Dörrenzimmern sagt "Nowet"
Der 777. Jahrestag der urkundlichen Ersterwähnung des Ingelfinger Teilorts wird am 14. und 15. Mai ein ganzes Wochenende lang gefeiert. Die Veranstalter planen ein buntes Programm.

Eigentlich hatte man in Dörrenzimmern sogar schon mal eine 800-Jahr-Feier geplant. 2014 war das. Aber dann war die zunächst angenommene Jahreszahl der urkundlichen Ersterwähnung "nicht haltbar", wie Karl Käpplinger, Vorsitzender des Gesangvereins, beim Treffen mit dem Organisationsteam fürs anstehende Jubiläum erzählt. Das habe auch das Kreisarchiv so gesehen. Zwar sei "Dörrenzimmern schon älter" - nämlich wohl schon im siebten oder achten Jahrhundert gegründet -, nachweislich urkundlich erwähnt wird es aber erst 1245. Da verkaufte Konrad von Krautheim seinem Bruder Wolfrad verschiedene Besitzungen, darunter den Zehnten aus "Cimbrin et villis adiecentibus" - also aus Zimmern und den umliegenden Ortschaften. "Düren Zimmern" heißt der Ort erstmals 1451.
Doppelt flexibel
Im heutigen Dörrenzimmern zeigte man sich flexibel, und das gleich mehrfach: Erst liefen die Planungen für eine 775-Jahr-Feier an, auch daraus wurde dann aber nichts. "Am gleichen Sonntag war Konfirmation", blickt Pfarrerin Sabine Focken zurück. Und, da sind sich die Organisatoren einig, man sei auch recht spät mit den Planungen dran gewesen. Also wurde aus der 775- eine 777-Jahr-Feier, die jetzt am Samstag, 14., und Sonntag, 15. Mai, über die Bühne gehen soll. "Das ist etwas Außergewöhnliches, das so keiner feiert", sagt der stellvertretende Ortsvorsteher Thomas Stumpf über die Schnapszahl.
Lange in der Schwebe

Die Vorbereitungen laufen seit stolzen drei Jahren. "Im Herbst 2019 sind wir das erste Mal zusammengesessen", erklärt Stumpf. Durch die Corona-Pandemie war man lange "in der Schwebe, das war anstrengend", wie Käpplinger sagt. Und erst Anfang März habe man endgültig entschieden, "dass wir etwas machen". Das Gute an der Umplanung: "Wir mussten das Fest nicht absagen", so die Pfarrerin. "Jetzt freuen wir uns darauf", ergänzt Gisela Gossert, Vorsitzende der Landfrauen.
Besuch von auswärts
Fast 100 Helfer aus dem 450-Einwohner-Dorf werden über das Wochenende im Einsatz sein, um die Gäste zu bewirten. Dabei rechnen die Organisatoren auch mit Zuspruch von außerhalb. Auf 300 Besucher wäre man vorbereitet, "es dürfen auch 500 werden", sagt Käpplinger. Natürlich hofft man auf gutes Wetter, stellt aber sicherheitshalber auch ein Zelt auf den Festplatz an der Kirche. "Eine Woche lang wird wird aufgebaut", sagt Gerd Dörr, ebenso beim Gespräch dabei wie Michael Müller, der Abteilungskommandant der Feuerwehr. Das bunte Programm (siehe auch Kasten) beginnt am Samstag um 14 Uhr mit der Eröffnung der Bilderausstellungen in der Kirche und einem Ortsrundgang. Der ist etwa anderthalb Kilometer lang, es gibt ältere landwirtschaftliche Geräte zu sehen und die heimischen Gewerbetreibenden stellen sich vor. Auch eine Motorradausstellung und ein kleiner Jahrmarkt für Kinder samt Hüpfburg gehören dazu.
Fotoausstellung "Wir sind Dörrenzimmern"
Spannend werden die Ausstellungen. So wurden unter dem Motto "Wir sind Dörrenzimmern" mit viel Aufwand fast 300 Dorfbewohner fotografiert. Die Schwarz-Weiß-Bilder werden nun auf sieben großen Tafeln präsentiert. In einer zweiten Ausstellung sind historische Aufnahmen zu sehen, Ansichten des Dorfs, der Kirche, der Schule und einiges mehr.
Den Festakt wird der Gesangverein umrahmen, Grußworte sprechen Bürgermeister und Ortsvorsteher. Dann wird die Dorfchronik humorvoll von Sylvia Frank und Heide Strecker nachgespielt. Die beiden werden zudem am Sonntag in historischer Kleidung und mit dem Leiterwagen durchs Dorf laufen und ein Ortsquiz veranstalten. Dass sonntags in der Kirche ein Festgottesdienst stattfindet, freut Pfarrerin Focken ganz besonders: "Wir dürfen endlich wieder alle Plätze belegen." Mit Mittagstisch sowie Kaffee und Kuchen ist später auch fürs leibliche Wohl gesorgt, ebenso für Unterhaltungsmusik.
Neue Dorfeingangsschilder
Die Besucher von außerhalb werden dann vielleicht die neuen Dorfeingangsschilder bestaunen. Das darauf verewigte "Nowet" - hochdeutsch "guten Abend", hier aber auch als "herzlich willkommen" zu verstehen - ist ab 12 Uhr der typische Gruß im Ort, erfährt die HZ. Vorher sagt man "morgen". Den "Nowet"-Gruß wollte man unbedingt auf den Schildern hochhalten. "Damit das nicht verloren geht", sagt Käpplinger.
Hintergrund: Programm
Start ins Festwochenende ist am Samstag, 14. Mai, um 14 Uhr mit der Eröffnung des Ortsrundgangs, landwirtschaftlicher Ausstellung und Spielstraße. Der Festakt beginnt um 18 Uhr, ab 20 Uhr gibt es Unterhaltungsmusik mit dem "lustigen Rolf". Der Sonntag, 15. Mai, startet um 9.30 Uhr mit dem Festgottesdienst. Ab 11.30 Uhr wird der Mittagstisch angeboten, um 12.30 Uhr gibt es erneut den Ortsrundgang und ab 17 Uhr den musikalischen Ausklang mit Otto und Hubba.



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