Erster Spargel aus der Region erhältlich – Wie das Gemüse schmeckt und was es kostet
Verbraucher können sich auf ein Osterfest mit heimischem Spargel freuen. Welche Preise Liebhaber des königlichen Gemüses zahlen müssen und wie die Qualität beurteilt wird.

Nach dem vielen Regen im Frühjahr drohte die Spargelsaison schon ins Wasser zu fallen. Doch Anfang März gab der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) Entwarnung. Und wie erhofft können die begehrten Stangen zum Ostermahl serviert werden.
Auch im Kraichgau wird seit einigen Tagen der erste Spargel gestochen. Geschmacklich kann das königliche Gemüse jetzt schon punkten. Für die Anbauer sind die Kostensteigerungen in der arbeitsintensiven Produktion allerdings auch in dieser Saison eine Bürde. Deshalb ist die Anbaufläche zuletzt auch in Baden-Württemberg geschrumpft. Dabei hat das Gemüse durchaus Zukunftspotenzial.
Katarzyna Kusyk geht mit dem Spargelstecher den Damm entlang. Mit geübtem Blick erkennt die polnische Erntehelferin, wo eine Stange ihr Köpfchen aus der Erde reckt. Dann setzt sie das Werkzeug eine Handbreit neben dem Spargel an und fährt etwa 20 Zentimeter in die Tiefe, bis sie einen Widerstand spürt: den Schaft des Spargels. Mit einem kontrollierten Stoß trennt sie die Sprosse unterirdisch ab. Nun kann die Stange behutsam aus dem Damm gezogen werden. Dann kommt der nächste Spargel dran.
Warum die Agrarmarkt-Informationsgesellschaft den Spargelpreis nur schätzen kann

Bei Kraichgau-Spargel in Ittlingen sind die ersten Stangen in der Woche vor Ostern aus der Krume geborgen worden. Am Samstag vor Ostern war der offizielle Verkaufsstart im Hofladen. Der Verkaufspreis liegt laut Inhaber Reiner Keller auf dem Niveau des Vorjahres. Zwischen fünf Euro pro Kilo für Bruchspargel und 19 Euro für erstklassige Stangen hat der Landwirt als Abgabepreis einkalkuliert. Er hofft, die abermals gestiegenen Produktionskosten zumindest teilweise abfangen zu können.
Die Agrarmarkt-Informationsgesellschaft in Bonn kann den aktuellen Einstiegspreis für Spargel nur schätzen, so Marktanalyst Claudio Gläßer. Im Vorjahr sei der Spargel mit 11,40 Euro pro Kilo in die Saison gestartet. In dem Kundenendpreis sind allerdings alle Sortierungen, bis hin zum Bruchspargel, enthalten. Dieser ist in den Hofläden gelegentlich schon ab drei Euro erhältlich.
Zwar hat es extreme Kostensprünge, wie bei der Anhebung des Mindestlohns im Jahr 2022 von 9,82 Euro auf 12 Euro nicht gegeben. Auch eine Preisexplosion bei Energie und Düngemitteln, wie nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine, blieb den Bauern erspart. Der allgemeine Kostendruck ist jedoch hoch. Auch, weil der Mindestlohn zu Beginn des Jahres abermals angehoben wurde: auf 12,41 Euro. Spargelanbau ist arbeitsintensiv, besonders während der Ernte.
Warum der Frost im Januar dem Spargel gut getan hat

In Ittlingen hat Keller bereits Helfer aus Polen, Kolumbien und Spanien, vier an der Zahl, empfangen, weitere werden nach Ostern erwartet: Drei weitere stoßen in dieser Woche hinzu. Zur Hochzeit der Ernte im Mai werden insgesamt zehn Helfer auf dem Hof arbeiten. Sie sind in zweckmäßigen Wohncontainern untergebracht.
Auf welche Qualität können sich die Spargelfans freuen? "Schmackhaft und würzig aufgrund unserer relativ schweren Lehm-Löss-Böden", beurteilt Landwirt Keller die eigene Ware. Der Spargel habe Anfang-Mitte Januar eine optimal dosierte Frostperiode erfahren. Das habe für eine gute Bodengare gesorgt und die Ausbildung der Stangen begünstigt. Seit einigen Tagen bekommt der Spargel auch manch sonnige Momente ab, die für die nötige Temperatur in den Dämmen sorgen.
Noch ist Spargel aus Deutschland gut verfügbar, die Eigenversorgungsquote beträgt laut dem Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer 83 Prozent. In Zukunft könnte es enger werden: Landes- und bundesweit reagieren die Spargelanbauer auf die gestiegenen Produktionskosten, indem sie ihre weniger produktiven Altbestände reduzieren. So ist die Anbaufläche in Baden-Württemberg gegenüber dem Vorjahr um zehn Prozent zurückgegangen. Einige Betriebe haben den Anbau eingestellt. So gibt es acht Prozent weniger Produzenten als im Vorjahr, wie Verbandssprecher Simon Schumacher mitteilt. Aktuell wird Spargel in Baden-Württemberg auf einer Fläche von 1944 Hektar geerntet. 281 Hektar Junganlagen sind entstanden, 21 Prozent weniger, als ein Jahr davor.
Wo sich Kunden über bäuerliche Bezugsquellen vor ihrer Haustüre erkundigen können
Trotz des Rückgangs im Anbau: Spargel ist ein Gemüse mit Zukunft. Dank seiner bis zu zwei Meter tief in die Erde reichenden Speicherwurzel kann die Pflanze auch in trockenen und warmen Zeiten noch wachsen und gedeihen.
Wer sich über sichere Bezugsquellen regionaler Landwirtschaftserzeugnisse erkundigen mag, kann dies bequem von Zuhause aus tun: Die Handy-App "Natürlich. Von Daheim" erkennt den eigenen Standort, sofern die dafür erforderliche Ortungsfunktion im Handy nicht deaktiviert ist. Die Anwendung zeigt Hofläden, Landgasthöfe und ländliche Veranstaltungsorte an. Die Kampagne wird vom baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium unterstützt.



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