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Stationäres Hospiz wird ein Jahr alt

Hospiz in Künzelsau ist seit einem Jahr in Betrieb

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Wie Leiterin Silke Feinauer auf das erste Jahr im Hospiz St. Elisabeth Hohenlohe zurückblickt. 

Die Eröffnung des Hospiz St. Elisabeth Hohenlohe war ein Meilenstein. Denn lange schon hatte es Bemühungen gegeben, eine solche Einrichtung in Künzelsau zu verwirklichen. Inzwischen ist das Hospiz seit einem Jahr in Betrieb. Die pflegerische Leiterin der Einrichtung, Silke Feinauer, blickt auf dieses Jahr mit Dankbarkeit und Stolz zurück. Denn: „Wir haben schon viel erreicht.“ Als Team sei man zusammengewachsen und entwickle sich stetig weiter, das Konzept und die Philosophie werden gelebt.

Das Hospiz-Team um Silke Feinauer (3. von rechts) blickt mit Dankbarkeit und Stolz auf das vergangene Jahr.
Das Hospiz-Team um Silke Feinauer (3. von rechts) blickt mit Dankbarkeit und Stolz auf das vergangene Jahr.  Foto: Tamara Ludwig

Insgesamt 116 Menschen haben die Hospiz-Mitarbeiter (Stand Ende Februar) bislang begleitet. Die meisten kamen aus Künzelsau und der Umgebung. Aber auch aus dem Neckar-Odenwald-Kreis, Heilbronn oder Stuttgart waren Gäste dabei. Im Schnitt seien diese etwa 20 Tage in der Einrichtung. „Das ist ein guter Wert“, so Feinauer. Denn im ersten halben Jahr hatte das Hospiz-Team noch mit vielen sehr kurzen Aufenthalten zu kämpfen (wir berichteten). Diese bringen einerseits einen hohen organisatorischen Aufwand mit sich, gleichzeitig ist dann eine Begleitung nach den Ansprüchen des Hospiz-Teams, also auf den jeweiligen Menschen und dessen Bedürfnisse einzugehen, kaum möglich. 

Ein Jahr nach der Eröffnung des Hospizes in Künzelsau haben sich Verweildauer und Belegung gut entwickelt

Die längere Verweildauer, so Feinauer, hänge auch damit zusammen, dass das Künzelsauer Hospiz inzwischen bekannter geworden ist. Gerade auch in der Ärzteschaft und in den Krankenhäusern. Das macht sich zusätzlich in der Belegung bemerkbar. Die habe unter anderem im Februar bei nahezu hundert Prozent gelegen, zwischendurch gab es eine Warteliste. 

Aufnahme-Kriterien

Die Kriterien für die Aufnahme in ein Hospiz sind gesetzlich geregelt und für unheilbar kranke Menschen möglich, wenn die Erkrankung soweit fortgeschritten ist, dass die Lebenserwartung auf absehbar kurze Zeit begrenzt ist, aufgrund des Krankheitsbildes ein hoher palliativer (also lindernder) Versorgungsbedarf besteht, keine Krankenhausbehandlung erforderlich ist, eine Versorgung zu Hause aber nicht gewährleistet werden kann und er oder sie (oder gegebenenfalls Angehörige) die Hospizversorgung wünscht. Das Hospiz-Team gibt dazu gerne Auskunft, außerdem informiert die Webseite www.hospiz-hohenlohe.de über alle Kriterien und stellt entsprechende Formulare zum Herunterladen bereit.

Die Rückmeldungen, die das Team von den Gästen und deren Angehörigen bekommen, seien sehr positiv, freut sich Silke Feinauer. Besonders gelobt werde das Essen. „Wir kochen alles frisch, kochen selbst Marmelade ein und vieles mehr“, sagt sie. Außerdem frage man die Gäste explizit nach Essenswünschen, beispielsweise ein Lieblingsgericht aus der Kindheit. „Das sind oftmals ganz einfache, bodenständige Gerichte.“ Aber diese seien an Erinnerungen geknüpft. Warum ist das so wichtig? „Essen und Trinken ist Lebensqualität“, erklärt Feinauer. Und diese bis zum letzten Moment so hoch wie möglich zu halten, den Menschen als Ganzes wertzuschätzen und ihm in Würde zu begegnen, das habe Priorität für die Arbeit in der Sterbebegleitung. 

Liebevoll eingerichtet und mit einer warmen, ruhigen Atmosphäre, sorgt das Hospiz dafür, dass Gäste an ihrem Lebensende sich wohlfühlen.
Liebevoll eingerichtet und mit einer warmen, ruhigen Atmosphäre, sorgt das Hospiz dafür, dass Gäste an ihrem Lebensende sich wohlfühlen.  Foto: Tamara Ludwig

Möglich sei das alles nur, weil der Förderverein „komplett hinter uns steht und sehr vertrauensvoll mit uns zusammenarbeitet“, so Silke Feinauer. Viele Spenden aus der Bevölkerung, von Institutionen und Firmen sowie von Gästen und deren Angehörigen seien im ersten Jahr des Bestehens eingegangen. Dafür sei man unheimlich dankbar. Denn die wertvolle Hospizarbeit, die geleistet wird, ist für die Gäste kostenlos. Die stationäre Versorgung wird zum größten Teil über Leistungen der Kranken- und Pflegekassen finanziert. Der Förderverein schafft über Mitgliedsbeiträge und Spendengelder die ergänzende finanzielle Basis. Außerdem engagieren sich ehrenamtliche Helfer im Hospiz, lesen den Gästen vor, machen Besorgungen oder sind einfach da. 

Außenbereich des Hospizes soll nun ebenso nutzbar werden

In diesem zweiten Jahr soll nun auch der Außenbereich des Hospizes erstmals richtig erblühen und nutzbar sein. „Da freuen wir uns drauf“, so Feinauer. Ebenso wie auf die Bepflanzung des Hochbeets, das die Gemeinde Kupferzell gespendet und aufgestellt habe. Nur das Klavier im Gemeinschaftsraum - ebenfalls eine Spende - müsste noch gestimmt werden, berichtet Silke Feinauer. „Das ist aber sehr teuer.“ Und ein paar Misstöne trüben ohnehin die Freude nicht, die Musik entfachen kann.

Tag der offenen Tür informiert anlässlich des Jahrestags des Hospizes St. Elisabeth

Apropos Freude: Am kommenden Wochenende, 14. März, freut sich das Hospiz in der Rösleinsbergstraße über interessierte Besucher anlässlich seines Jahrestags. Bei einem Tag der offenen Tür von 13 bis 16 Uhr können die Gemeinschaftsräume besichtigt werden. Außerdem werden das Therapie- und Pflegekonzept vorgestellt, Anwendungen wie Aromatherapie und Wachswickel erklärt, ebenso wie das Thema Essen und Trinken im Hospiz. Außerdem wird über die Kriterien zur Aufnahme informiert (siehe separater Infokasten). 

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