Gescheiterte Bankenfusion: Durchschütteln nach dem Schock

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Wie Andreas Siebert, Vorstandschef der Raiffeisenbank Hohenloher Land, die geplatzte Fusion mit einigen Tagen Abstand erklärt und nach vorn blickt. Die Vertreterversammlung hatte am 6. Juli die Verschmelzung mit der VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall spektakulär abgeschmettert.

Die Vertreter haben ihre Fusionspläne am 6. Juli abgeschmettert.
Die Vertreter haben ihre Fusionspläne am 6. Juli abgeschmettert.  Foto: Reichert

Nach der gescheiterten Fusion mit der VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall haben Vorstand und Aufsichtsrat der Raiffeisenbank Hohenloher Land mit der Aufarbeitung des Abstimmungs-Desasters am 6. Juli begonnen.

Die Vertreterversammlung hatte ihren Vorschlag mit 67,27 zu 32,63 Prozent abgeschmettert. Mindestens 75 Prozent wären nötig gewesen, um den Entwurf des Verschmelzungsvertrags zu billigen.


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Aufsichtsrat und Vorstand der Raiba Hohenloher Land hatten beschlossen, dass die Abstimmung über die Fusion mit der VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall geheim läuft. Hier werden die Stimmzettel am späten Abend eingesammelt.
Fotos: Ralf Reichert
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Sondersitzung von Aufsichtsrat und Vorstand am 11. Juli

Beide Führungsgremien trafen sich am 11. Juli zu einer Sondersitzung. Unterhaken war angesagt, alle Aufsichtsräte machen weiter, auch dem Vorstand wurde einhellig der Rücken gestärkt. Es ging aber auch darum, die Gründe für diese historische Schlappe zu analysieren. "Wir erachten die Fusion mit der VR Bank nach wie vor als strategisch sinnvoll. Perspektivisch wäre es der beste Weg für unsere Raiba Hohenlohe gewesen", sagt Vorstandsvorsitzender Andreas Siebert.

Man habe aber unterschätzt, dass es "vielleicht der falsche Zeitpunkt" gewesen sei, nachdem die Raibas Kocher-Jagst und Bretzfeld-Neuenstein erst 2019 zur Raiba Hohenloher Land verschmolzen seien und die übernehmende VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall erst ganz frisch in 2021 fusioniert habe.


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"Falscher Partner zur falschen Zeit"

Aus Sicht der Eigentümer-Mehrheit sei es deshalb womöglich auch "der falsche Partner" gewesen: wegen des "Größenverhältnisses von eins zu vier" und weil die "Verbindung über Kreisgrenzen gegangen wäre".

Ein vierter Grund sei, "dass wir im Geschäftsjahr 2021 einen sehr ordentlichen Abschluss hingelegt haben und bei unseren Kunden große Zufriedenheit herrscht". Auch wenn das Eigenkapital ein "Engpassfaktor" sei, "sind wir nicht auf Kante genäht". Die Raiba könne natürlich noch einige Jahre alleine existieren, "so dass die Veränderungsbereitschaft derzeit zu gering war".

"Zu früh zu schnell zu groß": ein entscheidender Faktor

Kurz nach dem verheerenden Abstimmungsergebnis steht den Raiba-Vorständen Andreas Siebert (links) und Stefan Häring (rechts) der Schock ins Gesicht geschrieben.
Kurz nach dem verheerenden Abstimmungsergebnis steht den Raiba-Vorständen Andreas Siebert (links) und Stefan Häring (rechts) der Schock ins Gesicht geschrieben.  Foto: Reichert, Ralf

Die Raiba werde "zu früh zu schnell zu groß". Dies sei wohl der entscheidende Faktor beim Vertretervotum gewesen. Siebert gibt zu: "Wir haben es nicht geschafft, die Mehrzahl davon zu überzeugen, dass die Fusion gerade jetzt auf die nächsten zehn bis 15 Jahre gerechnet eine einmalige Chance gewesen wäre, weil wir nur jetzt personell und strukturell einen solch großen Einfluss auf die größere Bank hätten nehmen können. Die Chance ist nun vorbei."

Dass Stimmung derart kippt, sei nicht absehbar gewesen

Die Stimmung der Vertreter völlig falsch eingeschätzt zu haben, nagt an Siebert. Doch er beteuert: Das sei so nicht absehbar gewesen nach den fünf Vertreterforen, die ab Ende März stattfanden. "Da war die Stimmung mitunter kritisch, aber nie ablehnend. Hätten wir damals gespürt, der Gegenwind ist so stark, dass wir die Vertreterversammlung verschieben müssen, hätten wir es getan."

Doch keiner habe das so empfunden. 218 von 334 Vertretern waren im Frühjahr angemeldet, 190 am 6. Juli. "Zwei Drittel hatten das also alles schon einmal gehört." In der Zeit dazwischen seien viele Meinungen wohl gekippt - ohne dass es Vorstand und Aufsichtsrat gemerkt hätten.

Geheime Abstimmung "am ehrlichsten"

Siebert ist überzeugt, dass die Mehrheit der Vertreter schon zu Beginn der Versammlung gegen die Fusion waren, die Stimmung also nicht während der Sitzung am 6. Juli umgeschlagen sei. Und das, obwohl alle Vertreter seiner Meinung nach im Vorfeld ausreichend informiert worden seien. War es taktisch klug, geheim abstimmen zu lassen? Er verteidigt diesen "bewussten Schritt" als selbstverständlich: "Das ist am ehrlichsten und am transparentesten." Auch bei der Fusionsentscheidung 2019 sei so verfahren worden, "obwohl die Erfolgschancen bei einer offenen Wahl höher sind".

Vorstandschef sieht Verhältnis zu den Vertretern nicht grundsätzlich gestört

Ist das Verhältnis zwischen Vorstand und Aufsichtsrat auf der einen sowie Mitgliedern und Vertretern auf der anderen Seite nun nicht dauerhaft gestört? Siebert sagt: "Nein." Denn: Die Vertreter hätten ja nicht die Arbeit der Führungsgremien grundsätzlich infrage gestellt, sondern nur den Fusionsvorschlag "mit diesem Partner und zu diesem Zeitpunkt". Beide Gremien seien am 6. Juli für das Geschäftsjahr 2021 einstimmig entlastet worden. Viele Vertreter hätten ihm dies nach dem Negativ-Beschluss zur Fusion auch so "gespiegelt". Das heißt aus Sicht Sieberts: Vorstand und Aufsichtsrat sitzen weiter fest im Sattel. Von einem allgemeinen Vertrauensverlust könne keine Rede sein. "Wir sind voll funktionsfähig und ein gutes Team."

 

Raiba-Mitglied fordert Rücktritt von Aufsichtsrat und Vorstand

Die geplatzte Fusion der Raiba Hohenloher Land mit der VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall hat mächtig Staub aufgewirbelt. Und etliche Mitglieder der Raiba in Rage gebracht. Zwar beteuert Vorstandsvorsitzender Andreas Siebert, eine deutliche Mehrheit der Vertreter habe den Verschmelzungsvertrag am 6. Juli zwar abgelehnt, Vorstand und Aufsichtsrat seien aber bei der gleichen Sitzung für ihre Arbeit im sehr guten Geschäftsjahr 2021 einstimmig entlastet worden (siehe Bericht oben). Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun.

Wolfgang Groer aus Dörzbach sieht das nicht so. Er ist seit vielen Jahren einfaches Mitglied der Raiba, und er fährt schwere Geschütze auf: "Die Eigentümer hat man im Vorfeld gar nicht informiert, geschweige denn gefragt." Vorstand und Aufsichtsrat hätten die geplante Fusion "als Selbstläufer angesehen". Eine Fusion mit der "Volksbank Hohenlohe und/oder Krautheim" hätte für ihn mehr Sinn ergeben. "Die Eigenkapitalbasis kann man stärken, wenn man die Begrenzung der Anzahl der Anteile pro Eigentümer aufhebt und/oder die Höhe des Geschäftsanteils anhebt", sagt Groer. Viele Eigentümer würden diese Chance nutzen.

Groer kommt zu dem Schluss: "Hier war entweder der Plan oder aber die Durchführung suboptimal, wahrscheinlich aber beides." Und er fordert: "Vorstand und Aufsichtsrat sollten deshalb zurücktreten, um einen Neustart zu ermöglichen."

Bilanzsummen der drei Banken

Die Raiba Hohenloher Land ist mit einer Bilanzsumme von 1,32 Milliarden Euro die größte Raiffeisenbank in Baden-Württemberg. Im Bundes-Vergleich aller 770 Geno-Banken liegt sie auf Platz 243, die VR Bank Heilbronn Schwäbisch Hall (4,98 Milliarden) auf 42, die Volksbank Hohenlohe (2,05 Milliarden) auf 148. rei

 
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