Heimat vor der Haustür entdecken auf dem Hohenloher Bauernlehrpfad
Der Hohenloher Bauernlehrpfad nördlich von Forchtenberg bietet Informationen zur Landwirtschaft auf elf Kilometern. Und wer will, kann einen erfrischenden Abstecher zu den Tiroler Seen machen.

Die Landwirtschaft spielt im Hohenlohekreis bis heute eine wichtige Rolle: Der Kreis ist nach wie vor stark ländlich geprägt und mit 140 Einwohnern pro Quadratkilometer liegt die Bevölkerungsdichte weitaus niedriger als im Landesdurchschnitt. Wer wissen möchte, wie sich die Landwirtschaft zwischen Kocher und Jagst im Laufe der vergangenen Jahrzehnte entwickelt hat und welchen Beitrag heimische Landwirtschaftsbetriebe zur Ernährungssicherheit leisten, der findet in Forchtenberg darauf Antworten.
Bei der Bushaltestelle an der Kocherbrücke startet der abwechslungsreiche Hohenloher Bauernlehrpfad, der auf einer Länge von elf Kilometern einen spannenden Einblick in die Aufgabenbereiche der heimischen Landwirtschaft gibt. Der Hohenloher Bauernlehrpfad ist eine Initiative des Bezirksarbeitskreises des Evangelischen Bauernwerks im Dekanat Öhringen in Kooperation mit den Landwirtsfamilien aus Muthof, Schleierhof und Büschelhof, dem Kreisbauernverband Hohenlohe und dem Landwirtschaftsamt Öhringen.
Zu Beginn geht es erstmal steil hinauf

Mit dem Bauernlehrpfad, der über idyllische Weiler auf der Hochfläche zwischen Kocher- und Jagsttal über die Tiroler Seen wieder zurück nach Forchtenberg führt, verfolgen die Macher zwei Ziele: das Interesse bei Klein und Groß an der Landwirtschaft wecken und Lust auf einen abwechslungsreichen Wanderweg erzeugen. Mehr als 25 Schautafeln warten am Wegesrand auf ihre Entdeckung.
Der Hohenloher Bauernlehrpfad startet mit einem sportlichen Anstieg. Von Neu-Wülfingen geht es durch den Wald steil nach oben in Richtung Muthof. Auf den ersten Schautafeln erfahren Wandergruppen und Fahrradausflügler mehr über die Flächennutzung im Hohenlohekreis. Mit 44 284 Hektar im Jahr 2012 ist der Anteil der Landwirtschaft seit 1989 (48 211 Hektar) nur in geringem Maße zurückgegangen. Auf einer anderen Informationstafel lässt sich ablesen, dass der Obstbau im Süden des Landkreises eine wichtige Rolle spielt, während im Jagsttal zwischen Dörzbach und Krautheim der Weinanbau stark vertreten ist.
Spektakuläre Ausblicke belohnen für den Aufstieg

Am Waldrand angelangt, bietet sich beim Grillplatz eine kurze Trinkpause an. Hier gibt es auch einen spektakulären Blick auf die Altstadt von Forchtenberg. In Muthof gibt es gleich mehrere Schautafeln zu entdecken. Im Hofladen freut sich Ulrich Möhler vom Geflügelhof immer über Wandergruppen, die auf dem Hohenloher Bauernlehrpfad unterwegs sind. "Der Bauernlehrpfad bringt uns immer mal wieder Zulauf", bestätigt er. Eine weitere Schautafel in Muthof informiert über Rindermast: Es ist beeindruckend, dass ein Kalb in nur 18 bis 24 Monaten zu einem Schlachtbullen von rund zwölf Zentnern heranwächst. Die männlichen Rinder brauchen für ein kräftiges Wachstum vor allem Wiesengras und die Maispflanze. Beim Blick von der Dorfstraße durch ein Fenster in den Kuhstall fällt gleich das muntere Vogelgezwitscher auf: Hier dürfen die seltener gewordenen Rauchschwalben noch wie früher mit Lehm ihre halboffenen Nester an die Stallwand bauen. Der Hohenloher Bauernlehrpfad bietet nicht nur eine gute Möglichkeit, um die heimische Landwirtschaft zu erkunden. Auch Architekturfans und Hobbyhistoriker kommen auf ihre Kosten. Am Wegesrand sind steinerne Wegkreuze mit biblischen Motiven ein Fotomotiv. In Büschelhof sind die stattlichen Fachwerkhäuser ein optischer Blickfang.
Zum Ende der abwechslungsreichen Erkundungstour wird es noch einmal nachdenklich
Auf der vorletzten Schautafel wird aufgezeigt, warum auch die heimische Landwirtschaft vor großen Herausforderungen steht. Neben der Abwanderung von Arbeitskräften aus der Landwirtschaft in die Industrie und den Dienstleistungssektor machen den Landwirtschaftsbetrieben in Hohenlohe zusätzlich die eher ertragsschwachen Böden in schwer zu bewirtschaftenden Hanglagen zu schaffen. Auch dass immer mehr der Nachwuchs fehlt, der Feldgehölze und Streuobstwiesen in der nächsten Generation bewirtschaften und pflegen möchte, macht sich nachteilig bemerkbar.
Stimme.de
Kommentare