Öhringerin nimmt als Erste Angebot zur Hausarzt-Weiterbildung an: "Vorteil ist die Planungssicherheit“
|
2 Min
Anhören
00:00 / 00:00
Erfolgreich kopiert!
Dem Hohenlohekreis gehen bald die Ärzte aus. Ein Ende 2024 ins Leben gerufenes Programm hat schon bald Früchte getragen. Wer die Ärztin ist und wie die Ausbildung bei ihr abläuft.
Der Hohenlohekreis muss einen Ärztemangel auffangen. Ist der Weiterbildungsverbund ein effektiver Schritt?
Foto: Soeren Stache
Die sprichwörtliche Angel haben die Ärzte und das Gesundheitsamt im Hohenlohekreis im Dezember 2024 ausgeworfen. Es hatte gar nicht so lange gedauert, bis die erste angebissen hat: Dr. Elisabeth Sille ist die erste Ärztin im Weiterbildungsverbund Hohenlohekreis (WBV), den Hausärzte, Hohenloher Krankenhaus und Gesundheitsamt gegründet haben, um Ärzte für die Ausbildung zum Allgemeinmediziner in den Hohenlohekreis zu locken. Denn Studien haben ergeben: Die meisten Ärzte lassen sich in der Region nieder, in der sie ihre Ausbildung gemacht haben.
Weiterbildung durch den Verbund strukturiert
Für Elisabeth Sille war es keine Frage, in Hohenlohe Ärztin zu werden. Sie stammt aus Öhringen, hier wohnt sie mit ihrem Ehemann und zwei Kindern. Das Angebot des WBV nimmt sie gerne an: „Der Vorteil ist die Planungssicherheit“, sagt Sille. Sie hat Klarheit über die einzelnen Abschnitte ihrer Ausbildung. Um die Prüfung für die Allgemeinmedizin ablegen zu dürfen, muss ein Arzt in Weiterbildung nicht nur bei einem Allgemeinmediziner, sondern auch in der Inneren Medizin und einem weiteren Fach mit unmittelbarer Patientenversorgung arbeiten.
Gut, die Klinik vor Ort kennenzulernen
Ohne einen WBV, den es auch in anderen Kreisen in Baden-Württemberg gibt, müssen Ärzte ihre Weiterbildung selbst organisieren. Das resultiert dann manchmal darin, dass in einigen Disziplinen länger gearbeitet wird, als für die Facharztprüfung nötig wäre – das soll durch die Struktur im WBV verhindert werden. Wenn Sille ihre Weiterbildung selbst organisiert hätte, „wäre ich vielleicht auch in die Chirurgie nach Schwäbisch Hall oder Heilbronn“, schätzt sie. „Aber es ist ja gut, das Versorgungsspektrum und die Menschen im Krankenhaus vor Ort zu kennen“, schließlich werde sie in der Hausarztpraxis oftmals Patienten dorthin überweisen.
Dr. Sille arbeitet nun in dem Haus, in dem sie geboren wurde
Noch bis Ende Februar arbeitet sie in der Chirurgie im Hohenloher Krankenhaus – dem Haus, in dem Sille vor 32 Jahren geboren wurde. Danach wechselt sie in die Hausarztpraxis Baier und Hiller in Öhringen. Die beiden Ärzte kannte sie schon vor ihrem Start im WBV. Bei ihnen hat sie famuliert – also ein Praktikum während ihres Studiums absolviert. Über ein Gespräch mit Dr. Stefan Baier sei sie zum WBV gekommen, das war bereits Anfang 2025, also kurze Zeit nach dessen Vorstellung.
Freude im Landratsamt, dass das Konzept fruchtet: Dr. Elisabeth Sille (Dritte von rechts) ist die erste Ärztin im Weiterbildungsverbund Hohenlohekreis. Rechts von ihr steht Landrat Ian Schölzel, vierte von rechts ist Dr. Susanne Bublitz, Vorstand des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Baden-Württemberg, aus Pfedelbach. Zwischen ihnen ist Annemarie Flicker-Klein, Amtsleiterin des Gesundheitsamtes, ganz rechts Dr. Stefan Baier, Hausarzt in Öhringen.
Foto: Götz Greiner
Im September hat Sille ihre Weiterbildung in der Chirurgie des Hohenloher Krankenhauses begonnen und fühlt sich dort gut aufgehoben. Sie lobt den Chefarzt, Professor Frank A. Wenger: „Er geht voll auf meine Wünsche ein“, zum Beispiel könne sie Physio-, Ergo- und Logotherapeuten begleiten. Außerdem sei sie nicht Teil des normalen Stellenplans, sondern eine zusätzliche Kraft. So müsse sie keine sogenannten Dienste leiste – also in der Nacht oder am Wochenende arbeiten. „Das ist das sehr familienfreundlich.“ Und so hat sie Zeit für ihr Hobby: Musizieren in der Öhringer Stadtkapelle.
Eine Hausärztin muss die alltäglichen Wunden versorgen
Eine größere Klinik hätte für die Ausbildung nicht gepasst, ist Sille sicher. Denn die Fälle, die im Öhringer Krankenhaus ankommen, seien auch die, mit denen sie in der Hausarztpraxis zu tun haben werde: „Das Häufige ist häufig, das Seltene ist selten“, fasst Sille das zusammen. Am meisten bringe ihr die Arbeit auf der Notaufnahme: „Hier bekomme ich die ganze Breite der chirurgischen Grundversorgung mit.“
Im Bereich der Inneren Medizin hat sie bereits genug Zeit verbracht: Seit 2020 hat Sille im Diak in Schwäbisch Hall als Assistenzärztin gearbeitet – Internistin wollte sie aber nicht werden. Im März dieses Jahres beginnt Sille ihre Zeit in der Öhringer Hausarztpraxis. Auch nach der Facharztprüfung werde sie wohl in der Praxis arbeiten können, freut sie sich.
Interessenten
Bisher gab es neben Sille drei weitere Interessenten für den Weiterbildungsverbund Hohenlohekreis, heißt es von der Pressestelle des Landratsamtes. Bei zwei davon bestehe kein weiteres Interesse, die dritte Person werde voraussichtlich im April dieses Jahres mit ihrer Weiterbildung beginnen.
Traurig, aber keine Sorge: Sie können natürlich trotzdem weiterlesen.
Schließen Sie einfach diese Meldung und sichern Sie sich das andere exklusive Angebot auf der Seite. Bei Fragen hilft Ihnen unser Kundenservice unter 07131/615-615 gerne weiter.
Kommentare