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Öhringen

Oscar-Gewinner Gerd Nefzer plaudert in Öhringen: Von Harrison Ford und Nebel aus Hochdruckreinigern

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Der Lions-Club Künzelsau holt den Schwäbisch Haller Gerd Nefzer zu einer Benefiz-Veranstaltung ins Scala-Kino. Da hat der gelernte Landwirt von Blockbuster-Produktionen erzählt - und von seiner Freizeit auf Hohenloher Äckern.

Vor etwa 150 Zuhörern stellt Oscargewinner Gerd Nefzer (rechts) seine Arbeit vor. Eingeladen hat ihn der Präsident des Lions Clubs Künzelsau, Norbert Kühlwein (links).
Vor etwa 150 Zuhörern stellt Oscargewinner Gerd Nefzer (rechts) seine Arbeit vor. Eingeladen hat ihn der Präsident des Lions Clubs Künzelsau, Norbert Kühlwein (links).  Foto: privat/Ingrid Düstersiek-Schuster

Kritisch gemustert habe ihn der Verkäufer der Smoking-Abteilung eines großen Ludwigsburger Modehauses, als er mit Jeans und Turnschuhen in den Laden kam, erzählt Gerd Nefzer. Der damalige Oscar-Kandidat aus Schwäbisch Hall wollte sich für die Preisverleihung mit dem Anlass entsprechender Garderobe ausstatten.

Der Verkäufer habe jedoch ein viel zu kleines Exemplar gebracht und "der ist zu kurz" gesagt. "Ja, das sehe ich auch. Und was jetzt?", fragte Gerd Nefzer. Man habe nichts anderes da, lautete die Antwort des Verkäufers. Der Hohenloher sei verärgert aus dem Laden gegangen. Mit einem Smoking aus dem Laden gegenüber hat er dann den bekanntesten Preis der Welt entgegen genommen. "Am liebsten wäre ich mit dem Oscar noch mal in den Laden und hätte gezeigt, wofür ich den Anzug gebraucht habe." Die rund 150 Zuhörer im Kino Scala lachen herzhaft, wie so oft am Montagabend.


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Spenden für Erdbebenopfer gesammelt

Bodenständig und humorvoll stellt Gerd Nefzer seinen Werdegang und seine Arbeit an den Spezialeffekten für den Film "Blade Runner 2049" vor, für die er einen Oscar bekommen hat. Anlass des Vortrags ist eine Benefizveranstaltung für die Opfer des Erdbebens in der Türkei und Syrien. "20.000 Euro sind im Vorhinein zusammengekommen", sagt Norbert Kühlwein, Präsident des Lions Clubs Künzelsau, der den Abend organisiert hat. Im Publikum sitzen die Mitglieder der Lions Clubs aus Künzelsau, Öhringen und weitere Gäste. An dem Abend selbst wurden noch einmal gut 3000 Euro für die regionalen Tafelläden gesammelt, sagt Kühlwein.

Zu Beginn der Veranstaltung will er mit einem Klischee aufräumen: Wenn Leute denken, jemand der einen Hauptschulabschluss habe, könne nicht auf fünf zählen, rege ihn das auf. "Ich bin stolz auf meinen Hauptschulabschluss", sagt er und bekommt Applaus. Nach seiner Lehre als Landwirt und Agrartechniker ist er bei seinem Schwiegervater ins Geschäft eingestiegen - einem in Hall ansässigen Verleih für Filmautos und -waffen. So kam er zu dem Unternehmen, mit dem er jetzt mit renommierten Regisseuren und Kameraleuten zusammenarbeitet und mittlerweile mit zwei Oscars ausgezeichnet wurde. Die fast zwei Stunden im Scala sind kurzweilig.


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Nefzer zeigt die Herausforderungen, die ein Spezialeffekte-Macher beim Film hat: Er erzählt von tagelang gescheiterten Versuchen, Nebel mit Hochdruckreinigern zu erzeugen, die aber am Einsatztag dann in Erfolg mündeten - "die liefen stundenlang. Dann hat es funktioniert und wir haben gesehen: Wir mussten die Luftfeuchtigkeit im Studio auf 100 Prozent hochschrauben." Seine Firma hat Schienenwagen gebaut für Flugfahrzeuge, im Film Spinner genannt. "An einem Abend nach fünf Bier" sei dem Team eine Idee gekommen, mit der sie die Ausgaben drücken konnten: Abrissbagger erzeugten Wellen in extra gebauten Becken - einiges günstiger als die eine Million Dollar, die große Wellenbad-Bälle gekostet hätten.

Traktor für Spezialeffekte verwendet

Für durchbrechende Wände, sogenannte Breakaways, ist das Team von Gerd Nefzer auch zuständig, wie hier in dieser Szene von "Blade Runner 2049" zu sehen.
Für durchbrechende Wände, sogenannte Breakaways, ist das Team von Gerd Nefzer auch zuständig, wie hier in dieser Szene von "Blade Runner 2049" zu sehen.  Foto: -/Sony Pictures Releasing GmbH/dpa

Stolz zeigt er auch das Foto von sich in einem Traktor. Mit diesem hat er den Spinner, in dem Hauptdarsteller Harrison Ford saß, langsam in das Wasser gleiten lassen und in alle möglichen Richtungen gedreht, damit die Bewegung realistisch aussieht. "Man hat da eine richtig hohe Verantwortung", denn es sei das Schlimmste, wenn einem Schauspieler etwas passiert - zumal einem Hochkaräter wie Ford.

Ganz am Schluss packt er dann aus, worauf viele im Saal gewartet haben: die beiden Oscars. Einen - den ersten - dürfen die Gäste sogar anfassen. "Den hatten schon sehr viele in der Hand." Die vier Kilogramm schwere Statue glänzt auch nicht mehr so, wie die, die Nefzer im vergangenen Jahr für "Dune" bekommen hat.

Für die Heuernte steigt er wieder in den Traktor

Nach Hohenlohe kommt der Haller "so oft wie möglich zurück", berichtet er. "Ich fliege fürs Wochenende heim, wenn es geht." Im vergangenen Jahr ging das jedoch nicht so gut, als er in Budapest am Set von "Dune 2" stand. Besonders freut er sich auf die Arbeit in seinem Ausbildungsbetrieb in Hall, wo er bei der Heuernte hilft. "Ich mag den Geruch von frisch gemähtem Gras so sehr!"

 
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