Mulfingen feiert beim Tauben- und Geflügelmarkt – ein ganzes Dorf im Rausch
Der große Festumzug beim Tauben- und Geflügelmarkt in Mulfingen hält erneut, was er verspricht. 35 Gruppen und 859 Teilnehmer legen sich am Samstag mächtig ins Zeug, um Tausende Besucher in Faschingslaune zu versetzen. Es bleibt trocken, dafür regnet es reichlich Lokalkolorit.
Mulfingen ist „im Spendenrausch“. Wohin soll das noch führen? Die Gruppe Nougschwarddld 09 weiß die Antwort und „startet ein Raumfahrtprogramm“. Ihr Motivwagen überragt alle anderen. Oben jubelt die Crew in und unter dem „Spaceschwarddl 09“, das gleich abhebt.
Sind die Mulfinger jetzt größenwahnsinnig geworden? „Ach was“, winkt Berni Diemer nach dem Umzug im Gespräch mit der Stimme ab.
Tauben- und Geflügelmarkt Mulfingen: Auf dem Weg zum Raketenbahnhof
„Wir haben doch gerade 500.000 Euro von der Familie Sturm bekommen“, sagt das Gründungsmitglied der Gruppe: Es ist für die Zukunftsentwicklung des Wertplatzes bestimmt. Das ist das neue Wohngebiet in Mulfingen, eine Straße wird nach Gerhard Sturm benannt.

Doch es soll noch mehr Geld folgen. „Wenn das so weitergeht, weist unser Weg irgendwann unweigerlich ins All“, schmunzelt Diemer. „Dann können wir von der Kohle einen Raketenbahnhof bauen und zum Mond fliegen.“ Mit dem Künzelsauer Astronauten Alexander Gerst? „Nein, nein, dann fliegen wir schon selbst.“
„Täubchentränke“ ist Epizentrum der Berauschten
Es sind solche Geschichten, die den Festumzug so beliebt machen. So viel Offensichtliches und so viel Offenbartes aus dieser kleinen, aber doch so weiten Dorf-Welt. 35 Gruppen und 859 Teilnehmer legen sich ins Zeug, um tausende Besucher in Faschingslaune zu versetzen. Es bleibt trocken, dafür regnet es reichlich Lokalkolorit.
Das Zentrum steht Kopf an diesem Samstag, der Ortsrand ist zugeparkt, die Straßen sind proppenvoll – wie so manche Besucher, die es an der Theke der „Täubchentränke“ ordentlich krachen lassen. Vor drei Jahren hat sie die Schirmbar abgelöst und ist das unumstrittene Epizentrum der Berauschten.
Wenn dann noch ein Umzugs-Highlight nach dem anderen vorbeirauscht, ist das Glück des feierfreudigen Mulfingers perfekt. Spendenrausch? Umzugsrausch? Täubchenrausch? Egal was, der Markt verleiht Flügel.
Ein Lokalhit nach dem anderen beim Umzug in Mulfingen
Die Panzerknacker von Zet Aktiv haben ganze Arbeit geleistet: „Sören, wir besorgen dir die Kreisumlage.“ Der Bürgermeister strahlt und nimmt das Geld dankend an. Arme Kirchenmaus? Von wegen. Dafür heißt es in Hollenbach: „Schreck oh Schreck, der Pfarrer ist weg“, wie der Hollenbächer e.V. skandiert. „Kirche und Linde bleiben aber im Dorf.“
Auch in Mulfingen soll es vorkommen, dass die Straßenlampen nicht leuchten. Was braucht es da am dringendsten? Richtig. Die „Stadtwerke Mulfingen“. Ihr Auftrag: „Wir werfen den Generator an, damit jede Laterne strahlen kann“, dichtet die Gruppe LSD.
Von Soko Biotonne bis Automatenschwemme
Die örtliche „Soko Biotonne“ macht den vermummten Operateuren der Abfallwirtschaft Konkurrenz, die den Biomüll ausgewählter Tonnen auf rollenden Tischen penibel sezieren, um Fremdstoffe herauszufischen. Kommentar der Gruppe Kladderadatsch: „Falsch getrennt, Betty flennt.“
Die Gruppe Uff’n Punkt macht ihrem Namen alle Ehre und zieht die „Automatenschwemme“ durch den Kakao – am Beispiel der wachsenden Zahl von Poststationen, weil viele Verbraucher zwar sehr viel online bestellen, aber fast nie daheim sind, wenn der klassische Postbote klingelt. Das Motto: „Kein Mensch zur Stelle, was für eine Automatenwelle.“
Das Sportheim darf nicht untergehen
Was ist, wenn alle Server streiken und selbst die KI verstummt? Dann geht es „zurück in die Steinzeit“. Die St. Anna Ultras scheinen daran Gefallen zu finden. Oder doch lieber bei „Asterix und Obelix“ anhalten? Darüber würde sich Keller- und Schuppentruppe vom Railhof freuen. Das Sportheim darf nicht sterben. Deshalb wird es nun umgebaut, „mit Hammer und Bohrmaschine und Musik im Ohr“, textet die Gruppe Nouni Sicher. „Salvatore ist weg, wir sagen Ade, das Sportheim lebt weiter, prost und juhe.“ Wie schön. Darauf noch einen Asbach.
Panzer und Kaserne: Düstere Zeiten ziehen auf
Denn bald könnten auch im Jagsttal düstere Zeiten anbrechen. Der Panzer „Mulfingen 1“ rattert schon mal testweise durchs Dorf und pikst die Schaulustigen mit seinem Kanonenrohr.
Dahinter rollt die „Kaserne Röthelweiler“ des gleichnamigen Faschingsvereins an: „Bald heißt es für die Jugend: Leopard und Puma statt Jagsttal-Strand und Luma.“ Gegen solch grausame Vorstellungen hilft nur eines: Feiern, als ob es kein Morgen gibt – inmitten fetter, dunkelgrüner Rau(s)ch-Schwaden.
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