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Mord aus Eifersucht?
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Prozess um getötete Frau aus Künzelsau: Familie des Opfers sagt aus

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Aus Eifersucht soll ein Mann in Künzelsau 15 Mal mit dem Küchenmesser auf seine Frau eingestochen haben. Sie starb noch am Tatort. Vor Gericht sagen die Geschwister der Getöteten aus.

Von Matthias Lauterer

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Die ersten Zeugen, die im Prozess um die Tötung einer Frau aus Künzelsau befragt werden, sind deren Bruder und Schwester, die auch als Nebenkläger auftreten. Die Schwester des Opfers, sie soll hier Eleni heißen, berichtet, dass ihr am Morgen nach der Tat aufgefallen war, dass die Rollläden der Wohnung ihrer Schwester noch geschlossen waren.

Auch konnte sie ihre Schwester nicht telefonisch erreichen. Und das Auto des Schwagers, mit dem er normalerweise morgens zur Arbeit fuhr, stand auch vor der Tür. Sie machte sich Sorgen. Zusammen mit einer Freundin ging sie hinüber und wollte die Tür mit ihrem Zweitschlüssel öffnen. 

Ehefrau mit 15 Messerstichen in Künzelsau getötet: Prozess am Landgericht Heilbronn

Vor Gericht spricht Eleni klar und strukturiert, erinnert sich an Details: „Ihre Pantoffeln standen noch draußen“, berichtet sie. Die Wohnung war dunkel, nur im Bad brannte Licht, sie sah die Hände ihres Schwagers auf dem Rand der Badewanne. Das Wasser war rot – der Rest der Szene war von einem Duschvorhang verdeckt. 

Eine sofort alarmierte Sanitäterin habe irgendwann die Tür zur Küche geöffnet und sie daraufhin nicht mehr in die Wohnung gelassen: „Das ist jetzt ein Tatort“. Ob Eleni etwa selbst einen Blick in die Küche geworfen und die Leiche gesehen hat, sagt sie nicht.

Über Christos V., ihren Schwager, der die Tötung seiner Frau bereits gestanden hat, verliert sie kein schlechtes Wort. „Er war ein Vorzeige-Ehemann und ein guter Vater“, sagt sie. Und ergänzt traurig: „Bis zu diesem Tag“. Es ist einer der wenigen Momente, in denen man ihr anmerkt, wie tief bewegt sie innerlich ist. Sie findet aber schnell wieder in ihre beherrschte Sprechweise zurück.

Aus Eifersucht auf Ehefrau in Künzelsau eingestochen? 

Die Schwester habe sich in den letzten Monaten, ungefähr seit Weihnachten 2023, verändert, hat sie bemerkt. Sie kleidete sich anders, „einmal kam sie in einem roten Kleid“, habe andere Musik gehört und sich manchmal verhalten „wie ein Teenager“. Sie habe auch vermehrt Alkohol konsumiert. Sie sei auch in ihrer Ehe nicht mehr glücklich gewesen, berichtet sie aus Gesprächen unter Geschwistern.

Eleni war in dieser Zeit die Vertrauensperson beider Eheleute. Auch der Mann habe sich mit seinen Sorgen an sie gewandt: Er vermutete eine Affäre seiner Frau. Eleni verneinte dies guten Gewissens. Zwar wusste sie von Chat-Bekanntschaften, doch dass es zu persönlichen Treffen oder gar sexuellen Beziehungen gekommen sein sollte, war ihr wohl nicht bekannt.

Die Intensität dieser Beziehungen bleibt bei Elenis Aussage offen: Waren es nur Chats oder hat sich die Getötete tatsächlich mit mehreren Männern getroffen, wie die Staatsanwaltschaft behauptet? Für Eleni gibt es Hinweise, dass zumindest während eines Griechenland-Urlaubs der Familie Treffen mit einem Chatpartner stattgefunden haben könnten. Für den vernehmenden Polizeibeamten erscheint die Situation klarer: Auch vor Gericht ging er von sexuellen Beziehungen aus.

Mord aus Eifersucht: Keine Trennung

Auf gar keinen Fall, so Eleni, wollte ihre Schwester eine Trennung von ihrem Mann, sie habe ihn geliebt. Dass sie in einem emotionalen Zwiespalt war, sie sich vielleicht auch einmal auf etwas anderes einlassen wollte, erklärte sich Eleni mit einer Midlife-Crisis oder den Wechseljahren.

Der Angeklagte hatte auf dem Handy seiner Frau einen dieser Chats entdeckt. Den Text des Chatpartners mit dem Pseudonym „Aufgussmeister“ deutete er als klaren Hinweis auf eine Affäre. Im Fitnessstudio gebe es eine Sauna, berichtet Eleni, die sei jedoch automatisch und es gebe keinen „Aufgussmeister“. Wer der Mann sein könnte, weiss sie nicht.

Noch am Tattag hat der Bruder, der weiter entfernt wohnt, mit seiner Schwester telefoniert. Er hat ihr geraten, das Gespräch zu suchen. Das fand am Abend statt. Mit bekanntem Ausgang.

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