Hohenlohe statt Hollywood: Wie es für Oscar-Gewinner Gerd Nefzer nach Drehschluss von "Dune II" weitergeht
Nachdem "Dune II" abgedreht ist, verbringt der zweifache Oscar-Gewinner Gerd Nefzer die nächste Zeit in seiner Heimatstadt Schwäbisch Hall. Dort trug sich der Spezialeffektkünstler erneut ins Goldene Buch der Stadt ein und ließ ein turbulentes Jahr Revue passieren.

Alles im Kasten! Ein glücklich strahlender Gerd Nefzer beim Sonnenuntergang in der Wüste, daneben eine riesige Windmaschine auf einem Traktor mit Schwäbisch Haller Kennzeichen: So präsentiert sich der zweifache Oscar-Preisträger und Experte für Spezialeffekte auf seinem Instagram-Account, nachdem die letzte Klappe für den Hollywood-Streifen "Dune II" gefallen ist.
"Zwei Wochen vor Weihnachten sind wir zurückgekommen aus Abu Dhabi", erzählt Nefzer im Gespräch mit stimme.de. Begonnen hatten die Dreharbeiten im April vergangenes Jahr in Budapest, die nächste Station war Jordanien, ehe es für den Hohenloher in die Vereinigten Arabischen Emirate ging. Näher äußern möchte sich der 57-Jährige zum Dreh allerdings nicht: "Kein Kommentar." Im November soll die Fortsetzung des Science-Fiction-Epos von Regisseur Denis Villeneuve nach den Romanen von Autor Frank Herbert dann in die Kinos kommen.
Jetzt hat Gerd Nefzer Zeit für andere Dinge
"So lange, wie es irgendwie geht," will Gerd Nefzer nun in seiner Heimat bleiben. "Die nächsten zwei, drei Monate liegt filmmäßig nix an", sagt der Schwäbisch Haller mit Blick auf eine Zeit ohne konkrete Projekte. "Das ist ganz normal in unserem Geschäft, dass es relativ kurzfristig anläuft." Darum kann sich der studierte Agrartechniker, wie er sagt, jetzt auch Zeit nehmen für andere Dinge wie Vorträge zum Beispiel. Kommenden Dienstag um 19 Uhr spricht Nefzer bei einer Benefizveranstaltung in der Hospitalkirche Schwäbisch Hall über seinen Alltag mit täuschend echten Sandstürmen, Explosionen und spektakulären Fahrzeugcrashs.

Vergangenen Donnerstags bereits stattet Gerd Nefzer dem Rathaus in Schwäbisch Hall einen Besuch ab, wo ihm von Oberbürgermeister Daniel Bullinger die Silberne Rathausmedaille verliehen wird und sich der Spezialeffektkünstler zum zweiten Mal ins Goldene Buch der Stadt einträgt. In seinem Grußwort dankt er Familie, Freunden, Weggefährten und lässt "ein turbulentes Jahr mit Höhen und sehr vielen Tiefen" Revue passieren: die zweite Oscar-Auszeichnung, der Tod seines langjährigen Mitarbeiters Jens Schmiedel, eine Herzmuskelentzündung als Spätfolge einer Corona-Erkrankung, die Nefzer im Krankenhaus auskurieren musste.
"Und dann wurden wir letztes Jahr mit Preisen überflutet. Es war verrückt", freut sich der Spezialeffektkünstler noch über seinen zweiten Bafta-Award und eine ganze Reihe weiterer Auszeichnungen. "Wenn Sie glauben, ich habe die Preise alle gekannt, sind Sie auf dem Holzweg."
Auch an der Netflix-Serie "1899" war der Spezialeffektkünstler beteiligt
Mit dem vierten Teil der "John Wick"-Reihe kommt im März ein Actionfilm auf die Leinwand, an dem Gerd Nefzer und sein Team mitgewirkt haben. Beteiligt waren sie auch an der Netflix-Serie "1899". Dass diese nach nur einer Staffel nicht fortgeführt wird, darüber ist der Hohenloher enttäuscht, wie er am Rande der Veranstaltung verrät. "Das war eine tolle Arbeit, das hat richtig Spaß gemacht."
Während die Filmbranche hierzulande händeringend Nachwuchs für die Jobs hinter der Kamera sucht, kann sich Gerd Nefzer über fehlende Arbeitskräfte übrigens nicht beklagen: "Dadurch, dass wir international unterwegs sind und Verbindungen haben, haben wir wenig Probleme mit Personal."
"Es freut mich ganz besonders, dass deutsche Projekte wieder international Aufsehen erregen", merkt der 57-Jährige noch mit Blick auf die Bafta- und Oscar-Nominierung für die Spielfilmadaption von "Im Westen nichts Neues" an. Zumal Deutschland in der Filmbranche ja ein bisschen abgehängt worden ist.
Dabei sein wird Nefzer bei der 95. Auflage der Academy Awards im März in Los Angeles zwar nicht. Nachdem er vergangenes Jahr ins Oscar-Komitee im Bereich Visual Effects aufgenommen wurde, darf er aber nun für diese Sparte Filme vorschlagen und abstimmen. Ins Schwärmen gerät der Haller, wenn er über "Avatar: The Way of Water" spricht, den er sich jüngst angeschaut hat. "Technisch wunderbar, grandios gemacht, tolle Arbeit in meinem Bereich." Den Oscar als Bester Film wird James Camerons Science-Fiction-Streifen jedoch nicht holen, so Gerd Nefzers Vermutung.
Zur Person
Gerd Nefzer wird 1965 in Schwäbisch Hall als Gerd Feuchter geboren. Nach dem Studium der Agrartechnik und der Tätigkeit als Landwirt steigt der Hohenloher in den 80er Jahren in die von seinem Schwiegervater Karl Nefzer gegründete Firma Nefzer Special Effects ein. Der internationale Durchbruch gelingt Nefzer durch seine Mitarbeit am Film "Enemy at the Gates" (1999/2000). 2018 folgte der erste Oscar für "Blade Runner 2049", 2022 der zweite Oscar für "Dune", je in der Sparte Special Effects.
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