„Wir werden sogar für Kita-Plätze sorgen“, verspricht Professor Frank Wegner, Chefarzt der Chirurgie im Hohenloher Krankenhaus Öhringen und dortiger Ansprechpartner für den Weiterbildungsverbund Hohenlohekreis. „Wir ergänzen das Portfolio der Praxen“, sagt er über die Rolle derHohenloher Klinik im Verbund. Die derzeit beteiligten Praxen haben ihren Sitz in Forchtenberg, Öhringen und Pfedelbach. Ärzte, die in ihren Praxen weiterbilden wollen, brauchen eine entsprechende Genehmigung der Bezirksärztekammer. Für die Seminare für die Ärzte in Weiterbildung gibt es ein Angebot des Kompetenzzentrums Weiterbildung Baden-Württemberg.
Hausärzte im Hohenlohekreis: So sollen mehr Medizinier in die Region kommen
Die Region soll attraktiver werden für junge Mediziner. Ein Verbund von Praxen und Klinik soll nun dafür sorgen. So soll er funktionieren.

Man nennt es den „Klebeeffekt“: Etwa 85 Prozent der Ärzte bleiben später im näheren Umkreis jenes Ortes, wo sie ihre letzte Weiterbildung zum Facharzt gemacht haben. Dies zeigt eine Auswertung der Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin in Baden-Württemberg (Kosta). Die Frage ist also: Wie kann man die Zahl der Mediziner steigern, die im Hohenlohekreis diese Weiterbildung machen?
Wenn es um die hausärztliche Versorgung geht, setzt der Landkreis Hoffnung auf den neu gegründeten Weiterbildungsverbund Hohenlohekreis (WVH). Für den ist nun mit einer Auftaktveranstaltung der Startschuss gefallen. Der Verbund soll Mediziner, die Allgemeinarzt werden wollen, in den Landkreis locken.
Mediziner, die sich nach dem Studium dann spezialisieren oder das Fach wechseln wollen, werden als Ärzte in Weiterbildung (ÄiW) bezeichnet. Je nach Fachrichtung, müssen sie in verschiedenen Bereichen arbeiten. In den jeweiligen Praxen und Kliniken müssen sie bestimmte Diagnose-Methoden kennenlernen und spezifische Kenntnisse erwerben.
Allein das Planen dieser Weiterbildungen und die oft notwendigen Mehrfach-Bewerbungen kosten die Mediziner viel Zeit. Das habe zur Folge, dass sie teils länger an diesen Stationen seien, als laut der sogenannte Weiterbildungsordnung notwendig, sagt Simone Wahl von der Bezirksärztekammer. Nadelöhr sei der stationäre Bereich. Die Kliniken sind bestrebt, die jungen Mediziner möglichst lange bei sich zu halten. Das bremse die Akademiker aus. Gerade für Ärzte nach dem Studium, die gleichzeitig eine Familie gründen wollen, sei das unpraktisch. Gleichzeitig sei das System auch für Weiterbilder schwierig, da sie sich immer wieder einzeln um die nacheinander eintrudelnden Assistenzärzte bemühen müssen.

Der WVH soll diese Mankos ausmerzen. Im Hohenlohekreis gibt es für ÄIW und Weiterbilder künftig einen separaten Ansprechpartner im Gesundheitsamt: „Die niedergelassenen Ärzte und das Krankenhaus melden, welche Zeitkorridore sie offen haben, dann wird mit dem Interessenten abgesprochen, wann er was macht“, erklärt Amtsleiterin Annemarie Flicker-Klein. Als klar war, dass man in Hohenlohe diesen Weg gehen wird, waren erst einmal fünf Praxen und das Hohenloher Krankenhaus dabei. Inzwischen seien weitere Ärzte hinzugekommen, die zum Teil aber noch die Weiterbildungsermächtigung benötigen.
Puzzleteil Der Hohenlohekreis hat mit dem Konstrukt das Rad nicht neu erfunden. Die Kosta zählt auf ihrer Webseite 48 solcher Verbünde im Land Baden-Württemberg. Die Karte, die Frank Pottenhauser von der Kosta bei der Auftaktveranstaltung dabei hat, zeigt im Nordosten Württembergs aber einen großen weißen Fleck. Der bedeutet: Es gibt hier kaum solche Verbünde. Die kommen aber offenbar gut an. Seine Einrichtung bietet eine Online-Sprechstunde für Medizinstudenten, die sich für die Allgemeinmedizin interessieren. „Da sind Weiterbildungsverbünde regelmäßig Thema“, berichtet Pottenhauser. Der Forchtenberger Allgemeinarzt Constantin Lechner werde in Hohenlohe der erste Ansprechpartner für Interessierte sein. Er setzt sich für den WVH nicht in erster Linie deshalb ein, weil es wenige Ärzte im Landkreis gibt, sagt er. Er selbst habe seinen Facharzt in einem solchen Verbund gemacht. Das Eins-zu-eins-Coaching habe ihm viel gebracht. „Jeder macht eine individuelle Reise durch die Weiterbildung“, betont er. Im Verbund könne man auf Vorlieben der ÄiW eingehen. Denn die Ärzte im Kreis haben unterschiedliche zusätzliche Fachkenntnisse – zum Beispiel in der Pädiatrie oder der Rheumatologie. „Jeder einzelne Jungarzt ist es doch wert, dass wir uns um ihn bemühen“, begründet Lechner die Offensive. Alle Probleme werden damit nicht gelöst, bremst der Künzelsauer Arzt Professor Christoph Karle die Euphorie. „Das ist ein Puzzleteil, um mehr Ärzte zu bekommen“, sagt Simone Wahl. Ein Problem bleibt der Mangel an Fachärzten. Der WVH für Allgemeinmedizin ist ein Anfang, lautet der Tenor zur Einführung.

Stimme.de
Kommentare