschätzen. Eine mögliche Fusion zu einem späteren Zeitpunkt schließt er nicht aus. Die Volksbank Hohenlohe wirbt weiter darum. Die Raiba Hohenloher Land kann mit deren Geschäftsmodell und Fusionskonzept freilich nichts anfangen.


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