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Dörzbach

„Das Bemberle lebt“: Dampflok-Fahrten zum 125-jährigen Jubiläum der Jagsttalbahn

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Beim Festakt zum 125-jährigen Bestehen der Jagsttalbahn am Freitag wird klar: Das Bemberle ist quicklebendig und hat noch längst nicht genug. Bei den Dampftagen an diesem Wochenende rollt und zischt ein echter Stargast über die erweiterte Strecke der Museumsbahn.  


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Die Jagsttalbahn, sie war schon immer eine Überlebenskünstlerin. 39,1 Kilometer lang, Spurweite 750 Millimeter, Kosename Bemberle. „Wir bewegen Geschichte, und auch die Jagsttalbahn hat eine bewegte Geschichte hinter sich“, sagt Volker Egner, Vorstand der Jagsttalbahnfreunde, beim Festakt zum 125-jährigen Jubiläum. „Der Betrieb war schon immer von Mängeln geprägt, die Gemeinden waren noch nie auf Rosen gebettet, und trotzdem überlebte sie länger als viele andere Nebenbahnen.“

Endziel heißt Krautheim: Bis hierhin reichen die Schienen der Museumsbahn

1901 startete der Betrieb, 1988 wurde er eingestellt, seit November 2021 fährt die Jagsttalbahn wieder: als Museumsbahn, zunächst nur innerhalb des Bahnhofs in Dörzbach, seit 2024 darüber hinaus. Zum Jubiläum kamen weitere 336 Meter dazu bis zur Gemeindegrenze. Insgesamt misst sie jetzt rund 1,3 Kilometer. Das nächste Zwischenziel heißt: Klepsau. Es ist weitere 1,3 Kilometer entfernt. Und das Endziel: Krautheim. Dann wären es 6,5 Kilometer – also ein Sechstel der einstigen Strecke bis zur Endstation in Möckmühl.

Diese historische Dampflok-Schönheit zieht viele Blicke auf sich. Sie trägt die Nummer 99 4652, hieß „Frank S“ und fuhr von 1982 bis 1988 auf der Jagsttalbahn.
Diese historische Dampflok-Schönheit zieht viele Blicke auf sich. Sie trägt die Nummer 99 4652, hieß „Frank S“ und fuhr von 1982 bis 1988 auf der Jagsttalbahn.  Foto: Ralf Reichert

Jagsttalbahnfreunde glänzen durch unermüdlichen Einsatz

Alle rechtlichen Bedenken und Streitigkeiten sind ausgeräumt. Jetzt liegt es nur noch am Geld und an der Zeit. Am schier unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz der Jagsttalbahnfreunde wird es am wenigsten scheitern. Der Verein und seine Mitglieder sind der Garant dafür, dass die Bahn eine Zukunft hat als touristisches Aushängeschild: nicht nur für Dörzbach, sondern fürs gesamte Jagsttal, und ja: selbst für Baden-Württemberg und ganz Deutschland.

Denn nur der ehemaligen und jetzt wiederbelebten Bahn ist es zu verdanken, dass Dörzbach und das Jagsttal in der Szene wohlbekannt sind und sie dessen Natur-Schönheit und Lok-Romantik über alle Lande viele weitertragen, wie Heino Seeger, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Museums- und Touristikbahnen, anmerkt.

Endstation im Grünen: Die Gemarkungsgrenze von Krautheim – bis hierhin und (noch nicht) weiter reichen die Schienen der Museumsbahn. Das nächste Ziel heißt: Klepsau.
Endstation im Grünen: Die Gemarkungsgrenze von Krautheim – bis hierhin und (noch nicht) weiter reichen die Schienen der Museumsbahn. Das nächste Ziel heißt: Klepsau.  Foto: Ralf Reichert

Kurzweilige Reden sind gespickt mit netten Anekdoten 

Entsprechend breit gefächert und illuster ist die Gästeschar beim Festakt am Freitag. Die meisten Reden sind kurzweilig und gespickt mit netten Anekdoten. Zu erfahren ist etwa, wie der amtierende Bürgermeister Andy Kümmerle, der als junger Kämmerer anfangs mit einer Bahn nur wenig anfangen konnte, „die ja gar nicht fährt“, von Willi Schmitt quasi milde zwangsverpflichtet wurde, sich dieser Sache genauso anzunehmen wie sein „positiv verrückter“ Chef, bevor der ihm die Rathaus-Schlüssel übergab. „Er hat mir die DNA eingepflanzt, ich habe sie verinnerlicht.“ Basta.

Jagsttalbahn lacht als Letzte – „sie ist zur touristischen Attraktion geworden“

So wie er haben viele die Jagsttalbahnfreunde anfangs belächelt. Aber: „Die Jagsttalbahn lacht als Letzte, sie ist zur touristischen Attraktion geworden.“ Und das ist nicht übertrieben. Denn: „Schon am ersten Jubiläums-Dampftagen am 18. und 19. April „wurden wir überrannt“, sagt Michael Rothenhöfer, Vorstandssprecher der gemeinnützigen Jagsttalbahn AG.

„Wir sind 40 Mal rausgefahren und haben 2000 Fahrkarten verkauft.“ 2500 Essen gingen über die Theke. „Die Supermärkte, Bäckereien und Metzgereien in der Umgebung waren also praktisch ausverkauft“, wirbt Rothenhöfer dafür, diese Form der lokalen Wirtschaftsförderung nicht zu unterschätzen.

Am Wochenende direkt nach dem Festakt, wenn die Jubiläums-Dampftage am 25. und 26. April fortgesetzt werden, dürfte das nicht anders sein. Denn er weiß: Die Jagsttalbahn ist als Phänomen und Mythos für sich schon ein Publikumsmagnet. „Wenn es dann auch noch dampft, kommt noch mehr Frequenz.“

Der Stargast trug die Nummer 99 4652, hieß „Frank S“ und fuhr von 1982 bis 1988 auf der Jagsttalbahn. Das hat den Verein zwar einiges gekostet, aber am Ende ist dank des gewaltigen Interesses und der darob sprudelnden Einnahmen genügend Geld übriggeblieben.

„Das Bemberle lebt“: Es klingt wie ein Schlachtruf für die Jagsttalbahn

Das hat der Verein auch dringend nötig, um irgendwann vielleicht auch mal eine Dampflok dauerhaft fahren lassen zu können und sein Sehnsuchts-Ziel Krautheim zu erreichen. Und zwar nicht erst – wie dessen Bürgermeister Andreas Insam vor kurzem laut Rothenhöfer geflunkert habe „in 25 Jahren“, sondern schon „viel früher: so gut wie es gerade läuft“. Diesem Schlusswort ist nicht mehr viel hinzuzufügen – außer einem lauten „Das Bemberle lebt“. Es klingt wie ein Schlachtruf – und passt perfekt zum Zischen der Dampflok direkt nebendran. 

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