Warum kurze Aufenthalte die Hospiz-Arbeit erschweren
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Die ersten Monate des neuen St. Elisabeth Hospiz Hohenlohe sind geschafft. Dass Sterbenskranke sich häufig sehr spät ans Hospiz wenden, sei eine Herausforderung. Woran das liegt und welche Erfahrungen andere Einrichtungen machen.
Das St. Elisabeth Hospiz Hohenlohe in der Künzelsauer Rösleinsbergstraße ist seit Mitte März dieses Jahres in Betrieb.
Foto: Ludwig, Tamara
Herausfordernde erste Monate liegen hinter dem Team des St. Elisabeth Hospiz in Künzelsau: Alles ist noch neu, Abläufe werden eingeübt, jeder Mitarbeiter muss seine Rolle finden, hier und da wird nachjustiert. Trotzdem ist in der Einrichtung sofort die Ruhe und Haltung präsent, die die pflegerische Leiterin Silke Feinauer lebt, verkörpert und ausstrahlt. Seit den Planungen für das neue Hospiz mit acht Plätzen hat sich der Berg Arbeit, der auf Feinauer wartet, nicht verkleinert – lediglich in seiner Gestalt verändert. Dennoch sagt sie voller Überzeugung: „Ich bin froh, dass ich hier bin. Die Arbeit ist sehr wertvoll und schön.“
Kurze Verweildauer der Gäste ist eine Herausforderung für das Team im Hospiz
Zu schaffen macht ihr und ihrem Team allerdings die bisweilen kurze Verweildauer der Gäste. Meist, so berichtet Silke Feinauer, kämen die Gäste in einem sehr späten Stadium ihrer Krankheit im Hospiz an und seien dann nur wenige Tage, manchmal gar nur Stunden da. Das bedeutet für das Team einen hohen organisatorischen Aufwand. Aber nicht nur das: Zwar könne man von pflegerischer Seite bestmögliche Betreuung gewährleisten, die zwischenmenschliche Begleitung leide jedoch. Denn ein echtes Kennenlernen der Bedürfnisse des Gastes oder gar eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen, sei erschwert. „Es ist trotzdem wichtig, dass die Menschen überhaupt da sind“, betont Feinauer.
Hospiz-Arbeit leidet unter kurzen Aufenthalten
Sie wünsche sich allerdings, die Gäste über einen längeren Zeitraum betreuen zu können. „Gerade müssen wir sehr spontan sein, eine Planbarkeit gibt es nicht. Manchmal erhalten wir einen Anruf, machen alles für die Aufnahme des Gastes bereit, dann verstirbt die Person, bevor sie überhaupt bei uns ankommt.“ Sie hat aber Verständnis, dass viele Menschen beispielsweise möglichst lange zu Hause in ihrem gewohnten Umfeld bleiben möchten. Manch einer schiebe diesen letzten schweren Schritt vor sich her, klammere sich an das Gefühl von Normalität. Aber was tun, damit die Menschen etwas früher den Weg ins Hospiz gehen? Dass sie und ihre Angehörigen den Wert erkennen, den diese pflegerisch wie psychologisch kompetente, würdevolle und wertschätzende Begleitung bringt? Das gehe nur über Information, ist Feinauer überzeugt.
Hospiz in Schwäbisch Hall hat ähnliche Erfahrungen gemacht
Das bestätigt auch Oliver Kübler, Leiter des Hospizes in Schwäbisch Hall, das vor rund einem Jahr im September ebenfalls mit acht Plätzen eröffnet hat. „Ganz wichtig ist die Öffentlichkeitsarbeit. Je mehr die Menschen Bescheid wissen, desto besser.“ Dabei setzten er und sein Team auf öffentliche Besichtigungen und Infoveranstaltungen. Den Kollegen in Künzelsau rät er, „durchzuhalten, bei uns war es anfangs auch so, und das war eine große Herausforderung für das Team und die Arbeitsabläufe“. Nach einiger Zeit habe sich die Verweildauer inzwischen deutlich gesteigert. Man habe sich an die für stationäre Hospize durchschnittliche Verweildauer von 17 bis 24 Tagen angenähert. Auch er betont jedoch: „Dieser letzte Schritt ins Hospiz, das ist eine Sondersituation im Leben eines Menschen“, so Kübler.
Auch Hospizdienst Kocher-Jagst wünscht sich möglichst frühe Kontaktaufnahme
„Es gibt immer eine gewisse Hemmschwelle“, berichtet auch Carmen Landwehr vom Hospizdienst Kocher-Jagst, der unheilbar erkrankte Menschen mobil zu Hause oder in Kliniken betreut. Anders als beim stationären Hospiz, kann der Hospizdienst bereits nach der Diagnose einer lebensbedrohlichen oder lebensverkürzenden Erkrankung in Anspruch genommen werden. Allerdings sind ambulante Hospizdienste „nicht für die medizinischen oder pflegerischen Bereiche zuständig“, betont Landwehr. „Unsere qualifizierten ehrenamtlichen Begleiter sind Ansprechpartner, hören zu, sprechen, singen, beten, lesen vor und bieten einfach ihr ,Da-Sein’“ an.
Frühere Kontaktaufnahme wirkt sich positiv aus
Wie im stationären Hospiz gelte aber gleichermaßen: Je früher die Begleitung beginne, desto mehr Zeit bleibe für die individuelle Gestaltung der letzten Lebensphase. Unsicherheiten und Ängste können reduziert werden, bisher unausgesprochener Lebensballast darf ausgesprochen werden, kleine Wünsche können noch erfüllt werden und vieles mehr. Es könne eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut werden, was sich positiv auf die letzte Lebensphase und auch die Sterbestunden auswirken könne.
Letztlich, darin sind sich die Mitarbeiter in der Hospizarbeit einig, solle der Mensch auf seinem Weg bestmöglich begleitet und betreut sein. Egal wie lange der Weg dauert.
Gedenkgottesdienst
Für Gäste, die in den fünf Monaten seit Bestehen des St. Elisabeth Hospizes dort verstorben sind, veranstaltet das Team des Hospizes einen Gedenkgottesdienst am Mittwoch, 24. September, um 17 Uhr in der Johanneskirche in Künzelsau. Eine Kerze entzünden, innehalten, Musik lauschen und sich liebevoll erinnern und gemeinsam Trost finden, das ist die Idee des Gottesdienstes für Familie, Freunde und Angehörige der Verstorbenen. Im Anschluss wird zu einem kleinen Beisammensein eingeladen. Eine Anmeldung ist erforderlich unter der Telefonnummer 07940 939380.
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