Stimme+
Forchtenberg
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Bürgermeister amüsieren mit eigenem Theaterstück

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Bürgermeister aus Niedernhall, Forchtenberg und Weißbach liefern sich in ihrem selbst kreierten Theaterstück "Der Weinkönig" einen Kampf um die Krone im Kochertal. Dabei nehmen sie sich selbst und die Verwaltung auf die Schippe.

Die Krönungs-Outfits der Bürgermeister (v. l.): Achim Beck als Distelfink, Michael Foss in hoheitlicher Robe und Rainer Züfle im krappen-schwarzen Biker-Outfit.
Die Krönungs-Outfits der Bürgermeister (v. l.): Achim Beck als Distelfink, Michael Foss in hoheitlicher Robe und Rainer Züfle im krappen-schwarzen Biker-Outfit.  Foto: Ludwig, Tamara

Den Ratssaal gegen einen Thronsaal tauschen, das wär"s. Und so ist die Motivation der drei zerstrittenen Kochertaler Bürgermeister groß, die Hohenloher Weinkrone zu erobern. Jeder hält sich indes für die beste und einzig wahre Rebenhoheit. Doch Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall - sehr zur Freude des Publikums in der Forchtenberger TG-Halle, das am Freitag die Premiere des Theaterstücks "Der Weinkönig" erlebt.

Das liegt vor allem daran, dass die drei Bürgermeister Achim Beck (Niedernhall), Michael Foss (Forchtenberg) und Rainer Züfle (Weißbach) in Wirklichkeit perfekt harmonieren und sich selbst und ihren bisweilen trocken anmutenden Verwaltungsdienst nicht allzu ernst nehmen. Vorsichtshalber stellt Michael Foss zu Beginn aber klar: "Das Gesagte wird zwar heute gesagt, darf aber nicht gegen uns verwendet werden." Und: "Es soll weder steif noch gesittet zugehen."

Untertänig der Lachmuskelzerrung entgegen

Somit ist die Marschroute geklärt und das Publikum marschiert ganz untertänig mit den Thronanwärtern durch den Abend. Lachmuskelzerrung inklusive. Bevor es zur Wahl des Hohenloher Weinkönigs kommt, erfahren die Zuschauer, mit welchen Unwegsamkeiten und Stresssituationen die Bürgermeister in ihrem Alltag so umgehen müssen. Drei Aufgaben am Tag können da schon mal einen Anflug von Burn-out auslösen. Von den Ärgernissen untereinander und mit dem Landrat ("der fahnenflüchtige Sparkasse-Geldsack") ganz zu schweigen. Da ist von den Vorzimmerdamen (gespielt von Marleen Häfele und Mathea Weinstock) einiges an Diplomatie und Geschick gefordert, um den eigenen überaus stressfreien Job, mit Sektchen hier und Schnäpschen da, zu behalten. Vor allem seit die drei Bürgermeister sich gezwungenermaßen ein Rathaus teilen müssen.

Selbstverliebte Rathauschefs

Das Publikum in der brechend vollen TG-Halle tobt am Freitag bei der Premiere des Theaterstücks.
Fotos: Tamara Ludwig
Das Publikum in der brechend vollen TG-Halle tobt am Freitag bei der Premiere des Theaterstücks. Fotos: Tamara Ludwig  Foto: Ludwig, Tamara

Unabhängig voneinander kommen sie schließlich der Aufforderung des Landrats nach, anlässlich 50 Jahre Hohenlohekreis Kandidaten für den ersten Hohenloher Weinkönig zu nominieren. Selbstverliebt wie die drei sind, nominieren sie sich natürlich selbst - und beginnen sofort mit den Vorbereitungen. Achim Beck wirft sich in eine altertümliche Toga, probiert sich durch alle Hohenloher Weine und übt Trinksprüche. Rainer Züfle sucht sich in einem "Katalögle mit minimalistischer Verwendung von Textilien" - dem angeblich fehlgeleiteten Playboy-Magazin des Sindringer Ortsvorstehers - sein Krönungsoutfit aus. Michael Foss ist derweil überzeugt, dass nur ein gestählter Körper zum Sieg verhelfen wird, weshalb er voller Motivation über die Bühne joggt.

Zum großen Finale, der Wahl zum Hohenloher Weinkönig, dröhnt Musik aus den Boxen und Michael Foss wird in königlicher Robe auf einer Sänfte in den Saal getragen. Seine erste Amtshandlung, so verspricht er: Die Burgruine zu einem Weinschloss umbauen, wo er künftig residiert und seine Amtsgeschäfte führt. Diese Allmachtsfantasien unterbricht der Einmarsch von Rainer Züfle, der im krappen-schwarzen Biker-Outfit zu "Hells Bells" auf die Bühne tritt.

Auf Krawall gebürsteter Distelfink

"Das ist nicht die Wahl zum Brachflächenkönig", kommentiert Foss die Kandidatur des Weißbacher Kollegen, der kontert: "Wir haben im Namen der Qualität die Weinbau-Flächen auf drei reduziert und können mit Stolz sagen, dass es bald nur noch zwei sind." Dann fliegt Achim Beck als plüschiger und auf Krawall gebürsteter Distelfink in den Saal, der weder am Forchtenberger Wein noch am Abgang von Landrat Matthias Neth zum Sparkassenverband ein gutes Haar lässt. Neth, der höchstpersönlich die Moderation der Wahl übernimmt, nimmt"s gelassen. Das kann er auch, denn er hat noch ein Ass im Ärmel, mit dem er den drei aufmüpfigen Möchtegernhoheiten den krönenden Abschluss vermiest.

Sieger des Abends ist das Forchtenberger Publikum: Das wird Zeuge von Rathauschefs und ehemaligen Weinhoheiten in komödiantischer Höchstform, darf über unzählige lokalkolorierte Späße und Anspielungen lachen und einen Landrat erleben, der für eben jene auch zu haben ist.

Selbst kreiertes Stück

Landrat Matthias Neth moderiert die Weinkönig-Wahl. Unterstützt wird er von Karla Kolumna (l., Marleen Häfele) und Rebecca Rebstock (Mathea Weinstock).
Landrat Matthias Neth moderiert die Weinkönig-Wahl. Unterstützt wird er von Karla Kolumna (l., Marleen Häfele) und Rebecca Rebstock (Mathea Weinstock).  Foto: Ludwig, Tamara

Das Stück "Der Weinkönig" haben sich die Bürgermeister Achim Beck, Michael Foss und Rainer Züfle anlässlich 50 Jahre Hohenlohekreis ausgedacht und gemeinsam mit den ehemaligen Weinhoheiten Marleen Häfele und Mathea Weinstock auf die Bühne gebracht. Dass die Rathauschefs und die Ex-Hoheiten ein unterhaltsames Gespann abgeben, wurde bereits 2021 bei den gemeinsamen Weinproben klar. Eine Weinprobe gab es dieses Mal übrigens auch - in den Pausen zwischen den Akten.

 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben