Im Hohenlohekreis droht sprunghafte Verbreitung der Corona-Mutation
Die Infektionszahlen im Hohenlohekreis sind binnen wenigen Tagen drastisch in die Höhe geschnellt. Grund sind mehrere Infektionsherde - und dazu kommt die in bereits mehreren Fällen nachgewiesene britische Mutation. Die Behörden sind alarmiert. Wir zeigen, womit nun zu rechnen ist.
Ganz langsam, aber stetig gingen die Zahlen runter. Bis zu einem Inzidenz-Wert von 28,4. Das war erst am 29. Januar. Dann jedoch ging alles ganz schnell: Mehrere Cluster-Infektionsgeschehen sorgten dafür, dass die Infektionszahlen wieder in drastische Höhen schnellten. Der Verdacht kam angesichts des explosiven epidemiologischen Geschehens rasch auf: Sorgte womöglich eine der neuen und ansteckenderen Virus-Mutanten für die sprunghafte Verbreitung der Infektionen?
Virusvariante erstmals im Kreis nachgewiesen
Nun ist klar: Die hochansteckende britische Mutation B.1.1.7 ist für das extrem dynamische jüngste Infektionsgeschehen mitverantwortlich: Denn im Würth-Logistikzentrum in Künzelsau-Gaisbach hat es Ende vergangener Woche ein Superspreading-Event gegeben. Nachdem das Landratsamt bislang den Namen des betroffenen Unternehmens nicht nennen wollte, hat Würth-Konzern-Sprecherin Sigrid Schneider der HZ am Montagabend auf Nachfrage bestätigt, dass es in dem Logistikzentrum in Gaisbach zur Infektion von 43 Mitarbeitern gekommen ist.
Und: Bei mindestens drei der Infizierten wurde bereits die hochansteckende britische Virus-Variante B.1.1.7 nachgewiesen. Man habe "sofort weitgreifende Maßnahmen eingeleitet", berichtet Schneider: Inzwischen seien alle der rund 1000 Mitarbeiter der Logistik mit Schnelltests getestet worden. "Bei positivem Testergebnis wurde umgehend ein PCR-Test durchgeführt."
Behörden in Alarmstimmung
Im Landratsamt rechnet man damit, dass es in der kommenden Woche noch weitere mit dem Cluster verknüpfte Corona-Fälle und auch Nachweise der britischen Mutante geben wird - wenngleich am Montagabend zunächst nur drei Neuinfektionen vom Landesgesundheitsamt gemeldet wurden. "Die Fallzahlen werden im Laufe der Woche noch massiv ansteigen. Von den 78 K1-Personen in dem Unternehmen sind 19 schon positiv getestet: Das ist eine Quote, die wir so nicht kennen", zeigt sich Landrat Matthias Neth besorgt. "Die Personen, die positiv sind, zeigen auch zu einem großen Teil Symptome, das gilt auch für die Kinder aus der Öhringer Kita."
Weitere Infektionsherde im Hohenlohekreis
Es gibt gegenwärtig gleich mehrere Infektionsherde im Kreis, die die Behörden beschäftigen: Nach einem Ausbruch mit derzeit 14 Infizierten ist die Notgruppe im Öhringer Kindergarten Röntgenstraße in Quarantäne. Auch Familienangehörige haben sich angesteckt. Hier wird ebenfalls noch weiter auf Mutationen untersucht.
Details sind auch zu der illegalen Veranstaltung im Raum Zweiflingen bekannt geworden: Es handelte sich um eine Geburtstagsfeier mit zehn Gästen. Daraus resultieren bislang sechs positive Fälle. Der Verstoß gegen die Corona-Regeln werde empfindlich geahndet: Den Veranstalter erwarte ein Bußgeld von bis zu 1000 Euro, berichtet Landkreis-Sprecher Sascha Sprenger. Auch die Teilnehmer müssten mit Strafen rechnen.
Und das ist noch nicht alles: Denn laut Mitteilung des Landratsamts gab es am Wochenende überdies Neuinfektionen in einer weiteren Kinderbetreuungseinrichtung, in einem Pflegeheim im Kochertal sowie an der Künzelsauer Karoline-Breitinger-Schule: "In allen Fällen wurden die Betroffenen isoliert sowie die Kontaktpersonen in Quarantäne versetzt", berichtet Sprenger.
Dass es weiterhin im Kreis auch zu schweren Verläufen von Covid-19 kommt, zeigt die Tatsache, dass am Montag drei weitere Todesfälle in Verbindung mit dem Virus mitgeteilt wurden. Damit liegt die Zahl der Verstorbenen mit 101 erstmals im dreistelligen Bereich. Die Sieben Tage-Inzidenz rangiert nun bei 130,5.
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