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Photovoltaik-Ausbau kommt im Hohenlohekreis voran - dennoch stehen Kommunen vor Herausforderungen

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Immer geringere Bau- und Betriebskosten bei Strompreisen in Rekordhöhe: Investoren für Solarparks stehen Schlange in den Rathäusern der Region. Wie umgehen mit der Vielzahl an Interessenten auf der einen und den Bedenkenträgern auf der anderen Seite?

von Christian Nick
Nicht überall sind die Voraussetzungen so optimal wie auf dem Hochplateau im Rüblinger Steinbruch. Aber dass Solarparks die Zukunft sind, das ist gewiss.
Foto: Archiv/privat
Nicht überall sind die Voraussetzungen so optimal wie auf dem Hochplateau im Rüblinger Steinbruch. Aber dass Solarparks die Zukunft sind, das ist gewiss. Foto: Archiv/privat  Foto: Nick

Es wäre die Chance gewesen, damals - im Jahr 2010 - mit einem Paukenschlag zum Vorreiter in Sachen Solarenergie in der Region zu werden: Ein Investor wollte eine 20 Hektar große Photovoltaikanlage beim Neuensteiner Teilort Kleinhirschbach bauen - und scheiterte am Veto des örtlichen Gemeinderats.

Mittlerweile haben sich die Zeiten geändert, die Dringlichkeit der Energiewende angesichts des drohenden Klimakollapses hat viele einstmalige Bedenkenträger verstummen lassen. Der PV-Ausbau wird in zahlreichen Kommunen im Landkreis nunmehr deutlich energischer vorangetrieben, Investoren stehen angesichts rekordverdächtiger Strompreise und verbesserter politischer Rahmenbedingungen Schlange - und Solarparks sprießen wie Pilze aus der Erde.

Zwei Solarparks in einer Sitzung

So jetzt auch in Neuenstein: Dort war seit der Ablehnung des Großprojekts vor zwölf Jahren zwar nur ein neuer Zwei-Hektar-Solarpark bei Obereppach entstanden, der seit 2019 am Netz ist - künftig werden es aber auch hier deutlich mehr werden. Denn: Im Rahmen seiner jüngsten Tagung brachte der Gemeinderat die baurechtlichen Planverfahren für gleich zwei Anlagen - "Seeäcker" und "Heufeld" - auf den Weg, die spätestens ab Anfang 2024 im 200-Meter-Korridor zwischen A6 und den Ortschaften Obereppach und Hohrain Ökostrom auf jeweils rund zwei Hektar Fläche erzeugen werden.


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Damit soll es, dem Rat zufolge, aber zunächst auch gut sein: Die Pläne für einen dritten Solarpark wurden zunächst auf Eis gelegt.

Denn: Die Herausforderungen, vor denen die Sonnenenergie in Neuenstein steht, spiegeln sich auch in anderen Kreis-Kommunen wider: Es gebe nach wie vor in manchen Köpfen "Angst, dass es ausufert", so der Neuensteiner Rathauschef. Streitpunkt diesbezüglich vielerorts: Soll die Verwaltung eigene Kriterien definieren, die zur Grundlage der Entscheidung über die Ansiedlung von großen PV-Anlagen gemacht werden? Kupferzell etwa hat sich einen solchen Katalog auferlegt - nur um in der Folge regelmäßig anders zu entscheiden.

Der Gemeindeverwaltungsverband Mittleres Kochertal wollte ebenfalls verbindliche Kriterien für alle drei Kommunen, konnte sich aber in den Abstimmungen in den Räten nicht durchsetzen. Ergebnis: Es gibt nun in keiner der drei Gemeinden eigene, feste Regeln zur Ansiedlung von Solarenergie.


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Was von den fixen Kriterien zu halten ist? Daran scheiden sich auch in den Kreis-Kommunen vielerorts die Geister: Für Neuensteins Verwaltungschef Nicklas ist klar: "Kriterien sind dafür gemacht, um Vorhaben abzublocken." Sinnvoller aus seiner Warte: Die konkreten Anlagen-Pläne genau zu vergleichen - und dann en bloc, etwa einmal pro Jahr, zunächst Vorgaben-frei im Rat zur Abstimmung zu stellen.

Bürokratieabbau wird eingefordert

Der Praktiker an der kommunalen Basis fordert eine drastische Beschleunigung der Planverfahren: Man müsse perspektivisch die sogenannte Privilegierung im Außenbereich anstreben - damit würden aufwendige Bebauungs- und Flächennutzungspläne obsolet.

Die einzelnen Verwaltungsebenen seien zu oft untätig: "Der Regionalverband wartet aufs Land - und wir in der Kommune sollen es dann entscheiden."

Trotz des "riesigen Aufwands", den es nach wie vor brauche, um große Freiflächenphotovoltaik-Infrastruktur zu errichten, ist auch für den Neuensteiner Verwaltungschef klar: "Wir werden uns daran gewöhnen, dass Solarparks zum Landschaftsbild gehören."

Und das tun sie denn auch zunehmend im Hohenlohekreis: Die EnBW etwa baut Ende kommenden Jahres bei Mulfingen eine neun Hektar große PV-Anlage - die damit die größte im hiesigen Landkreis werden dürfte. Wer das jedoch definitiv einschätzen will, hat es schwer: Beim Landratsamt werde zentral "kein Verzeichnis über genehmigte Solaranlagen geführt", so Kreis-Sprecher Sascha Sprenger auf HZ-Anfrage. Die meisten Solarparks, die gegenwärtig im Kreis in Betrieb oder Planung sind, rangieren etwa im Bereich von zwei bis fünf Hektar.

 

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