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Exotisches Gemüse gibt es in Hohenlohe auch regional

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Auf dem Biohof Bühl in Löschenhirschbach gibt es nicht nur heimische Feldfrüchte, sondern auch Süßkartoffeln, Yakón und Melonen. Die Betreiberfamilie hat den Umstieg auf Bio nicht bereut.

Von Andreas Scholz
Hochbetrieb herrscht im Sommer auf dem Süßkartoffelacker der Familie Bühl in Löschenhirschbach. Seit dem Jahr 2015 baut der landwirtschaftliche Betrieb das Windengewächs an, bei dem Knollen und Blätter essbar sind.
Foto: privat
Hochbetrieb herrscht im Sommer auf dem Süßkartoffelacker der Familie Bühl in Löschenhirschbach. Seit dem Jahr 2015 baut der landwirtschaftliche Betrieb das Windengewächs an, bei dem Knollen und Blätter essbar sind. Foto: privat  Foto: Familie Bühl

Die Stille an einem wolkigen Februartag in dem versteckten Neuensteiner Weiler Löschenhirschbach trügt: Auch im zeitigen Frühjahr gibt es auf dem Biohof Bühl viel zu tun. So bereiten Jürgen Bühl und seine Frau Gabriele wie so oft in den vergangenen Monaten wieder Süßkartoffeln für den Weitertransport zu den Auslieferungsstellen im Umkreis von 50 Kilometern vor. "Süßkartoffeln halten länger als die klassischen Speisekartoffeln und können bis zur nächsten Ernte gelagert werden. Das ist ein großer Vorteil", erklärt Jürgen Bühl.

 


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Die nächste Generation steht in den Startlöchern

Er setzt sich für eine kurze Kaffeepause mit seiner Frau an den Esstisch. Jürgen Bühl hat einst den Hof in der 14. Generation von seinen Eltern übernommen. Die Tür geht auf und Sohn Kai setzt sich zu seinen Eltern. "Die 15. Generation steht quasi auch schon in den Startlöchern", scherzt der Biolandwirt. Sohn Kai kann sich durchaus vorstellen, den Hof später zu übernehmen. Im Moment besucht der 16-jährige mit der Richard-von-Weizsäcker-Schule das Agrarwissenschaftliche Gymnasium im nahen Öhringen. Wenn die Zeit es zulässt, dann packt Kai auf dem elterlichen Hof auch schon jetzt mit an.

Der Schüler begrüßt den Weg, den seine Eltern in den vergangenen Jahren eingeschlagen haben: 2017 sind die Bühls beim Biokreis eingestiegen, einem ökologischen Verband, der seit 1979 existiert und sich für die bäuerliche Landwirtschaft stark macht und neben dem Tierwohl auch auf regionale Vermarktung setzt. "Ich halte nichts von Flugware und langen Transportwegen", betont Jürgen Bühl.

 


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Zu viele importiere EU-Erzeugnisse

Im Biobereich gebe es leider nach wie vor zu viel importierte EU-Erzeugnisse, die als Ramsch-Ware in den Discountertheken lande. Deshalb hätten sich die Bühls bewusst mit Biokreis für eine hohe Verbandsstufe im Ökolandbau entschieden, der den regionalen Anbau und die regionale Vermarktung in den Fokus rücke. "Im konventionellen Landbau müssen die Landwirte auch mit vielen Zertifizierungsverfahren kämpfen und sich immer größer aufstellen. Trotzdem bekommen sie für ihr Obst und Gemüse oft nur einen Spottpreis."

Die Bühls sind mit ihrer aktuellen Situation zufrieden, wie Jürgen Bühl bestätigt. "Wir liefern unsere Erzeugnisse ausschließlich an inhabergeführte Lebensmittelhändler im Umkreis von 50 Kilometern, die auf eine konsumbewusste und qualitätsorientierte Kundschaft setzt." Regelmäßig beliefert der Biohof Bühl beispielsweise den Biomarkt Geist in Öhringen, den Naturkostladen Biotop in Crailsheim oder die Ökokiste von Familie Engelhardt in Untermünkheim. "Seit Weihnachten 2021 beliefern wir auch den Raiffeisen-Markt der BAG Hohenlohe beim Haller Bahnhof", freut sich Gabriele Bühl.

Jeder ist auf dem Biohof in Löschenhirschbach willkommen

Es dürfe aber auch jeder auf dem Biohof in Löschenhirschbach klingeln und die landwirtschaftlichen Erzeugnisse direkt abholen. Die Bühls haben es bisher nicht bereut, dass sie von der konventionellen Landwirtschaft mit Ferkelzucht, Schweinemast und Zuckerrübenanbau im Laufe der Jahre auf ökologische Landwirtschaft und andere Gemüse- und Obstsorten umgestiegen sind: Mittlerweile erweitern Dinkel, Emmer, Kleegras, Kürbis, Lauch, Soja, Speisekartoffeln, Zucchini, Zuckermais, aber auch Wasser- und Zuckermelonen das hofeigene Anbausortiment. "Wir profitieren in Löschenhirschbach von den tiefgründigen Lößlehmböden. Klimatisch ist der Anbau der Süßkartoffeln, die ihren Ursprung in den Anden haben, bei uns in der Region kein Problem", so Jürgen Bühl.

2015 pflanzten die Bühls zum ersten Mal auf ihren Flächen die Süßkartoffelpflanze ein, die zur Familie der Windengewächse zählt. "Nicht nur die Knollen sind essbar, sondern auch die efeuähnlichen Blätter", weiß Gabriele Bühl. "Bei uns zu Hause gibt es häufiger Süßkartoffelgerichte auf dem Tisch", ergänzt Sohn Kai.

Die Süßkartoffeln ernten die Bühls mithilfe von Saisonarbeitskräften. Eigentlich sei die Ernte bei den Süßkartoffeln in den vergangenen Jahren trotz des Klimawandels immer gut ausgefallen. "Wir setzen auf eine effektive Tröpfchenbewässerung. Eventuell arbeiten wir ab dem nächsten Jahr für einen noch besseren Schutz der Pflanzen mit einem Folientunnel", erklärt Jürgen Bühl.

Exotisches Gemüse aus der Region

Nicht nur mit den Süßkartoffeln setzen die Bühls auf ein exotisch anmutendes Gemüse, das in Hohenlohe bisher noch wenig angebaut wird. Neben der Süßkartoffel, die in der Küche vielseitig für Auflaufgerichte oder Suppen einsetzbar und auch als Batate bekannt ist, werden auf dem Biohof Bühl ebenfalls Wasser- und Zuckermelonen angebaut. "Mit den Melonen hat es bisher gut funktioniert, aber zu niedrige Temperaturen mögen sie nicht." Mit Yacón setzt die Landwirtschaftsfamilie zusätzlich auf ein Wurzelgemüse, das sich in Südamerika seit Jahrhunderten großer Beliebtheit erfreut. "Yacón ist ein anpassungsfähiges Wurzelgemüse, das reich an Insulin ist und daher auch für Diabetiker besonders empfehlenswert ist." Die Wurzeln der Andenknolle können roh gegessen, gekocht oder gebraten werden. "Die Wurzeln schmecken nach Birne", so Jürgen Bühl. "Es ist für uns jedes Jahr ein Erlebnis, wenn der Yacón blüht. Das sieht wie kleine Sonnenblumen aus".

 
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