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Freiwillige sammeln Zigarettenkippen: Gegen die Stummel

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In Bad Rappenau ist es wie überall: achtlos weggeworfene Zigarettenkippen in Parks, auf Straßen und an Bushaltestellen. Regelmäßig sammelt dort eine Gruppe Freiwilliger die Stummel ein und befestigt provisorische Aschenbecher an öffentlichen Bänken. Die Idee dafür entstand während des ersten Lockdowns.

Im Schnitt einmal pro Monat gehen Freiwillige in Bad Rappenau Zigarettenkippen sammeln. Bis zu einem Eimer füllen sie in anderthalb Stunden. Länger sind sie selten unterwegs, denn die Bedienung der Zangen ist anstrengend für die Hände. Fotos: Hofmann
Im Schnitt einmal pro Monat gehen Freiwillige in Bad Rappenau Zigarettenkippen sammeln. Bis zu einem Eimer füllen sie in anderthalb Stunden. Länger sind sie selten unterwegs, denn die Bedienung der Zangen ist anstrengend für die Hände. Fotos: Hofmann  Foto: Hofmann, Elfi

Greifzange, Warnweste und ein großer Eimer: Mehr braucht es nicht, um Zigarettenkippen zu sammeln, zumindest in Bad Rappenau. In der Kurstadt treffen sich seit April 2020 regelmäßig Bürger, um die Straßen und Grünanlagen von den kleinen Stummeln zu befreien. Die Idee dazu hatte Klaus Ries-Müller. "Ich war im Homeoffice, die Fahrzeit zur Arbeit fiel also weg. Und die Bewegung fehlte", erinnert er sich an die Anfänge.

Im Schnitt einmal pro Monat gehen die Sammler auf die Jagd nach dem Müll. Diesmal haben sie sich für eine Strecke quer durch den Schlosspark entschieden. Ausgangspunkt ist wie immer vor Klaus Ries-Müllers Haus. Sieben Personen haben sich versammelt, nicht alle sind ÖDP-Mitglieder. Und keiner von ihnen ist Raucher.

An einer Bushaltestelle werden sie erstmals fündig, zahlreiche Zigarettenstummel liegen auf dem Boden. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sieht es noch schlimmer aus. Dort befinden sich zwei Restaurants und ein Weg direkt in die Stadtmitte. "Da finden wir immer besonders viele Kippen", sagt Ries-Müller und befördert die Hinterlassenschaften mit seinem Greifer in den Eimer.


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Woher die Idee zur Aktion stammt

Selbstgebastelte Aschenbecher sollen auf das Problem aufmerksam machen.
Selbstgebastelte Aschenbecher sollen auf das Problem aufmerksam machen.  Foto: Hofmann, Elfi

Was einfach aussieht, kann ganz schön in die Hände gehen. Nach anderthalb Stunden müsse man aufhören, sagt der ÖDP-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat. Unterhalb der ehemaligen Sport-Ecke liegen weitere Stummel. "Hier stehen viele Bänke, das ist ein Treffpunkt", erklärt Ries-Müller. Obwohl die Stadt viele Abfalleimer aufgestellt habe, werden diese zu selten benutzt. Deshalb hat er in seinem Rucksack leere Milch-Tetra-Paks, die er mit zwei Kabelbindern an den Bänken befestigt.

Die Idee dazu hat er im Internet auf der Seite blockblocks.de gefunden. "Ich gebe dem Ding eine Stunde, bis es brennt", macht ihn ein rauchender Passant auf das Risiko aufmerksam, der seine Zigarette vorbildlich auf dem Boden ausdrückt und in den Mülleimer wirft. Die Milchtüte ist allerdings eher dafür gedacht, Aufmerksamkeit auf das Problem des Kippenschnippens zu lenken. Wie teuer das werden kann, ist vielen Menschen nicht bewusst.


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Bußgeld, Pfand oder Stichprobenkontrollen?

Vor fast drei Jahren wurde in Baden-Württemberg ein neuer Bußgeldkatalog verabschiedet, der in allen Kommunen gilt. Mindestens 70 Euro werden fällig, wenn man vom Ordnungsamt erwischt wird. "Wenn wir sanktionieren, dann geht es ab 50 Euro plus 28,50 Euro Gebühren- und Auslagen los", sagt Bad Rappenaus Pressesprecherin Eva Goldfuß-Siedl. Man habe sich darauf verständigt, dass zunächst einmal mündlich verwarnt wird. Dazu sei es aber erforderlich, dass man jemanden direkt dabei antrifft, wie er eine Kippe wegwirft. "Was sehr selten der Fall ist." Auch in Heilbronn wird eine hohe Gebühr erhoben. Mit knapp 100 Euro bleibt es dort allerdings noch unter den hohen Geldstrafen in Mannheim. Dort werden fast 130 Euro inklusive Gebühr erhoben. Für die Rappenauer Sammler ein gutes Zeichen.

Noch sinnvoller fände Klaus Ries-Müller allerdings die Idee, Pfand zu erheben. Eine entsprechende Online-Petition gibt es. Mehr Stichprobenkontrollen fordert Jochen Hirschmann. Er wisse, dass das Bad Rappenauer Ordnungsamt viel zu tun hat. "Aber wenn sie sowieso unterwegs sind, könnten sie die Augen offen halten", sagt er. Das kann sich auch in finanzieller Hinsicht lohnen, denn auf dem Kirchplatz finden Axel Jänichen und Alfred Welter an diesem Tag einen Zehn-Euro-Schein. "Das Geld liegt manchmal doch auf der Straße", resümiert Klaus Ries-Müller und greift mit der Zange nach der nächsten Kippe.

Zählung

Die Kippen werden gesammelt und am Ende zusammengeschüttet. Im Zeitraum zwischen April und September 2020 kamen so rund 60 Liter zusammen, was circa 6700 Euro entspricht, die Raucher für ihre Sucht ausgegeben haben. Eine Kippe kann übrigens 60 Liter Wasser vergiften, wenn sie in den Kreislauf gelangt. 

 
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