Arbeiter trotzen Wind und Wetter

Die Baumgrenze hat er bereits überschritten. Noch ragt die Spitze des 75 Meter hohen Baukrans deutlich über den Betonschaft des neuen SWR-Senders auf dem 514 Meter hohen Friedrichsberg bei Waldenburg hinaus

Von Juergen Koch

Arbeiter trotzen Wind und Wetter
Alles im Blick haben Architekt Hans Becker (Mitte) und seine Kollegen.

Die Baumgrenze hat er bereits überschritten. Noch ragt die Spitze des 75 Meter hohen Baukrans deutlich über den Betonschaft des neuen SWR-Senders auf dem 514 Meter hohen Friedrichsberg bei Waldenburg hinaus. Schon von weitem grüßen Kran und Turm-Schaft hinunter auf die Hohenloher Ebene. Meter um Meter wächst der Schaft in die Höhe. „Wenn alles nach Plan läuft, ist er bis Ostern hochgezogen“, sagt Architekt Hans Becker, der die Oberbauleitung des SWR-Projektes hat. Mit 90 Metern Endhöhe ist der Turmschaft dann 15 Meter höher als derzeit der Kran. Noch fehlen mehr als 50 Meter. Bis zur Endhöhe des fertigen Senders sogar mehr als 110 Meter.

Querwaldein Schon von der Ebene aus lässt sich erahnen, dass der Senderneubau des Südwestrundfunks (SWR) mehr Turm als Türmchen ist. Wer nach gut zwei Kilometern querwaldein auf der Baustraße das eingezäunte und videoüberwachte Baugelände auf dem Friedrichsberg erreicht, staunt nicht schlecht über den gewaltigen Betonschaft. Seine 12,60 Meter Durchmesser entsprechen der Breite eines durchschnittlich großen Einfamilienhauses.

Arbeiter trotzen Wind und Wetter
Solche Ausblicke auf den Betonschaft des neuen SWR-Senders, den Gewerbepark und die Hohenloher Ebene hat nur der Kranführer. Auf diesem Foto sind die Bauarbeiter damit beschäftigt, Schalungselemente zu montieren.

Fotos: Juergen Koch/privat

Wind und Wetter Einschalen, betonieren, ausschalen - seit Wochen ist das das täglich Brot von Polier Wolfgang Sommer, Richtmeister Karl Hartmann und ihrer fünf Bauarbeiter. Konzentration ist angesagt, wenn die bis zu drei Tonnen schweren stählernen Schaltafeln erst zusammengeschraubt, dann mit Stahlseilen in den Kranhaken eingehängt werden. Präzise steuert Kranführer Detlev Fiddecke in luftiger Höhe Ausleger und Seil, zieht den drei mal zehn Meter großen Stahlkoloss langsam und vorsichtig in die Höhe. Droben auf der Arbeitsbühne dirigieren drei Kollegen das Schalelement passgenau an die richtige Stelle und schrauben es fest. Fangnetz und Absturzsicherung sorgen für Sicherheit.

Bis Außen- und Innenschalung fixiert sind und der Eisenflechter den Bewehrungsstahl eingebracht hat, vergehen drei Tage. Dann wird betoniert, verdichtet, wenn der Beton abgebunden hat, wieder ausgeschalt, um dann wieder mit Einschalen zu beginnen. „Weil die Schaltafeln eine große Angriffsfläche bieten, macht uns zum Teil der Wind Probleme“, sagt Bauleiter Torsten Gerhard von der Eduard Züblin AG. Auch eisige Temperaturen und lange Arbeitszeiten seien für die Arbeiter nicht ohne. „Wenn wir betonieren, kann’s schon mal abends neun Uhr werden“, sagt Gerhard.

Arbeiter trotzen Wind und Wetter
Doppelt so hoch wie die Kran-Spitze wird der fertige Sender emporragen.
Laserkontrolle „Wegen der Größe der Schaltafeln betonieren wir in Abschnitten von drei Metern, dafür brauchen wir eine knappe Woche“, sagt Hans Becker. „Je weiter hoch wir kommen, desto schneller geht’s, weil der Turm sich nach oben verjüngt,“ so der Oberbauleiter. Drei bis vier Lastwagen Beton „pro Schuss“, wie die Bauleute einen jeden Schalungsabschnitt nennen, schluckt der Schaft. Insgesamt geht Züblin-Bauleiter Gerhard von rund „100 Tonnen Bewehrungsstahl und 1000 Kubikmeter Beton“ aus. Damit der Sender auch wirklich senkrecht in die Höhe wächst, wird mit einem exakt mittig und senkrecht im Schaft montierten Laser vor jedem Betonierabschnitt kontrolliert, ob alle Strecken von außen bis zur Mitte gleich lang sind.

Sendetechnik „Wenn der Schaft steht, brauchen wir etwa drei Monate, um den Stahlaufsatz und den Zylinder aus glasfaserverstärktem Kunststoff zu montieren“, sagt Hans Becker. Dann wird das Betriebsgebäude hochgezogen. Er geht davon aus, dass „die bauliche Anlage bis Jahresende 2007 fertig ist“. Im Folgejahr wird die Sendetechnik ausgebaut. „Wenn alles läuft, wie wir uns das vorstellen, kann der Sender Ende 2008 ans Netz gehen“, sagt der für Sendetechnik zuständige SWR-Mann Gerhard Bosch. Nach jetzigem Stand ohne Mobilfunksender. „Technisch ist es möglich, aber derzeit ist definitiv nichts im Gespräch“, so Bosch. Und wenn, dann komme nur eine „reine Richtfunk-Verteilerstation und keine Versorgung von Handyteilnehmern in Frage“.