Kochertaler Bürgermeister auf der Bühne: Humorvolles Theater für guten Zweck
|
2 Min
Anhören
00:00 / 00:00
Erfolgreich kopiert!
Die Bürgermeister von Forchtenberg, Niedernhall und Weißbach feiern Premiere ihres dritten Theaterstücks „Hinter Gittern – Ab in den Frauenknast“. Weiterer Bürgermeister überrascht mit Gastrolle.
Natalie Schäfter in einer ihrer drei Rollen des Abends: Als Insassin des Frauenknasts lehrt sie die Bürgermeister das Fürchten.
Foto: Tamara Ludwig
Im mittleren Kochertal herrscht Gesetzlosigkeit: Kriminelle Taugenichtse regieren in Forchtenberg, Niedernhall und Weißbach, füllen die eigenen Taschen statt des Stadtsäckels. „Wir haben zu lange zugeschaut, der Bogen ist überspannt“, bringt es Staatsanwältin Sophie (Natalie Schäfter) auf den Punkt. Es ist an der Zeit, den drei Bürgermeistern das Handwerk zu legen.
„Heute wird das Ende eingeläutet.“ Und tatsächlich geht es den drei Herren, die sich selbst als „Staatsmänner, Visionäre, Funktionsträger und Väter des Vaterlandes“ betiteln, an den Kragen. Auf sie wartet lebenslänglich – im Frauenknast. Sehr zur Freude des Publikums in der Forchtenberger TG-Halle, wo die Bürgermeister Achim Beck (Niedernhall), Rainer Züfle (Weißbach) und Michael Foss (Forchtenberg) zum dritten Mal ein selbstgeschriebenes Theaterstück auf die Bühne bringen.
Bürgermeister nehmen sich selbst und die Kommunalpolitik auf die Schippe
Augenzwinkernd, selbstironisch und mit einer gehörigen Portion Klamauk nehmen sie sich und die Kommunalpolitik auf die Schippe. Ein Erfolgsrezept, das auch beim dritten Mal die Hallen der drei Gemeinden an sechs Terminen füllt.
Die Schamgrenze, die setzen sie bewusst etwas tiefer an. Schließlich sollen die Leute was zum Lachen haben. Gegen sie verwenden darf man das Ganze ohnehin nicht, stellt Michael Foss bei seiner Begrüßung die Regeln klar. Das Publikum ist dabei nur allzu gerne Komplize.
Charmeur, Heulsuse und Chauvi vor Gericht
Nun zur Handlung: Ein Bürgermeister nach dem anderen muss sich vor Staatsanwaltschaft und der ehrwürdigen Richterin Madeleine (Alisa Seez) verantworten. Die Methoden der eigenen Verteidigung? Höchst unterschiedlich – und höchst wirkungslos. Michael Foss versucht es mit der Charme-Offensive und gekünsteltem französischem Akzent.
Vom Verdacht, Investitionen in Kinderbetreuung und Grundschule nur getätigt zu haben, weil es den eigenen Kindern nützt, kann er sich indes nicht heraus parlieren. Achim Beck gibt die Heulsuse und lässt sich von seinen Söhnen Christian und Matthias verteidigen. Die sind ebenso goldig wie überzeugt von Papas Schuld, das Solebad selbst in Brand gesetzt zu haben. Da helfen auch die herausgepressten Tränen am Ende nicht mehr.
Spende
Die drei Kochertaler Bürgermeister spielen selbstverständlich nicht für den eigenen Geldbeutel oder die jeweilige Gemeindekasse Theater, sondern für einen guten Zweck. Einerseits profitieren die jeweils bewirtenden Vereine von den Gewinnen aus Speis und Trank, andererseits wird ein Teil des Eintrittsgeldes gespendet. Dieses Mal erhält das Hospiz St. Elisabeth Hohenlohe in Künzelsau rund 11.000 Euro. Da lohnt es doppelt, dass die Rathauschefs schauspielerisch ins Zeug legen.
Rainer Züfle mimt den Sexisten. „Er will mit dem Chef sprechen, nicht mit den Azubinen“, erklärt er gegenüber Staatsanwältin und Richterin. Dass er „die einstige Perle des Kochertals“ über Jahrzehnte hinweg systematisch heruntergewirtschaftet hat, kann er nicht glaubhaft widerlegen. Nicht nur seien Gaststätten, Geschäfte und Banken weg, selbst eine „ehemals florierende Cannabis-Zucht im Schlössle konnte wegen fehlender Unterstützung durch den Bürgermeister nicht fortgeführt werden“. Und jetzt will er auch noch die Biege machen und für all das Pension kassieren? Das Urteil ist bei den Dreien schnell gefällt: lebenslänglich. Wobei zumindest das „chauvinistische Fossil nicht mehr so viel Restlaufzeit haben wird“, erklärt die Staatsanwältin mit Blick auf Züfle.
Bürgermeister Sören Döffinger aus Mulfingen mit Gastrolle
Außerdem fungiert Bürgermeister-Kollege Sören Döffinger aus Mulfingen in einer Gastrolle als eine Art Hintergrund-Gag: Er wischt Staub, räumt auf, trinkt aus einem Flachmann, den er aus einer Gießkanne wieder auffüllt.
Emotional wird Rainer Züfles Abschied thematisiert
Am Ende wird es dann emotional, wenn das Stück die bevorstehende Trennung „der drei Musketiere, der drei Fragezeichen, von Tick, Trick und Track, den heiligen drei Königen, Aragorn, Gimli und Legolas“ thematisiert. Denn Rainer Züfle gibt das Bürgermeisteramt im Sommer auch jenseits der Bühne ab.
„Was wir für das Kochertal gemacht haben, wird in die Geschichte eingehen“, sagt er in seinem Monolog. Ob er damit das gemeinsame Theater meint oder den Gemeindeverwaltungsverband, in dem sich die Kommunen drei Ämter teilen? Egal, vermutlich hat er mit beidem recht.
Traurig, aber keine Sorge: Sie können natürlich trotzdem weiterlesen.
Schließen Sie einfach diese Meldung und sichern Sie sich das andere exklusive Angebot auf der Seite. Bei Fragen hilft Ihnen unser Kundenservice unter 07131/615-615 gerne weiter.
Kommentare