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Den fleißigen Kippensammlern gingen schnell die Gefäße aus

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Tausende weggeworfener Kippen wurden am World Cleanup Day in Künzelsau aufgesammelt. Der Klimabeirat stellt seine Fundstücke am kommenden Freitag aus.

von Armin Rößler
Nachdem die mitgebrachten Flaschen viel zu schnell voll waren, wurde mit dem Eimer weitergesammelt.
Nachdem die mitgebrachten Flaschen viel zu schnell voll waren, wurde mit dem Eimer weitergesammelt.  Foto: Rößler, Armin

Es ist das sprichwörtliche Fass ohne Boden: "Wir haben unsere eigentliche Route gar nicht erreicht", sagt Ilse Demuth. Gemeinsam mit Anja Wanck wollte sie am World Cleanup Day das Kocherufer und die Wertwiesen von Zigarettenkippen befreien. Doch der Weg führte vom Rathaus, wo die Aktion des Künzelsauer Klimabeirats startete, lediglich bis zum Kino. "Dann hatten wir keine Gefäße mehr", sagt Anja Wanck. Und das, obwohl ihre Oma noch mit zwei Einmachgläsern ausgeholfen hatte. Die waren ebenso voll mit eingesammelten Kippen wie die mitgebrachten Plastikflaschen. Auch Angela von Reventlow ist nicht weit gekommen: "Von hier in die Konsul-Uebele-Straße bis zur Bushaltestelle, dann war die Flasche schon voll." Andrea Gudehus findet es "unglaublich, dass das so viel ist."

 


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Tausende weggeworfener Kippen

"In eine kleine Plastikflasche passen 250 Kippen", weiß Hannelore Gloger, die die Aktion ins Leben gerufen hat. Demzufolge haben neun Menschen in gerade mal eineinhalb Stunden viele tausend achtlos weggeworfene Kippen eingesammelt. Das Ergebnis wird am kommenden Freitag, 24. September, 9 bis 12.30 Uhr, an einem Infostand des Klimabeirats am Alten Rathaus ausgestellt. Hintergrund ist nicht nur, die Stadt ein Stück sauberer zu machen. Denn: Es dauere bis zu 15 Jahre, bis sich ein Filter zersetzt. In jeder Kippe sei ein Giftcocktail enthalten, der rasch ins Grundwasser wandert, und von dort in Flüsse, Meere und in die Nahrungskette. Und laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) verschmutzen jedes Jahr etwa 500 000 Tonnen Zigarettenkippen den Planeten. Deshalb gehörten Zigarettenkippen unbedingt in den Restmüll und nie auf den Boden, in die Natur oder gar in Gullys, denn dort geben sie ihre Giftstoffe sofort ins Wasser ab.

Am Bewusstsein arbeiten

Hannelore Gloger (li.) vom Klimabeirat und einige ihrer Helfer mit den vielen tausend Zigarettenkippen, die in kurzer Zeit gesammelt wurden.
Fotos: Armin Rößler
Hannelore Gloger (li.) vom Klimabeirat und einige ihrer Helfer mit den vielen tausend Zigarettenkippen, die in kurzer Zeit gesammelt wurden. Fotos: Armin Rößler  Foto: Rößler, Armin

Einig sind sich die fleißigen Sammler, dass viele Raucher beim Wegwerfen der Kippe eher gedankenlos handeln und gar nicht wissen, was sie anrichten. "Mein Ziel ist es nicht, jemanden zu bekehren, nicht mehr zu rauchen", sagt Hannelore Gloger, die auch seit einiger Zeit bei privaten Spaziergängen immer wieder Kippen einsammelt. Sie würde sich aber wünschen, "dass es ein No-Go wird, Zigaretten einfach wegzuschnippen". Deshalb verspreche sie sich auch etwas davon, die gesammelten Fundstücke am Infostand auszustellen. "Ich hoffe, dass viele verstehen, was sie anrichten und ihr Verhalten ändern." Ilse Demuth hat die Hoffnung, "dass sich einige Raucher Einmal-Aschenbecher zulegen und nicht mehr den Boden verdrecken". Gerade auf Parkplätzen habe man besonders viele Kippen gefunden. Und im Kopfsteinpflaster, wo auch die städtischen Reinigungsmaschinen nicht helfen.

 


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Viel positive Resonanz

Ihre Mitstreiter, ausgestattet mit Handschuhen und Pinzetten, hatten durchaus auch Spaß an der Aktion und berichten von positiven Rückmeldungen. "Ich habe einige Leute angesprochen, denen war das nicht bewusst", sagt zum Beispiel Cristina Stefan-Desaga. Die meisten hätten sich dann "total begeistert" von der Aktion gezeigt. "Viel positive Resonanz" hat auch Reinhardt Frense bekommen. Ihnen sei beim Sammeln sogar etwas zu trinken angeboten worden. Hannelore Gloger sagt aber auch: "Wir sind nicht die Putzpolizei. Wir wollen das jetzt nicht alle vier Wochen machen."

"Michelbach ist sauber"

Nicht nur in Künzelsau war man am World Cleanup Day aktiv, sondern beispielsweise auch im Öhringer Teilort Michelbach. Nachdem das Unternehmen ProWin, das unter anderem Reinigungsmittel vertreibt, dazu aufgerufen hatte, sich am Aktionstag zu beteiligen, um "das europaweit größte Sammlerteam" zu stellen , waren hier unter Federführung von Jana Sinn und Sabine Schweyer Teams aus Kunden und Freunden unterwegs. Die insgesamt zwölf Erwachsenen und 13 Kinder starteten am Parkplatz der Sporthalle. "Man muss sagen, Michelbach ist sauber, wir haben wenig Müll gefunden", erklärt Sabine Schweyer. Alle seien aber "mit viel Freude" dabei gewesen und hätten eifrig Müll gesammelt.

Weltaufräumtag

Der World Cleanup Day findet seit 2018 jeweils am dritten Samstag im September statt. In Deutschland wird er vom gemeinnützigen Trägerverein "Let"s Do It! Germany" ausgerichtet. Nach dessen Angaben säubern dabei Millionen von Mitmachern in 180 Ländern Straßen, Parks, Strände, Wälder, Flüsse, Flussufer und die Meere von achtlos beseitigtem Abfall und Plastikmüll. 2020 hatten sich elf Millionen Menschen weltweit an der Aktion beteiligt. Dieses Jahr hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Schirmherrschaft für den World Cleanup Day übernommen. 

 
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