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Hohenlohe

Trotz Mehrwertsteuer-Schock – Gaststätten in Hohenlohe an Ostern ausgebucht

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Trotz Mehrwertsteuer-Erhöhung vor drei Monaten und immer weiter steigender Kosten in der Küche sind die Gaststätten in Hohenlohe zu Ostern gerammelt voll. Über weniger Gäste klagt keiner – früher lag allenfalls mehr Lamm auf dem Teller.

Ein seltenes Exemplar seiner Art? Nein, sagt Maximilian Payerle von der Wiesenkelter, der dieses Lamm gekocht hat: Von diesem Tier kämen bei ihm an Ostern einige auf den Tisch. Andere Wirte und Metzger machen gegenteilige Erfahrungen.
Foto: Büchele
Ein seltenes Exemplar seiner Art? Nein, sagt Maximilian Payerle von der Wiesenkelter, der dieses Lamm gekocht hat: Von diesem Tier kämen bei ihm an Ostern einige auf den Tisch. Andere Wirte und Metzger machen gegenteilige Erfahrungen. Foto: Büchele  Foto: Büchele, Torsten

Ostern ist das Fest der Wiederauferstehung - das in diesem Jahr nicht nur Christen, sondern auch die Gastronomen feiern. Hatten Bedenkenträger nach der Wiedererhöhung der Mehrwertsteuer auf den Gaststättenbesuch zu Jahresbeginn und immer weiter steigenden Kosten bereits den schleichenden Tod der Branche vorhergesagt, so zeigt sich am ersten großen Fest des Jahres: Die Speiselokale sind voll, aller nötigen Preiserhöhungen zum Trotz.

Kein Fleisch an Karfreitag servieren? Das kann sich ein Gastwirt nicht leisten

Sonntag ausgebucht und am Montag "wird es auch darauf hinauslaufen", überschlägt Walter Blattau, Inhaber des gutbürgerlichen Gasthofs zur Post in Schöntal vor den Feiertagen: "Wir können überhaupt nicht jammern." Das Ostergeschäft sei bei ihm genauso stark wie Weihnachten. Der Ruhetag wird auf Dienstag verschoben. An Karfreitag, wo die Gästezahl etwa halb so groß, aber doch auskömmlich sei, gibt es eine Fischkarte, etwa im Verhältnis 50 zu 50 verlangten die Gäste an diesem Tag nach Fleisch und Fisch. An Karfreitag kein Fleisch zu servieren, das kann sich nicht einmal ein Gasthof im Zentrum des katholischen Glaubens in Hohenlohe leisten: "Es kommen auch Familien und Leute, die das nicht so traditionell katholisch sehen."

An Ostern steht dann Lamm auf der Karte - das junge Schaf symbolisiert das Opfer Jesu, mit dem er die Sünden der Menschen mit ans Kreuz nahm. In der "Post" wird es in Form von Hüftsteak mit gratinierten Kartoffeln und Bohnen angeboten. "Es ist aber nicht so, dass es das Highlight ist", schränkt Blattau ein. Schon, weil es teurer ist. Die Gerichte der Karte gehen genauso gut: Vor allem Klosterpfännle, Schweinmedaillons, Rostbraten und Rehbraten.


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Bei Mehrkosten murren die Gäste in der gutbürgerlichen Küche nicht - höchstens auf den Staat

Zur Mehrwertsteuer sagt Blattau: "Das merkt man bei Reservierungen an Feiertagen nicht." Überhaupt gebe es seit Jahresbeginn keinen großen Rückgang und auch "kein großes Murren": Die Gäste wüssten, dass sich nicht der Gastronom den Aufpreis in die Tasche stecke, sondern der Staat. Die Auswirkungen seien "minimal". Da aber ein Großteil des Betriebsurlaubs im Februar liegt, seien die Zahlen nicht belastbar. Über Personalprobleme klagt Blattau nicht: Im Sommer sei zusätzlich der Biergarten geöffnet, "von daher sind wir ein hohes Pensum gewöhnt". In Höchstbesetzung seien Festtage kein Problem.

Doch wie war das: Das klassische Osterlamm wird gar nicht mehr so gefragt? War früher mehr Lamm? Ja, sagt der Öhringer Metzger Jürgen Hübner. Bei seinen Kunden, die ihre Festtagsessen selbst zubereiten, stellt er fest: "Lamm ist nicht mehr viel. Das war früher mehr." Der Ladenbesitzer vergleicht das Ostergeschäft aber auch nicht mit Weihnachten: "Klar kaufen die Leute für mehrere Tage ein. Aber viele sind auch verreist", während man Weihnachten eher daheim feiere.

In der gehobenen bürgerlichen Küche will der Gast etwas nicht Alltägliches serviert bekommen

Eine andere Sicht hat Maximilian Payerle, Inhaber der Wiesenkelter in Verrenberg. In der gehobenen Gastro scheint man das Lamm noch verbreiteter auf Tellern zu finden: "Das ist noch etwas Besonderes, das gibt es nur jetzt", während viele Gerichte heute ganzjährig angeboten würden, selbst Wild, das früher ein Festtagsessen war. Bei ihm gibt es das Ostertier im Vier-Gänge-Menü, ähnlich zubereitet wie beim Schöntaler Kollegen, alternativ eine Spargelkarte. Sonntag ist ausgebucht, "das ist wie jedes Jahr konstant". Da ändert die Mehrwertsteuer nichts - mit Einschränkungen: "Feiertags spürt man das nicht, unter der Woche schon. Anfang des Jahres war erstmal Flaute", gibt Payerle zu. Das sei nach Weihnachten aber oft so.

Maximilian Payerle von der Wiesenkelter in Verrenberg bei Öhringen präsentiert sein Lammgericht zu Ostersonntag
Maximilian Payerle von der Wiesenkelter in Verrenberg bei Öhringen präsentiert sein Lammgericht zu Ostersonntag  Foto: Torsten Büchele

Doch die Kräfte der Beschäftigten haben Grenzen: Die Wiesenkelter macht an Ostermontag zu, denn zu viel kann Payerle dem Personal nicht zumuten. Er ist froh, dass Bekannte bei ihm aushelfen, so dass Personalmangel kein Thema sei. Dafür ist an den Tagen vorher volles Programm: An Karfreitag gibt es Forelle Müllerin Art, an Gründonnerstag Rahmspinat mit Spiegelei und Salzkartoffeln: "Das ist Tradition an diesem Tag, das machen nur noch die wenigsten." Die ältere Generation käme extra deswegen zu ihm.


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Nach dem Mittagessen ins Café: Da brummt der Laden förmlich

Sonntagnachmittag ist die Öhringer Innenstadt gut besucht, aber nicht übermäßig gefüllt. Die Schlangen vor den Eiscafés sind da, aber eher kürzer. Im Café am Markt herrscht hingegen Rummel. Inhaberin Gisela Steegmaier backt eine Torte nach der nächsten. "Wir sind das einzige richtige Café, dass es hier noch gibt", erklärt sie - also mit eigener Konditorei samt Fachpersonal. Frühstück, Mittagstisch, Kaffeezeit: An Feiertagen hat Steegmaier keine freie Minute. "Gestern hätte man hier nicht umfallen können", bemerkt sie zur Gästezahl an Karsamstag. Viele hätten den einzigen Tag des langen Wochenendes, an dem Geschäfte geöffnet waren, zum Shoppen genutzt. Sieben Tage die Woche geöffnet, das heißt: Morgen wird sie wieder früh aufstehen - wiederauferstehen braucht ihr Geschäft gar nicht, so wie es brummt.

 

 

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