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Krautheim

In Krautheim fehlt eine echte Stadtmitte

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Wie steht es um die Nahversorgung in den kleineren Städten im Hohenlohekreis? Welche Einkaufsmöglichkeiten gibt es? Wie ist die ärztliche Versorgung? In loser Folge schaut sich die Hohenloher Zeitung die Situation in den Kommunen genauer an.

Eine Stadtmitte hat Krautheim nicht. Die Hauptstraße bietet zwar einige Läden, aber lädt nicht gerade zum Verweilen ein.
Eine Stadtmitte hat Krautheim nicht. Die Hauptstraße bietet zwar einige Läden, aber lädt nicht gerade zum Verweilen ein.  Foto: Draskovits, Katrin

Wer in Krautheim eine Innenstadt sucht, der sucht, zumindest noch, vergebens. Die Hauptverkehrsstraße ist gleichzeitig die Haupteinkaufsstraße. Auf beiden Seiten parken Autos, dazwischen schlängeln sich Laster - die Straße queren ist nicht immer leicht. Laufkundschaft gibt es trotzdem selten. Momentan, in den Ferien, ist die Stadt wie ausgestorben. Deshalb ist es seit einigen Jahren das ausgerufene Ziel von Verwaltung und Gemeinderat, der Stadt ein neues Gesicht zu geben.

Läden gibt es gar nicht so wenige - doch manche haben in der Urlaubszeit geschlossen

Martha Weißler steht vor dem verdunkelten Schaufenster des örtlichen Schuhhauses in Krautheim. "Ich wollte hier eigentlich mal Barfußschuhe anprobieren", sagt die 41-Jährige. Da wird sie heute kein Glück haben: Noch bis Anfang September sind hier Betriebsferien. "Ich bin eigentlich nicht oft in Krautheim", sagt Weißler. Sie kommt aus Assamstadt und arbeitet in Künzelsau, dabei fährt sie häufig durch die Götzstadt durch. Anhalten tut sie hingegen selten. "Wenn ich was brauche, hole ich das eher in Bad Mergentheim oder gleich nach der Arbeit in Künzelsau", erklärt sie. Dabei sind die Einkaufsmöglichkeiten für die kleine Jagsttalstadt gar nicht übel: Mehrere Lebensmittelläden, ein Schuhhaus, ein Outdoor-Laden, ein Uhrengeschäft und auch ein kleiner Schreibwarenladen lassen sich hier in nächster Nähe finden.

Einen Platz zum gemütlich Sitzen gibt es nicht

Das bemängelt auch Alexander Orth. Der 43-jährige lebt in Krautheim. Er ist Werkstattrat in der Krautheimer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Gut findet Orth, dass es noch eine Apotheke gibt "und wenigstens einen Allgemeinarzt". Keine Selbstverständlichkeit in den heutigen Zeiten, ist er überzeugt. "Aber mir fehlt ein Platz zum gemütlich Kaffeetrinken", sagt er. Vor allem an Wochenenden und Feiertagen sei das ein Problem. "Früher gab es hier noch Heidis Station", erklärt er. "Da war immer viel los." Vor allem Radfahrer hätten dort im alten Bahnhofsgebäude Halt gemacht. "Aber seit die weg ist, ist hier gar nichts mehr los." Das würde schon das Stadtzentrum im Tal betreffen, er selbst lebt hingegen in Krautheim Berg, ist auf seinen Rollstuhl angewiesen. "Das Problem ist, dass es oben gar nichts gibt und man ohne Auto hier nirgends hinkommt." Gerade deshalb vermisst er Freizeitmöglichkeiten.

 


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Vor allem für junge Menschen ist wenig geboten

Ein ganz ähnliches Problem plagt die 15-jährige Kathrin, die gerade mit zwei Freundinnen auf den Bus am Bahnhof wartet. "Es wäre ja wirklich schön, wenn wir eine Eisdiele hätten oder etwas, wo man mal einen Kaffee trinken kann draußen", sagt sie. "Von einer Bar oder einem Club mal ganz abgesehen", wirft ihre 16-jährige Freundin von hinten ein. "Wenn junge Menschen hier etwas machen wollen, müssen sie immer weit fahren - und das gibt der Busverkehr hier ja überhaupt nicht her", erklärt Kathrin.

Verwaltung unternimmt erste Schritte hin zu einer lebendigeren Stadt

Genau das möchten Verwaltung und Gemeinderat seit einigen Jahren ändern. Der Abriss des ZG-Gebäudes oder des Gasthaus "Zum Ross" waren die ersten Schritte zu einer lebendigeren Stadt. Auf dem ehemaligen ZG-Areal sollen Wohnungen und im besten Fall ein Verbrauchermarkt entstehen. Auch Parkplätze soll es geben. In den Gemeinderatssitzungen gab es zudem immer wieder den vehementen Wunsch nach einem Drogeriemarkt. Nur: Es ließ sich keiner finden, der sich ansiedeln möchte.

 


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Über den fehlenden Drogeriemarkt beschwert sich keiner der Befragten

"Das ist ja wohl kein Problem. Die meisten Sachen bekomme ich im kleinen Edeka oder im Lidl. Ansonsten fährt man halt nach Dörzbach", erklärt Manuela Schierer, die gerade in ihr Auto steigt. "Wichtig wäre ein Bistro und ein Platz mit Außengastronomie", meint die 47-Jährige. "Schauen wir mal, ob der neue Bürgermeister das schafft." Denn: Die Entstehung einer Stadtmitte war eines der Herzensprojekte von Andreas Köhler. Der Bügermeister gab Mitte des Jahres sein Amt aus gesundheitlichen Gründen ab. Nun ist Andreas Insam am Zug, Krautheim eine lebenswerte Innenstadt zu geben.

 


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